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Sportlich tadellos und charakterlich einwandfrei. Manuel Akanji ist der neue Chef in der BVB-Defensive. Intern ist man bei Borussia mehr als angetan von der Entwicklung des jungen Schweizers.

28.09.2018 / Lesedauer: 4 min

Seinen gestiegenen Stellenwert trug Manuel Akanji am linken Oberarm spazieren. Ein Stück weißer Stoff, zusammengenäht und dehnbar, mit schwarzgelbem Logo drauf. Nach außen das sichtbare Zeichen für den Mannschaftsführer und die hohe Wertschätzung, die der 23-jährige Schweizer schon nach seinen wenigen Monaten beim BVB genießt.

Akanji: „Diese Binde ist nicht das Wichtigste“

„Ich freue mich sehr, dass ich Kapitän der Mannschaft sein konnte. Aber ich glaube, diese Binde ist nicht das Wichtigste. Ich will auch ohne Kapitänsbinde ein Führungsspieler in der Mannschaft sein, und während des Spiels merke ich das eh nicht.“

Manuel Akanji wird ohne Umwege zum BVB-Abwehrchef

Manuel Akanji absolvierte gegen Nürnberg in der Schlussphase nach der Auswechslung von Marco Reus die ersten Minuten als BVB-Kapitän. © imago

Intern ist man bei Borussia mehr als angetan von der Entwicklung des jungen Schweizers. Im Winter gelang es Michael Zorc erst nach zähen Verhandlungen, den Innenverteidiger vom FC Basel loszueisen. Der Sportdirektor legte ein paar Scheine drauf, mehr als 20 Millionen Euro sollen es gewesen sein.

Schon jetzt ist Akanji mehr wert als 20 Millionen Euro

Er dürfte dabei schwer mit sich gerungen haben, doch letztlich gewann die Überzeugung die Oberhand, einen richtig guten Griff zu machen. Die Ahnung nach den vielen Scoutings bestätigt sich: Der zwölffache Nationalspieler fand nicht nur ohne große Reibungsverluste in die Dortmunder Mannschaft hinein, er ist nach kurzer Eingewöhnungszeit einer, der vorangeht. Auf dem Platz und in der Kabine.

Manuel Akanji wird ohne Umwege zum BVB-Abwehrchef

Schon jetzt ist der damals als „Vorgriff auf die neue Saison“ verpflichtete Akanji viel mehr wert, beim BVB kann man sich glücklich schätzen, ihn langfristig gebunden zu haben. Im Sommer wäre er für die Borussia übrigens unerschwinglich gewesen.

Kehl: „Nicht ohne Grund in den Mannschaftsrat berufen“

Obwohl Akanji erst seit Januar Dortmunder ist, „haben wir ihn nicht ohne Grund in den Mannschaftsrat berufen“, sagt Lizenzspieler-Leiter Sebastian Kehl. Ins sechsköpfige Gremium hat Lucien Favre neben Kapitän Marco Reus, seinem Stellvertreter Lukasz Piszczek und Akanji auch Marcel Schmelzer, Julian Weigl und Thomas Delaney berufen.

Akanji, Ansprechpartner in Deutsch, Französisch und Englisch, ist gewissermaßen der Anführer der forschen Jugend. Am Mittwoch agierte der 23-Jährige zwischen zwei 19-Jährigen, Achraf Hakimi und Dan-Axel Zagadou. „Er ist jemand, der auch auf dem Platz Verantwortung übernimmt, vor allem in der Defensive, wo er etwa die Höhe der Abwehrkette festlegt und dirigiert“, sagte Zorc.

Akanji verteilt Lob an die Nebenleute

Hätten die Youngster intensivere Betreuung benötigt, sie hätten sie bekommen. „Beide haben ein sehr gutes Spiel gemacht“, lobte der nur wenig ältere Akanji seine Platznachbarn. „,Zaga‘ war sehr ruhig am Ball, mit einer sehr guten Spielauslösung, er hat seine Zweikämpfe gewonnen. Achraf hat auch viele Duelle für sich entschieden und sogar noch ein Tor gemacht.“

Manuel Akanji wird ohne Umwege zum BVB-Abwehrchef

Der Schweizer erzielte sogar noch das Tor zum 5:0 gegen den 1. FC Nürnberg. © imago

Dass Akanji auch noch sein erstes BVB-Tor gelang („Ein sehr gutes Gefühl“), nachdem er im gegnerischen Strafraum den Ball eroberte, mit einer Finte in die Mitte zog und gekonnt einschoss, war die Krönung. Herzensgrüße in Richtung seiner Lebensgefährtin Melanie Windler schickte er noch vom Rasen in Richtung Tribüne. Tore von ihm sollten seine Freundin und die BVB-Fans nicht regelmäßig erwarten. Einen Abwehrchef, der sportlich tadellos und charakterlich einwandfrei auftritt, an den kann man sich wiederum gewöhnen.

Christoph Metzelder sieht enormes Potenzial

Ob Akanji in die großen Fußstapfen eines Mats Hummels treten kann, dessen Verlust als Abwehrchef der BVB bis heute – auch aufgrund der Problematik mit dem Anschlagsopfer Marc Bartra – nicht zu 100 Prozent aufgefangen hat? Ex-Borusse und DFB-Innenverteidiger Christoph Metzelder sieht enormes Potenzial bei beiden neuen Innenverteidigern, Manuel Akanji und Abdou Diallo. Auch die Nachfolge eines Mats Hummels? „Beiden traue ich das von ihren Anlagen her absolut zu“, sagt Metzelder. „Es ist aber auch die Frage, ob es dann direkt der Vergleich mit Mats Hummels sein muss, der außergewöhnliche Fähigkeiten hat.“

Wie weit es der junge Akanji noch bringen kann, da lässt sich nur spekulieren. „Prove them wrong“ („Beweise, dass sie falsch liegen“) hat er sich als Motivation gegen alle Kritiker als Tattoo stechen lassen. Bisher hat er in seiner noch jungen Karriere alle Skeptiker Lügen gestraft.

Kreuzbandverletzung überwunden

Er ist nach einer schweren Kreuzbandverletzung zurückgekommen, auch der Schritt in die Bundesliga kam nicht zu früh, wie manche unkten. Wenn er auf der eingeschlagenen Route weitergeht, wird man ihm in Dortmund noch viel Verantwortung zu Füßen legen - und sie bei ihm gut aufgehoben wissen.

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