Marcel Halstenberg: "Es sind schöne Erinnerungen“

BVB-Gegner Leipzig

Bei RB Leipzig ist Marcel Halstenberg zum Champions-League-Spieler gereift. Zu Beginn seiner Karriere hat der 26-Jährige für Borussia Dortmund II gekickt. Im Interview mit Tobias Jöhren spricht der Linksverteidiger übers Heiraten, seine steile Karriere und einen BVB-Fan in der eigenen Familie.

DORTMUND

, 14.10.2017, 10:00 Uhr / Lesedauer: 3 min
Marcel Halstenberg: "Es sind schöne Erinnerungen“

Früher beim BVB II, jetzt mit RB Leipzig in der Champions League: Marcel Halstenberg (l.).

Sie haben im Sommer kirchlich geheiratet. War es eine Märchenhochzeit? Ja, schon. Auf jeden Fall. Wir haben den Tag genauso gestaltet, wie wir es uns immer gewünscht haben.

Ganz in Weiß? Klar. Mit allem, was dazugehört. Große Feier. Familie. Freunde. Es war wirklich eine Märchenhochzeit.

Was ist denn märchenhafter, Ihre Hochzeitsfeier oder Ihre Karriere als Fußballprofi? (lacht) Sagen wir mal, dass es zwei Märchen sind. Das eine ein privates, das andere ein berufliches. Es kann gerne alles so weitergehen in den nächsten Jahren.

Sie waren auch mal in Dortmund. Von 2011 bis 2013. Welche Erinnerungen haben Sie noch an Ihre Zeit beim BVB? Es sind schöne Erinnerungen. David Wagner hat mich damals geholt. Wir sind im ersten Jahr in die 3. Liga aufgestiegen und haben im zweiten Jahr dort die Klasse gehalten. Das war eine tolle Zeit. Ich durfte ab und zu bei den Profis mittrainieren. Das hat mir und meinem sportlichen Werdegang sehr geholfen.

Es waren große Jahre für den BVB. Erst das Double 2012, dann das CL-Finale 2013. Sie standen damals dreimal im Kader bei der ersten Mannschaft, blieben aber ohne Einsatzzeit. Was hat damals gefehlt, um sich direkt auf höchstem Niveau zu etablieren? Sicherlich die Erfahrung. Deswegen bin ich dann von der 3. Liga zu St. Pauli in die 2. Liga gewechselt. Auch in Leipzig habe ich noch ein Jahr 2. Liga gespielt. Ich denke, ich habe mich stetig verbessert. Ich habe in den Jahren viel gelernt - und bin sehr glücklich, wie es gelaufen ist.

Gab‘s einen besonderen Moment, in dem es Klick gemacht hat, in dem Sie einen besonders großen Sprung gemacht haben? Der Wechsel nach Leipzig und der Aufstieg in die Bundesliga. Das war total wichtig für mich. Ich habe gesehen, dass ich mithalten kann in der Bundesliga. Wir sind ja sogar direkt Vizemeister geworden. Es hat mir sehr stark verdeutlicht, dass sich die ganze Arbeit auf dem Weg dorthin gelohnt hat.

Ist das Spiel in Dortmund denn ein besonderes für Sie? Natürlich. Die zwei Jahre waren schön. Und von klein auf habe ich Sympathien für Borussia Dortmund gehegt. Auch mein Bruder ist BVB-Fan. Ich war als kleiner Junge auch ein paar Mal im Stadion. Insofern ist es ein besonderes Spiel für mich. Ich kenne ja auch noch den einen oder anderen beim BVB.

Das klingt nach großer Vorfreude. Auf jeden Fall.

Trotz der Vorkommnisse beim letzten Duell am 4. Februar in diesem Jahr? Ich habe erst im Nachhinein davon erfahren. Das war natürlich alles sehr unschön, aber ich bin sicher, dass das ein Einzelfall bleiben wird.

Kein mulmiges Gefühl? Nein, überhaupt nicht.

Wie nimmt man das, was rund um so ein Bundesliga-Spiel passiert, als Spieler auf dem Platz wahr? Das Drumherum nimmt man gar nicht so sehr wahr. Das Spiel in Dortmund war sehr intensiv und vor allem laut. Man konnte auf dem Platz so gut wie nicht kommunizieren. Ich denke, dass es dieses Mal mindestens genauso laut sein wird - und da freue ich mich drauf.

Sie sind, wenn man so will, ein besonderer Fall. Sie haben in Dortmund und auf St. Pauli für zwei sehr emotionale und traditionsbewusste Vereine gespielt. Jetzt sind Sie in Leipzig, wo RB einen anderen Weg geht. Was denken Sie eigentlich persönlich, welches Modell finden Sie besser? Ich finde beide Modelle gut, legitim und offenbar erfolgreich. Klar, auf St. Pauli und in Dortmund spielt die Tradition eine wichtige Rolle. Aber auch hier in Leipzig entsteht etwas und vor allem eine eigene Geschichte. Der Verein entwickelt sich fantastisch und hat großes Potenzial. Auch uns begleiten viele Fans - und das wird in den nächsten Jahren hoffentlich noch mehr werden.

Sportlich betrachtet trifft der Tabellenführer auf den Tabellenvierten. Der BVB ist in der Bundesliga noch ungeschlagen. Was spricht dafür, dass Leipzig das ändern kann? Wir sind in Sachen Gegenpressing auch ganz gut unterwegs. Ich denke, es wird ein spannendes Spiel mit vielen Torchancen. Wir werden einen Plan haben, gut eingestellt sein und Vollgas geben - und dann hoffe ich, dass wir den BVB knacken können und mit einem besseren Ergebnis heimfahren als beim letzten Mal (0:1, Anm. d. Red.). Dafür müssen wir aber natürlich an unser Leistungslimit kommen.

Was müssen Sie und Ihre Teamkollegen auf den Platz bringen, damit es für drei Punkte reicht? Wir müssen eiskalt vor dem Tor sein und unseren Chancen konsequent nutzen. Das ist die eine Sache. Die andere ist natürlich, die BVB-Offensive in den Griff zu bekommen. Dafür müssen wir sehr, sehr gut und konzentriert verteidigen.

Und was macht Ihr Bruder am Samstag: BVB-Fan oder Halstenberg-Fan? (lacht) Halstenberg-Fan natürlich. Da muss er sein schwarzgelbes Herz mal für 90 Minuten vergessen und mir und uns die drei Punkte gönnen.

Also ist Blut dicker als Wasser - beziehungsweise das BVB-Trikot? Selbstverständlich. So muss es sein (lacht).

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