Marcel Schmelzer erlebt in Nürnberg einen neuen Tiefpunkt beim BVB

rnBorussia Dortmund

Marcel Schmelzer erlebt bislang ein Fußballjahr 2019 zum Vergessen. Erst die Pfiffe einiger BVB-Fans bei seiner Einwechslung gegen Hannover, nun ein Stammplatz auf der Ersatzbank.

Nürnberg

, 20.02.2019 / Lesedauer: 4 min

Marcel Schmelzer ist oft in der Natur unterwegs. Seine Hunde treiben ihn vor die Tür. Auslauf muss sein. Man kann Mimi und Oskar, so heißen die beiden knuffigen Vierbeiner im Hause Schmelzer, immer mal wieder beim Herumtollen im Wald bestaunen. Das sieht nach Spaß aus. Instagram macht’s möglich.

Schmelzer kommt nur auf 33 Spielminuten seit der Winterpause

In letzter Zeit dürfte Schmelzer die Spaziergänge an der frischen Luft wohl auch dazu genutzt haben, um mal ein wenig über seine Situation bei Borussia Dortmund zu grübeln. Denn bislang sieht das Fußballjahr 2019 nicht nach Spaß aus für den ehemaligen BVB-Kapitän.

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Ganze 33 Minuten stand Schmelzer seit der Winterpause auf dem Rasen, 20 Minuten beim 5:1 gegen Hannover, als ein kleiner Teil der Fans bei seiner Einwechslung pfiff, und 13 Minuten am vergangenen Mittwoch beim 0:3 gegen Tottenham Hotspur im Achtelfinal-Hinspiel der Champions League, als der Linksverteidiger nach 85 Minuten unglücklich zur Ecke klärte, die zum dritten Tor der Spurs führte.

Zorc rechtfertigt Aufstellung in Wembley

Schon im Wembley-Stadion war Schmelzers Nicht-Nominierung in die Startelf durchaus eine Überraschung gewesen. BVB-Trainer Lucien Favre vertraute gegen Tottenham bis zur 77. Minute lieber auf Abdou Diallo, der hinten links verteidigte, und Dan-Axel Zagadou als Innenverteidiger, obwohl der junge Franzose aus einer rund zehnwöchigen Verletzungspause kam und gerade einmal 60 Testspielminuten bei der U23 in puncto Wettkampfhärte vorzuweisen hatte. BVB-Sportdirektor Michael Zorc rechtfertigte die Entscheidung später damit, dass es in der Viererkette „auch um die Körpergröße“ gegangen sei.

Nun, am Montagabend in Nürnberg, spielte Schmelzer wieder nicht von Beginn an. Er wurde auch nicht eingewechselt. Zwar fehlte Lukasz Piszczek weiterhin verletzt und Achraf Hakimi bekam nach zuletzt sehr fehlerhaften Auftritten eine Pause von Favre verordnet, aber weil Julian Weigl zurück in die Innenverteidigung neben Zagadou rückte, Marius Wolf hinten rechts verteidigte und Diallo erneut hinten links, nahm Schmelzer einmal mehr auf der Bank Platz. Favre erklärte die Entscheidung später kurz und knapp mit „sportlichen Gründen“, was übersetzt nichts anderes heißt, als dass es für Schmelzer aktuell offensichtlich nicht reicht.

Abdou Diallo als gelernter Innenverteidiger statt Schmelzer hinten links

Für den langjährigen Platzhirschen hinten links muss sich das alles wie ein saftiger Bud-Spencer-Hieb in die Magengrube anfühlen. Beim dürftigen 0:0 in Nürnberg spielte ein gelernter Offensivspieler als Rechtsverteidiger, im Abwehrzentrum ein gelernter Mittelfeldspieler sowie hinten links ein gelernter Innenverteidiger – und der gelernte Linksverteidiger sah 90 Minuten von der Bank aus zu, wie das Spiel beim Tabellenletzten dahin dümpelte.

Marcel Schmelzer erlebt in Nürnberg einen neuen Tiefpunkt beim BVB

Für Lucien Favre ist der gelernte Innenverteidiger Abdou Diallo hinten links offenbar momentan die bessere Wahl. © imago

Favre schöpfte nicht einmal das gesamte Wechselkontingent aus, brachte nur Jacob Bruun Larsen für Thomas Delaney und Paco Alcacer für Maximilian Philipp. Das war’s.

Schmelzers rasanter Bedeutungsverlust unter Favre kommt durchaus überraschend, denn zu Saisonbeginn spielte der gebürtige Magdeburger immer. In den ersten sieben Pflichtspielen stand Schmelzer jeweils in der Startelf, wurde nur gegen RB Leipzig am ersten Spieltag nach 87 Minuten ausgewechselt. Auch die Ergebnisse passten: fünf Siege, zwei Unentschieden standen in Schmelzers Zwischenbilanz.

Achraf Hakimi lief Schmelzer den Rang ab

Danach bremste ihn ein Knochenödem im Knie aus. Die Verletzung fiel in eine Phase, in der Schmelzer seine Leistungen im Vergleich zur schwierigen Vorsaison deutlich gesteigert hatte. Sein letztes Spiel vor der Verletzungspause absolvierte der 31-Jährige Ende September – beim 7:0 gegen den 1. FC Nürnberg. Fortan musste Schmelzer von der Tribüne aus mitansehen, wie Hakimi als Außenverteidiger glänzte und ihm den Rang ablief.

Marcel Schmelzer erlebt in Nürnberg einen neuen Tiefpunkt beim BVB

Mitte Dezember feierte Marcel Schmelzer in Monaco sein Comeback - nach rund zweieinhalb Monaten Verletzungspause. © imago

Erst Mitte Dezember feierte Schmelzer sein Comeback. Beim 2:0 in Monaco beim letzten Gruppenspiel der Champions League wusste er zu überzeugen, beim 1:2 in Düsseldorf eine Woche später, der ersten Bundesliga-Niederlage unter Favre, enttäuschte er wie viele seiner Mannschaftskollegen auch.

Schmelzer gesund und belastbar auf der Bank

Am 18. Dezember 2018 war das. Seither hat Schmelzer einen schwierigen Stand bei Favre, obwohl er topfit ist und die gesamte Vorbereitung im Winter absolviert hat. Nur die Partie in Frankfurt (1:1) und das Pokal-Aus gegen Werder Bremen verpasste Schmelzer wegen eines grippalen Infekts. Ansonsten saß er gesund und belastbar auf der Bank – aus „sportlichen Gründen“.

Vermutlich ist es mal wieder höchste Zeit für einen ausgiebigen Spaziergang mit Mimi und Oskar.

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