Marcel Schmelzer: "Mein Ziel ist die EM 2016"

Das BVB-Interview

Die Veränderungen in Marcel Schmelzers Aussehen sind nicht zu übersehen: Im Lauf der vergangenen Jahre sind die Haare deutlich kürzer geworden, das Gesicht ist durch den Verlust von Gewicht markanter geworden. Doch nicht nur optisch ist der BVB-Linksverteidiger gereift. Im Interview spricht der 27-Jährige über Entwicklung und Ziele.

DUBAI

, 17.01.2016 / Lesedauer: 5 min
Marcel Schmelzer: "Mein Ziel ist die EM 2016"

BVB-Linksverteidiger Marcel Schmelzer will ncoh auf den EM-Zug aufspringen.

Marcel Schmelzer, vor ziemlich genau einem Jahr stand dem BVB das Wasser bis zum Hals. Denken Sie daran noch manchmal zurück? Nein, eigentlich nicht. Das Schöne am Fußball ist ja: Wenn eine Saison vorbei ist, ist sie vorbei. Die nächste Spielzeit geht bei Null los, unabhängig davon, was davor war.

In der Vorsaison war nach dem Absturz in die Abstiegsregion häufig von einem Teufelskreis die Rede. Hat man beim BVB in dieser Spielzeit das positive Äquivalent dazu gesehen? Ja, das kann man so sagen. Klar ist ja: Wenn man als Profi so eine Saison hinter sich hat wie wir im Vorjahr, dann tut man alles dafür, es im nächsten Jahr besser zu machen. Die frühen Qualifikationsspiele für die Europa League waren da sicher kein Nachteil. Im Gegenteil. Dadurch hatten wir einen kleinen Vorsprung gegenüber unseren Konkurrenten.

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Impressionen des Interviews mit Marcel Schmelzer

Impressionen des Interviews mit Marcel Schmelzer.
15.01.2016
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Impressionen des Interviews mit Marcel Schmelzer.© Foto: DeFodi
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Schlagworte BVB , Borussia Dortmund

Waren Sie überrascht, wie schnell die Mannschaft den Trainerwechsel von Jürgen Klopp zu Thomas Tuchel in positive Ergebnisse umsetzen konnte? „Überrascht“ ist das falsche Wort. Aber man konnte sicher nicht damit rechnen, dass es so schnell gehen würde, dass die ganzen neuen Automatismen greifen. Wir haben davon profitiert, dass uns diesmal kein Leistungsträger vom Kaliber eines Mario Götze, Robert Lewandowski oder Shinji Kagawa verlassen hat. Der Kern der Mannschaft ist zusammengeblieben - und der hat viel dafür getan, dass ein Absturz wie in der Vorsaison nicht noch mal passiert.

Der Stil des BVB hat sich gewandelt. Ein Erfolgsfaktor? Es stimmt, wir haben viel häufiger den Ball in unseren Reihen und drücken den Gegner sehr oft an den eigenen Strafraum. Entscheidend ist, dass wir uns dafür im Training Lösungen einfallen lassen, damit das Ganze nicht zum Handballspiel ohne Abschlüsse mutiert.

Dienen die Bayern als Vorbild? Wir schauen auch mal nach München, das ist doch klar. Denn gegen die Bayern spielen unsere Gegner meist ähnlich wie gegen uns. Da kann man sich schon etwas abschauen.

Nicht nur die Mannschaft insgesamt, sondern vor allem auch Sie haben vom Ballbesitzfußball, den Tuchel spielen lässt, profitiert. Das kann man so sagen. Dadurch, dass die Außenverteidiger bei uns sehr hoch stehen, kommen wir häufiger selbst in die Abschlussbereiche.

Der Ball findet sie inzwischen auch häufiger … Richtig, aber das liegt zu einem großen Teil auch am gestiegenen Selbstbewusstsein des Teams. Für die meisten Mitspieler ist es schwieriger, den Ball auf die linke Seite zu spielen, weil sie dafür den schwächeren Fuß nehmen müssen. Jetzt werden diese Bälle trotzdem gespielt, weil das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten gestiegen ist. Wir haben insgesamt viel mehr Möglichkeiten in der Offensive, was vor allem auch an den guten Laufwegen unserer Offensivspieler liegt.SEITE 2: Schmelzer über Führungsspieler und seine Zukunft

Dennoch beträgt der Abstand zu den Bayern acht Punkte. Die Zeiten, in denen der BVB auf Augenhöhe mit den Münchnern waren, sind schon länger vorbei. Man darf nicht vergessen, dass in dieser Zeit auch einiges passiert ist. Wir haben Leistungsträger verloren – in Mario Götze und Robert Lewandowski übrigens zwei davon an den FC Bayern. Dazu die Schwächephase in der vergangenen Saison. Aber das ist nicht mehr unser Thema. Wir wollen zurück in die Champions League. Platz zwei ist das Beste, was wir erreichen können, wenn die Bayern in der Rückserie so weiterspielen wie bisher. Ihre letzte Schwächephase liegt ja leider schon etwas länger zurück.

Sie zählen zum Kreis der Führungsspieler der Borussia und wurden während der Debatte um Mats Hummels innerhalb der Fanszene als Kapitän ins Spiel gebracht. Wie haben Sie diese Diskussion wahrgenommen? Wir haben die Kritik an Mats innerhalb der Mannschaft als überzogen empfunden. Er übt dieses Amt jetzt zum ersten Male allein aus, das darf man nicht vergessen. Und von außen wird gar nicht gesehen, wie er seine Rolle intern ausfüllt. Wir sind komplett mit ihm zufrieden, daran wird sich auch nichts ändern. Bei uns ist es letztlich allerdings ohnehin egal, wer die Binde trägt. Der Mannschaftsrat füllt das Amt gemeinsam aus. Wir arbeiten zusammen, besprechen uns und legen die Grundsätze fest.  

Dennoch fällt auf, dass sie präsenter geworden sind auf dem Platz. Als uns Sebastian Kehl und Jakub Blaszczykowski verlassen haben, haben wir zwei sehr erfahrene Spieler verloren, deren Wort immer Gewicht hatte. Ich habe mir vor der Saison daher vorgenommen, noch etwas intensiver eine Führungsrolle zu übernehmen.

Ihre öffentliche Wertschätzung ist in den vergangenen Monaten deutlich gestiegen, nachdem Sie zuvor oft auch hart kritisiert wurden. Jürgen Klopp war lange Ihr einziger Profi-Trainer im Verein, hatten Sie vor dem Wechsel zu Thomas Tuchel etwas Bammel? Nein, im Gegenteil. Für mich war es die Chance, meinen Kritikern zu zeigen, dass ich nicht nur wegen Jürgen Klopp bei Borussia Dortmund spiele, sondern weil ich Fußball spielen kann und es verdient habe, in der Bundesliga aufzulaufen. Ich habe registriert, dass es in den vergangenen Jahren immer mal wieder Leute gab, die das anders gesehen haben. Deshalb bin ich sehr froh, dass ich meine Leistungen in dieser Saison sogar noch steigern konnte.

Verspüren Sie Genugtuung? Ein wenig schon, aber nicht in dem Maße, dass ich mich jetzt daheim auf die Couch lege und denke: „Das reicht mir jetzt.“ Ich war mit meinem kompletten Jahr 2015 sehr zufrieden, nicht nur mit der Hinrunde dieser Saison. Aber ich habe mir neue Ziele gesteckt, die ich erreichen will.

Welche sind das? Mein persönliches Ziel ist die Europameisterschaft im Sommer. Da möchte ich dabei sein. Ich weiß, dass ich dazu die Leistungen im Verein bestätigen muss. Idealerweise setze ich noch einen drauf. Vielleicht bin ich dann bereits in den nächsten Testspielen wieder dabei.

Platz zwei in der Bundesliga, die Teilnahme an der EM – das sind zwei Dinge, die Sie anstreben. Was haben Sie sich für die Europa League vorgenommen? Es ist unser Ziel, so weit wie möglich zu kommen. Am liebsten natürlich ins Finale. Porto ist allerdings ein richtig hartes Los. Aber das haben wir uns selbst zuzuschreiben.

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Ein Finale gegen Jürgen Klopp und den FC Liverpool ist dennoch möglich … Das wäre natürlich ein sehr schönes Endspiel. (lacht)

Blicken wir zum Abschluss auf Ihre Vertragssituation. Sie sind noch bis 2017 beim BVB angestellt. Können Sie sich vorstellen, bis zum Karriereende in Dortmund zu bleiben? Möglich ist das auf jeden Fall, ja. Ich spiele seit elf Jahren für den BVB, Dortmund ist meine Heimat geworden. Ich fühle mich hier sehr wohl, das steht außer Frage.

Aber? Es ist doch klar, dass man sich Gedanken darüber macht, wie es wäre, mal etwas anderes auszuprobieren. Würde man sich ärgern, wenn man nach der Karriereende da sitzt und denkt: „Mensch, das habe ich verpasst.“ Genauso gut kann es aber auch genau andersherum laufen. Darüber habe ich mir schon einige Tage lang Gedanken gemacht und darüber werden wir offen reden, wenn die Gespräche mit dem Verein stattfinden. Wir werden eine vernünftige Lösung finden.

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