BVB-Coach Marco Rose. © imago images/Chai v.d. Laage
Borussia Dortmund

Marco Rose und sein Mittelfeld-Roulette: So könnte der BVB spielen

Gegen den FC Augsburg wird Marco Rose sein Mittelfeld umbauen müssen. Borussia Dortmunds Trainer hat gleich mehrere Optionen. Wer erhält das Mandat für die Startelf?

Als waghalsiger Zocker mit Hang zu Experimenten ist Marco Rose bislang noch nicht aufgefallen. Borussia Dortmunds Cheftrainer wählt in der Regel eine Grundausrichtung mit beherrschbarem Risiko. Glücksmomente sind ihm lieber als Glücksspiel. Dass er in den drei Monaten seiner bisherigen Tätigkeit beim BVB der Spielbank Hohensyburg bereits einen Besuch abgestattet hätte, ist (daher) ebenfalls nicht überliefert.

BVB-Trainer Rose mit vielen Optionen im Mittelfeld-Roulette

Am Samstag im Heimspiel gegen den FC Augsburg aber wird Rose mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit Roulette spielen (müssen), wenn er sich der Besetzung des Mittelfelds widmet. Die personelle Situation bedingt es. Wie in den Vorwochen auch, ist davon auszugehen, dass sich der Fußballlehrer für die ihm von ihm präferierte Raute entscheiden wird. Nach der Verletzung von Mahmoud Dahoud, der beim 1:0-Sieg in der Champions League gegen Sporting Lissabon frühzeitig mit einer Innenbanddehnung vom Feld musste, bieten sich nun gleich mehrere Optionen an.

Doch der Reihe nach. Auf der Sechserposition dürfte Axel Witsel gesetzt sein. Der Belgier, zu Saisonbeginn noch neben Manuel Akanji in der Innenverteidigung des BVB postiert, zeigte in der Königsklasse gegen Lissabon im zentralen defensiven Mittelfeld eine solide Vorstellung und dürfte auch gegen Augsburg erste Wahl sein. In Emre Can steht zwar wieder eine Alternative zur Verfügung. Doch ein Startelfeinsatz käme für den deutschen Nationalspieler nach wochenlangen muskulären Problemen wohl zu früh. Zum Kader wird er aber allemal gehören. „Emre sieht gut aus. Er hat eine gute Trainingswoche hinter sich und wird morgen dabei sein“, kündigte Marco Rose am Freitag im Rahmen der Pressekonferenz an.

BVB-Angriff: Thorgan Hazard neben Donyell Malen im Angriff?

Klarheit dürfte auch auf der Zehnerposition herrschen. Hier gibt es keinen Anlass, etwas zu ändern. Marco Reus, der als einziger Borusse für die Länderspielphase der deutschen Nationalmannschaft nominiert worden ist, ist natürlich unumstritten. Auf den Halbpositionen heißt es dagegen Casino Royale, kann Marco Rose doch aus mehreren Möglichkeiten wählen.

So könnte der BVB am Samstag gegen Augsburg spielen: Kobel – Meunier, Hummels, Akanji, Guerreiro – Bellingham, Witsel, Reus, Brandt – Hazard, Malen. © meineaufstellung.de © meineaufstellung.de

Da Erling Haaland gegen den FC Augsburg wegen seiner Oberschenkelblessur weiterhin ausfallen wird, dürfte Thorgan Hazard gemeinsam mit Donyell Malen das Sturm-Tandem bilden. Umso besser, denn auf der rechten Halbposition ist Jude Bellingham seit Wochen ohnehin über jeden Zweifel erhaben. Der junge Engländer glänzt in dieser Saison nicht nur als beherzter Arbeiter, sondern auch mit offensiven Akzenten. Für die bevorstehende Länderspielphase hat ihn Englands Nationaltrainer Gareth Southgate allerdings bewusst nicht nominiert, um dem 18-Jährigen eine dringend benötigte Verschnaufpause zu verschaffen.

BVB-Trainer Rose begrüßt Bellinghams Länderspielpause

„Jude will immer spielen, aber ich glaube, dass das eine gute Entscheidung ist. Die Begründung liegt für mich auf der Hand. Er ist 18 Jahre. In der Summe ist das vom Kopf und der Physis viel, deswegen begrüße ich diese Entscheidung – sie ist sehr schlau. Wir müssen auf die Jungs aufpassen und dürfen sie nicht verheizen“, stellte Marco Rose klar. Dennoch dürfte er auch am Samstag gegen Augsburg an seinem Musterschüler festhalten, um danach die Belastung deutlich zu reduzieren.

Nach dem Ausfall Mo Dahouds wäre damit noch die Halbposition links in der Raute neu zu besetzen. „Mo fehlt uns mit seiner Spielstärke, seinem Spielverständnis und seiner Grundaggressivität“, räumte Marco Rose ein. Giovanni Reyna ist noch nicht wieder Gegenstand seiner Überlegungen. „Er ist noch nicht wieder im Teamtraining, wird noch ein paar Tage brauchen“, sagte der BVB-Coach.

BVB-Linksverteidiger Guerreiro auch eine Option für die Acht

Eine Variante bestünde darin, Raphael Guerreiro hierhin zu beordern und stattdessen Nico Schulz als Linksverteidiger aufzubieten. Der sei gut drauf, bestätigte Rose. Der BVB-Coach kann der Vorstellung, Guerreiro weiter vorne aufzubieten, auch grundsätzlich etwas abgewinnen. „Rapha ist auf der Acht immer eine Idee. Er gibt uns eine spielerische Note, kann Tore vorbereiten und schießen. Es ist möglicherweise eine Option, ihn etwas weiter vorne einzusetzen“, urteilte Rose.

Wahrscheinlicher als diese Variante ist aber wohl, dass sich der BVB-Trainer für Julian Brandt entscheidet. Der Blondschopf, dessen wechselhafte Auftritte im schwarzgelben Trikot wahlweise für Begeisterung oder Kopfschütteln sorgen, hat eine starke Saisonvorbereitung absolviert, ehe ihn seine Corona-Infektion ausbremste. Beim 4:3-Sieg in Leverkusen stand er erstmals in der Startelf, auch hier mit Licht und Schatten. Gegen Lissabon kam er nach acht Minuten für Dahoud und spielte durchwachsen. „Ich erwarte Konstanz, Nachhaltigkeit, Seriosität in seinem Spiel“, unterstreicht Marco Rose. Insbesondere in der Arbeit gegen den Ball muss Brandt zulegen.

Hier darf Borussia Dortmunds Übungsleiter zurecht mehr erwarten, denn den BVB erwartet eine knifflige Mission – Roses Roulette im Mittelfeld fällt ebenfalls in diese Kategorie.

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Redakteur
Cedric Gebhardt, Jahrgang 1985, hat Germanistik und Politikwissenschaft an der Ruhr-Uni Bochum studiert. Lebt aber lieber nach dem Motto: „Probieren geht über Studieren.“ Interessiert sich für Sport – und insbesondere die Menschen, die ihn betreiben. Liebt Wortspiele über alles und kann mit Worten definitiv besser jonglieren als mit dem Ball. Schickt deshalb gerne humorige Steilpässe in die Spitze.
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Cedric Gebhardt

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