Mats Hummels gelingt der Befreiungsschlag

BVB-Innenverteidiger obenauf

Wenn Mats Hummels am Mittwoch seinen 27. Geburtstag feiert, kann er stolz auf eine imposante Sammlung von Titeln blicken. Der junge Mann ist Weltmeister, Deutscher Meister, DFB-Pokalsieger. Er gehört in guter Form zu den besten Innenverteidigern Deutschlands und der Welt. Am Sonntag ist ihm ein weiterer bedeutender Erfolg gelungen: der Sieg gegen die Selbstzweifel und gegen die Kritiker.

DORTMUND

, 15.12.2015, 05:08 Uhr / Lesedauer: 2 min
Mats Hummels gelingt der Befreiungsschlag

In den vergangenen Wochen hatte Mats Hummels nach eigenen Worten "Verunsicherung" gespürt. Doch gegen Frankfurt belohnte er sich selbst.

„Mein Selbstvertrauen war zum ersten Mal in meiner Karriere so ein bisschen angeknackst in den letzten Wochen“, gewährte Borussia Dortmunds Kapitän einen Einblick in sein Seelenleben. Hummels, dem zuvor immer mal wieder ein Mangel an Bescheidenheit und kritischer Reflexion seiner eigenen Rolle nachgesagt worden war, hatte schwer zu kämpfen.

Kritische Aussagen

Weil im Herbst, ähnlich wie es manchmal im Fußball ohne logische Erklärung geschieht, alle Dinge gegen ihn liefen, auch gegen ihn ausgelegt wurden. Er bemängelte das Abwehrverhalten seiner Mannschaft und bezog sich explizit ein. Doch der letzte Teil der Aussage versendete sich, und Hummels galt als einer, der sich wichtiger nimmt als andere, nicht eines Kapitäns würdig sei das. Man solle das „intern aufarbeiten“, rüffelte BVB-Boss Hans-Joachim Watzke den Abwehrchef und bestellte die „nicht pflegeleichte“ Nummer 15 zum Gespräch ein.

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Hummels, nun mehr denn je im Fokus, lieferte mit einigen unglücklichen Aktionen und mitverschuldeten Gegentoren dem Feuer immer neue Nahrung. Wer wollte, konnte wie bei einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung Szenen finden, die man dem BVB-Kapitän anlasten konnte. Nach siebenwöchiger Verweigerungshaltung erklärte er dann im „Kicker“, dass er sich „definitiv falsch bewertet“ fühlte.

"Bloß kein Fehler"

Die Gesamtsituation nagte an ihm. So sehr, dass es einen intelligenten Mann und herausragenden Fußballer dazu brachte, dass er wackelte, dass er einzuknicken drohte. Auch auf dem Platz. Eine erstaunliche Entwicklung, die Hummels an sich selbst feststellte. „Das hatte ich vorher so nicht, dass ich in ein Spiel gegangen bin und gedacht habe: ‚Jetzt bloß kein Fehler‘. Vorher habe ich ein ganz anderes Selbstverständnis gehabt.“

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Es zeugt auch von der Qualität dieses Sportlers, dass die Sicherheit in seinem Spiel nicht allzu tief verschüttet war. Am Sonntag gegen Eintracht Frankfurt lieferte Hummels eine blitzblanke Leistung ab. Mit großer Dominanz in den Zweikämpfen, das war auch in den Wochen zuvor übrigens selten anders gewesen. Hinzu kommt diese für einen Innenverteidiger äußerst seltene Fähigkeit für messerscharfe Pässe in die Schnittstellen der gegnerischen Abwehrreihen. Hier geht Hummels immer ins Risiko: Geht es schief, stöhnt das Publikum. Gelingt es, sind ihm die Ovationen sicher.

Direkt ins Netz

Und dann war da noch die Szene, als ihm der Ball im Strafraum vor die Füße fiel. Henrikh Mkhitaryan hatte die bessere Position, doch Hummels entlud mit seinem linken Schuss die ganze Anspannung der vergangenen Wochen, den Frust und die Wut über sich selbst und über viele andere. Der Schuss ging diesmal nicht nach hinten los, sondern direkt ins Netz. An seinem Jubel und an dem der Mitspieler konnten auch empathielose Gestalten ablesen, dass da jemanden ein wichtiger Befreiungsschlag gelungen war.

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„Das ist definitiv ein schöneres Gefühl, als wenn man den Ball verliert und hinten kracht’s. Ich kann das gut vergleichen gerade“, blickte Hummels, schmunzelnd in seinen Analyse-Modus zurückgekehrt, nach der Partie auf diese Szene. „Bedingt durch das, was die letzten Wochen geschrieben wurde, war das auch für mich persönlich eine große Erleichterung.“ Er wird gestärkt daraus hervorgehen.

Zwei offene Fragen

Bleiben aktuell nur zwei Fragen offen: Wie gedenkt der BVB mit Hummels im kommenden Sommer zu verfahren, wenn der bis Sommer 2017 datierte Arbeitsvertrag letztmals gegen eine üppige Ablöse gebrochen werden könnte? Und was schwebt Hummels vor, der an seinem Interesse für ein Auslandsengagement nie einen Hehl gemacht hat? 

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