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Max und Moritz: Als Timo Konietzka und Jürgen Schütz beim BVB die ganze Liga überraschten

Zeitspiel

Knapp 10.000 Zuschauer warteten gespannt auf den Elfmeter von Timo Konietzka gegen Viktoria Köln. Doch statt den Ball mit Wucht ins Tor zu schießen, narrten er und Jürgen Schütz alle. Unser Zeitspiel.

Dortmund

von Gerd Kolbe

, 28.12.2019, 11:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Max und Moritz: Als Timo Konietzka und Jürgen Schütz beim BVB die ganze Liga überraschten

Jürgen Schütz und Timo Konietzka ergänzten sich prächtig. © imago/Horstmüller

Kampfbahn Rote Erde, 10.000 Zuschauer beim letzten Oberligaspiel der Hinrunde in der Saison 159/1960. Der BVB spielte gegen Viktoria Köln. Borussia Dortmund, angetrieben von dem unermüdlichen Mittelfeldakteur Wolfgang „Sulli“ Peters, dominierte die Partie nach Belieben und hatte sich bis kurz vor Schluss eine souveräne 5:1-Führung erspielt. Friedhelm Konietzka (zwei Treffer), Jürgen Schütz, Aki Schmidt und Regisseur Peters trafen für den BVB, für Viktoria netzte Giegeling.

Es wirkte alles leicht, locker und entspannt, was der BVB an diesem Tag regelrecht zelebrierte. Doch noch war das Match nicht beendet, das Beste sollte noch kommen. Praktisch unmittelbar vor dem Schlusspfiff ging die Hand von Kölns Abwehrspieler Wagner für jeden sichtbar zum Ball. Keine Frage, Elfmeter!

Jürgen „Charly“ Schütz lauerte am Strafraum

Friedhelm „Timo“ Konietzka schnappte sich das Leder und legte es auf dem ominösen Punkt. Nach einem gut fünf Meter langen Anlauf holte er weit aus. Es sah nach einem Vollspannschuss mit viel Power aus, doch weit gefehlt!

Max und Moritz: Als Timo Konietzka und Jürgen Schütz beim BVB die ganze Liga überraschten

Bis heute ist Timo Konietzka eine BVB-Legende. © imago sportfotodienst

Denn Schlitzohr Konietzka legte den Ball diagonal seinem kongenialen Partner Jürgen „Charly“ Schütz vor, der sich in einer offensichtlich abgesprochenen Lauerstellung direkt an der Linie des „Sechzehners“ befand. Schütz flitzte los, zog ab und verwandelte souverän. Großes Erstaunen auf den Rängen, ähnlich großes Erstaunen auch bei den Unparteiischen, die sich in der Platzmitte versammelten, aber nach kurzer Beratung den Treffer anerkannten - es war alles regelgerecht!

Ihre Spielweise brachte ihnen die Namen „Max und Moritz“ ein

Jürgen Schütz und Friedhelm Konietzka waren vor etwa sechs Jahrzehnten die erklärten Idole der Dortmunder Fußballfans. Sie verzauberten mit ihrer unnachahmlichen Art Fußball zu spielen praktisch alle, die es mit den Schwarzgelben hielten.

Technisch überragend, voller Esprit, schnell, torgefährlich, so gut wie nicht zu bremsen. Diese Attribute charakterisieren sie treffend. Dass sie ihre Gegner häufig genug mit schelmischem Humor düpierten, brachte ihnen die anerkennende Bezeichnung „Max und Moritz“ ein.

Max und Moritz: Als Timo Konietzka und Jürgen Schütz beim BVB die ganze Liga überraschten

Jürgen Schütz war einer der Fanlieblinge beim BVB. © Repro: Kolbe

Ihre ersten Gehversuche beim BVB machten sie 1959 unter Trainer Max Merkel, dem Verfechter von „Zuckerbrot und Peitsche!“ Der Jürgen kam von Urania Lütgendortmund, der „Timo“ - den Spitznamen verpasste ihm Helmut „Jockel“ Bracht - von Lünen 08 zum Borsigplatz.

Fußball-Zwillinge schossen Tore wie vom Fließband

So richtig rund ging es dann in der Spielzeit 1959/60. Die Fußball-Zwillinge schossen Tore wie vom Fließband: Schütz kam auf 31, Konietzka auf 27 Treffer. In den folgenden Spielzeiten ein ähnliches Bild. Schütz wurde 1960, 1961 und 1963 Torschützenkönig der Oberliga West, Konietzka folgte stets knapp dahinter.

Gemeinsam wurden die Supertechniker 1963 mit dem BVB noch Deutscher Meister, dann trennten sich ihre Wege, da Jürgen Schütz zum AS Rom nach Italien wechselte.

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