Mehr als nur ein Ausflug: Slavia Prag setzt gegen den BVB voll auf Punkte - und auf Geld

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Slavia Prag ist in der Champions League schon vorm Spiel gegen den BVB ausgeschieden. Punkte wird Slavia trotzdem nicht abschenken. Es geht um Prestige und dringend benötigtes Geld.

von Vit Chalupa

Dortmund

, 09.12.2019, 18:15 Uhr / Lesedauer: 3 min

Nur drei Gegentore in 19 Ligapartien kassierte Slavia Prag bisher - kein einziger Klub in Europa hat eine solch erstaunliche Zahl vorzuweisen. In der Champions League läuft es allerdings anders. Dort steht Slavia vor dem Abschiedsspiel in dieser Saison. Danach ist Feierabend für den Prager Traditionsklub.

Die 1:3-Heimniederlage gegen Inter Mailand machte für Slavia alles klar, die letzten Träume darauf, in einem europäischen Wettbewerb zu überwintern, waren geplatzt. Am Dienstag spielen die Rot-Weißen gegen den BVB im Signal Iduna Park nicht mehr um das Weiterkommen - aber es geht um Prestige und Punkte.

Slavia-Stürmer Milan Skoda freut sich auf den Signal Iduna Park

Abschenken wird Slavia die Partie nicht, das Ziel sind ganz klar Punkte. „Es tut uns sehr leid, dass wir es gegen Inter Mailand nicht geschafft haben, zu gewinnen und damit ausgeschieden sind. Es wäre viel besser, wenn es gegen Dortmund noch um etwas gehen würde. Es ist aber immer noch ein großes Spiel in der Champions League“, sagt Slavias Stürmer, Kapitän und Vereinslegende Milan Skoda, der in den vergangenen zwei Ligaspielen zwei Mal traf.

Mehr als nur ein Ausflug: Slavia Prag setzt gegen den BVB voll auf Punkte - und auf Geld

Milan Skoda ist Kapitän bei Slavia Prag - spielt aber nur selten in der Champions League. © imago/CTK Photo

Skoda freut sich sehr auf die Partie in Dortmund. „In Dortmund ist die Stimmung immer großartig. Da freue ich mich riesig drauf, obwohl ich nicht weiß, was ich eigentlich erwarten soll.“

Sollte der 33-jährige Skoda zum Einsatz kommen, wäre es für ihn erst das zweite Spiel in dieser Gruppenphase. Im Hinspiel gegen den BVB wurde er für die letzten sieben Minuten eingewechselt, in der Startelf stand er noch nie - gegen Dortmund könnte seine Stunde anhand der zuletzt gezeigten Treffsicherheit schlagen.

„Milan hat der Mannschaft mit sehr guter Leistungen in den beiden vergangenen Spielen geholfen. Er braucht das Gefühl, dass er für das Team wichtig ist. Und diesmal war er es,“ sagt Slavia-Trainer Jindrich Trpisovsky.

Wirbel um ein mögliches Angebot für Torwart Ondrej Kolar

Auch Mittelfeldspieler Petr Sevcik zeigt sich vor dem Spiel gegen den BVB angriffslustig - auf dem Platz und daneben. „Ich glaube, dass wir Punkte mit nach Hause bringen - das meine ich ernst.

In Dortmund herrscht sicher die beste Atmosphäre, die wir in der Champions League erleben werden. Natürlich freuen wir uns alle - aber das bedeutet nicht, dass wir nur einen Ausflug machen.“

Dass sportlicher Erfolg und starke Leistungen auch immer einen finanziellen Aspekt mit sich bringen, ist auch bei Slavia Prag nicht anders.

Viel Aufsehen weckte das Gerücht, dass der französische Klub OGC Nizza an Torwart Ondrej Kolar interessiert sei. Vorstandschef Jaroslav Tvrdik reagierte in den Sozialen Medien und twitterte: „Nichts Offizielles, nur über den Spielerberater. Angeblich acht Millionen Euro. Wir wollen mindestens das Doppelte“ schrieb er.

Mehr als nur ein Ausflug: Slavia Prag setzt gegen den BVB voll auf Punkte - und auf Geld

Slavia-Torwart Ondrej Kolar soll das Interesse von OGC Nizza geweckt haben. © imago images/AFLOSPORT

Und auch der 25-jährige Keeper bleibt ganz locker, hat keine Wechselgedanken: „Darum kümmern sich meine Berater. Aber ich möchte nächste Saison gerne noch hier bleiben und in der Champions League mehr erreichen als diesmal, weil das Team unglaublich ist. Hier passt alles zusammen mit Spielern und Trainern. Es gibt keinen Grund wegzugehen. Wir spielen ausgezeichneten Fußball. Ich hoffe, dass wir den großen Durchbruch noch schaffen.“

Slavia Prag fehlt Geld - Wintertransfers werden nicht ausgeschlossen

Geld bestimmt bei Slavia aktuell die Lage. Auch weil die Prager bis jetzt in der Champions League für die zwei Unentschieden nur 1,8 Millionen Euro kassiert hat - neben dem Eintrittsgeld in Höhe von 15,25 Millionen.

Das ist weit weg vom tschechischen Champions League-Rekord aus dem Vorjahr, als Viktoria Pilsen 33 Millionen Euro verdient hat. Und das nun fehlt: „Klar ist, dass wir unseren Kader im Winter für die Rückrunde in der Liga verkleinern müssen“, sagt Trpisovsky. Immerhin die Achse mit Topstar Tomas Soucek und auch mit Kolar soll aber bestehen bleiben.

Soucek hatte auch schon Begehrlichkeiten in Deutschland geweckt. Im Sommer machte der 1. FC Köln angeblich ein Angebot über zehn Millionen Euro. „Zu wenig“, sagte Tvrdik damals und verlängerte mit dem defensiven Mittelfeldspieler bis 2024. Laut Medienberichten zu Bundesliga-Bedingungen. Mit verschiedenen Boni könnte sein Jahresgehalt wohl bis auf 1,5 Millionen Euro ansteigen. Und das in einem Land, in dem das monatliche Durchschnittsgehalt bei 1320 Euro Brutto liegt.

Vit Chalupa ist tschechischer Korrespondent des Sportmagazins „Kicker“. Als Reporter begleitet er auch Slavia Prag nah.
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