Mehr Gier, bessere Einstellung: Das sind die Gründe für den BVB-Aufschwung in Berlin

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Borussia Dortmund zeigt beim 2:1 gegen die Hertha aus Berlin stark verbessert. Wir analysieren fünf BVB-Dinge, die gut gelaufen sind - und zeigen, wo es noch Schwächen gibt.

Dortmund

, 04.12.2019, 07:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Jubel aus der Fankurve tat den Dortmunder Profis gut, der Jubel auf dem Feld euphorisierte die Anhängerschaft. Unter großem Druck hat Borussia Dortmund in Berlin einen großen Schritt zurück in Richtung Normalität gemacht. Grundlage war eine Steigerung in allen elementaren Bereichen:



1.) Taktische Variabilität: BVB-Trainer Lucien Favre stellte im Olympiastadion auf ein 3-4-3 um. Mit drei Innenverteidigern in der letzten Verteidigungslinie entlastete Favre vor allem die defensiven Außenbahnspieler Achraf Hakimi und Raphael Guerreiro, die verstärkt ihre offensiven Qualitäten mit einbringen sollten.

Mehr Gier, bessere Einstellung: Das sind die Gründe für den BVB-Aufschwung in Berlin

Raphael Guerreiro hatte als Außenbahnspieler viele Freiheiten nach vorne, vergaß aber auch das Verteidigen nicht. © dpa

Julian Brandt als spielstarken Achter mit Tempo im Ballvortrag hatten die Berliner nicht auf dem Zettel. „Seine Läufe aus der Tiefe waren sehr wichtig für uns“, meinte Favre und lobte: „Er hat das sehr gut gemacht, auch die Defensivarbeit, die er mehr leisten musste als sonst.“

Durch die Unterzahl nach der Gelb-Roten Karte gegen Mats Hummels stellte Favre auf 4-4-1 um. In dieser ungewohnten Formation stand der BVB stabil und setzte auf Konter. Vor allem der nimmermüde Hakimi sorgte für offensive Entlastung.



2.) Verbesserte Einstellung: Zu oft waren die elf Dortmunder in den vergangenen Spielen mit sich selbst beschäftigt. In Berlin funktionierte der BVB vor allem als Mannschaft, die Hinausstellung von Hummels entfaltete nach der Halbzeit sozusagen eine heilende Wirkung.

Mit einem Spieler weniger war das Kollektiv gefordert, Favre hatte in der Pause ganz bewusst die Notwendigkeit betont, „gemeinsam zu verteidigen und zusammenzuhalten.“

Auf die zweiten 45 Minuten durfte er in dieser Hinsicht zurecht stolz sein: „Wir waren eine echte Mannschaft heute.“ Auch Sportdirektor Michael Zorc betonte: „Wir haben eine richtige Mannschaft auf dem Platz gesehen, in der einer für den anderen auch gespielt und gearbeitet hat.“



3.) Starke Moral: Wie oft hatte in den vergangenen Wochen ein Gegentor das Dortmunder Kartenhaus zusammenstürzen lassen. In Berlin zeigte der BVB gleich mehrfach Moral und Widerstandskraft.

Das Gegentor zum 1:2 war in der Entstehung ähnlich unnötig wie so manches zuvor, danach aber straffte sich die Borussia und ließ kaum noch Chancen zu. Auch den Warnschuss durch das vermeintliche 2:2 direkt nach Wiederanpfiff wandelte die Mannschaft in positive Energie um.



4.) Mehr Zielstrebigkeit: 217 lange Minuten mussten BVB-Fans auf ein Auswärtstor ihrer Mannschaft warten, dann dauerte es nur 104 Sekunden, ehe Thorgan Hazard dem 1:0 von Jadon Sancho einen weiteren Treffer folgen ließ.

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Jadon Sancho wurde vor dem 1:0 herrlich von Julian Brandt freigespielt. © dpa

Beide Treffer fielen nach einer Tempoverschärfung. Beim 1:0 stürmte Julian Brandt nach dem Doppelpass mit Marco Reus in die freie Zone und hatte dann noch das Auge für den freien Sancho. Beim 2:0 beschleunigte Manuel Akanji mit einem scharfen Pass auf Achraf Hakimi das Spiel, die Berliner Deckung war ungeordnet, Hakimi fand mit einem einfachen Querpass den freien Hazard.

Auch in Unterzahl schaltete der BVB deutlich zielstrebiger um als zuletzt und ging auch mehr Risiko.



5.) Abwehrverhalten: Die Arbeit gegen den Ball begann in vorderster Front. Selten hat man so viele Defensivaktionen von Jadon Sancho gesehen wie in Berlin. Insgesamt leistete die Mannschaft konsequente Defensivarbeit und gestattete den Berlinern auch in Überzahl erstaunlich wenige Chancen.

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Die Dreierkette mit drei Innenverteidigern aufzustellen, sorgte für ein deutlich stabileres Gefüge, auch wenn es nicht frei von Fehlern war. Das Gegentor zum 1:2 begünstigte eine zu nachlässige Übernahme von Lukebakio, als der von rechts in die Mitte zog. Axel Witsel und Zagadou leisteten nur Begleitschutz, hinderten den ehemaligen Düsseldorfer aber nicht am Torschuss.

Wenn Berlin schnell spielte, zeigte sich die noch fehlende Abstimmung im Defensivverband - so beim vermeintlichen 2:2, das nur wegen einer hauchdünnen Abseitsstellung keine Anerkennung fand.



Weiterer Steigerungsbedarf aber ist vonnöten. Denn bis Weihnachten kommen Gegner, die die Borussia deutlich stärker fordern werden als die doch biedere Hertha.

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