Meister-Held von 1995: Torwart-Legende Teddy de Beer

rn25 Jahre Meisterschaft

Als der BVB 1995 Deutscher Meister wurde, bebte ganz Dortmund. Wir haben mit den Meister-Helden gesprochen. In diesem Teil: Wolfgang „Teddy“ de Beer – die Torwart-Legende.

Dortmund

, 04.05.2020, 17:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Ganze 14 Jahre als Spieler, 18 Jahre im direkten Anschluss als Torwarttrainer: Wolfgang de Beer hat unzählige sportliche Erfolge mit Borussia Dortmund gefeiert, spezielle Erlebnisse, von denen er heute immer noch mit leuchtenden Augen und sehr gerne erzählt. Besonders in Erinnerung bleibt „Teddy“, wie er von allen nur gerufen wird, die Saison 1994/95, die mit der vierten Deutschen Meisterschaft der Vereinsgeschichte endete.

Teddy de Beer schwärmt von der BVB-Vergangenheit

„Es war eine ganz besondere Zeit“, schwärmt der heute 56-Jährige. „Da gab es echte Freundschaften, und als wir uns kürzlich wiedergesehen haben, war es gleich wie damals.“ Eine Karriere im Tor der Borussia: Vier Jahre vor dem Titelgewinn musste de Beer die erste richtig schwere Verletzung seiner Zeit als Profi überstehen, ein komplizierter Schienbeinbruch setzte ihn eine ganze Saison lang außer Gefecht.

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Er verlor seinen Posten an den jungen Stefan Klos, der ins kalte Wasser geworfen wurde nach de Beers Verletzung und das Tor niemals mehr freiwillig räumte. „Damals“, sagt Teddy de Beer und muss schmunzeln, „gab es sowas wie Rotation noch nicht. Stefan hat gespielt, er hat gut gespielt, so war das eben.“ Nicht, dass es ihn nicht gewurmt hätte. Als er wieder fit war und gern gespielt hätte, saß de Beer schon mal mit den Fäusten in der Tasche auf der Bank. Aber er fügte sich in seine Rolle.

Duisburg hat angeklopft

De Beer hielt Borussia Dortmund dennoch die Stange. „Ein Wechsel wäre möglich gewesen, Duisburg hatte mal angefragt. Aber der Ottmar wollte, dass ich bleibe.“ Das Wort von Trainer Hitzfeld hatte Gewicht, de Beer dem BVB auch einiges zu verdanken, als der Klub während seiner langen Verletzungspause zu ihm hielt. Also blieb „Teddy“.

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In der Meistersaison machte er nicht ein Spiel. Er saß draußen, war aber immer nahe dran. „Es hat sich so entwickelt in dieser Saison“, sagt er rückblickend. „Wir hatten vorher schon eine eingespielte Mannschaft, die im Kern ein paar Jahre zusammenspielte.“ Dann wurden Julio Cesar und Andreas Möller verpflichtet - die fehlenden Eckpfeiler, wie sich herausstellen sollte. Nur sechs Punkte gab der BVB in der Hinrunde ab, das Thema Meisterschaft kochte aber nur auf Sparflamme. „Man hatte natürlich das Gefühl, dass sich was entwickeln könnte“, sagt de Beer. „Eine Ansage des Vereins aber hat es nie gegeben.“

Zorc und Sammer gehen voran

In der holprigen Phase im letzten Drittel gingen Matthias Sammer und Michael Zorc voran. Nach der Niederlage im Spitzenspiel in Bremen, damals der schärfste Konkurrent, war Dortmund die Tabellenführung los. Die Führungsqualitäten von Sammer und Zorc beeindruckten de Beer, „die haben in der Kabine dann schon mal das Wort ergriffen und die Mitspieler daran erinnert, welche Chance da vor uns lag.“ Insgesamt sei der Kader aber sowieso erfahren genug gewesen, „Unruhe ist da nicht entstanden.“

Das lag vielleicht auch an der souveränen Führung durch den Trainer. „Ottmar Hitzfeld ist selten ausfallend geworden, er war immer ein ruhiger Typ, der die Dinge pragmatisch angegangen ist.“ Hitzfeld, der General. Die Beschreibung passe gut, findet de Beer.

BVB bekommt Schützenhilfe vom S04

Ausgerechnet der FC Schalke 04 half dem stolpernden BVB wieder auf die Beine. Der Sieg der Knappen gegen Bremen weckte die Dortmunder Lebensgeister, die Borussia ging zwar mit einem Punkt Rückstand auf Bremen ins Fernduell am letzten Spieltag, wo Werder allerdings mit dem Spiel in München die deutlich schwierigere Aufgabe zu lösen hatte. „Auf der Bank waren wir immer informiert“, sagt de Beer und schmunzelt. „Handys gab es ja noch nicht so wie heute, aber die gute alte Bundesliga-Konferenz im Radio hat uns perfekt auf dem Laufenden gehalten.“ Der BVB besiegte den Hamburger SV relativ souverän, mit dem Tor zum 3:1 in München gut zehn Minuten vor dem Abpfiff war die Entscheidung zugunsten der Borussia gefallen.

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Teamplayer de Beer sorgte nach dem Abpfiff bei seinem Widersacher im Tor für eine große Überraschung. „Es gab kein Halten mehr“, blickt er zurück. „Aber ich bin als Erstes zu Stefan Klos gerannt und habe ihm für die tolle Saison gratuliert.“ Klos, sagt Teddy de Beer und lacht laut, sei völlig überrascht gewesen. „Damit hatte er wohl als Letztes gerechnet.“

Teddy de Beer und der BVB gehören zusammen

Fünf weitere Saisons war Teddy de Beer danach noch eine zuverlässige Nummer zwei, ein Wechsel kam auch nach den beiden Meisterschaften 1995 und 1996 nicht mehr in Frage. Nur neun Bundesliga-Spiele und eins im DFB-Pokal stand er noch auf dem Platz. Ein Knorpelschaden im Knie sorgte für ein trauriges Ende seiner Karriere, doch der BVB fing seinen langjährigen Keeper auch danach auf. Den Sprung ins Trainergeschäft bewältigte er nahtlos. 18 Jahre lang kümmerte sich der sympathische Mann aus Dinslaken anschließend um die Dortmunder Torhüter, heute ist Teddy de Beer als Fanbeauftragter ganz nahe an den Anhängern und geht auch diese Aufgabe immer mit einem Lachen an. Und die Spiele verfolgt er immer noch. Meistens auf der Tribüne. Dort fiebert „Teddy“ sogar noch intensiver mit als auf der Bank.

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