Mit der Gabel in der Suppe: Der lange BVB-Weg zu einer stabilen Defensive

rnBorussia Dortmund

Der BVB muss seine Defensive stabilisieren. Die Elemente, die es braucht, liegen auf der Hand. Doch der Weg dahin ist schwierig.

Dortmund

, 13.02.2020, 07:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Das Dilemma zu benennen, fiel Lucien Favre vor der Partie gegen die Frankfurter Eintracht nicht schwer. Es ist ja keine neue Situation, dass Borussia Dortmund zu einfache Gegentore schluckt, zu viele obendrein. Und dass es dieser Mannschaft zu selten gelingt, die Konzentration hoch genug zu halten, um enge Spiele und knappe Führungen für sich zu entscheiden.

Der BVB bekommt das Grundproblem nicht in den Griff

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Die Liste der Partien, die dann am Ende nicht gewonnen wurden, ist ausreichend lang. Sie zieht sich durch den gesamten bisherigen Saisonverlauf. Schon beim Hinspiel in Frankfurt war das so, eine Woche später gegen Bremen, dann in Freiburg, ein Spiel, das eine Serie von 2:2-Unentschieden toppte, weil der Ausgleich für die Breisgauer in der Schlussminute und dann auch noch durch ein Eigentor von Manuel Akanji fiel.

Mit der Gabel in der Suppe: Der lange BVB-Weg zu einer stabilen Defensive

© Deltatre

Später im Verlauf der Hinrunde setzte sich das fehlerhafte Treiben fort: Das 3:3 gegen Paderborn, dann nach zunächst erfolgreicher Systemumstellung das 3:3 gegen Leipzig, das 1:2 in Hoffenheim. Die Winterpause sollte eine Zäsur darstellen, doch das Grundproblem bekommt der BVB nicht in den Griff.

Findet BVB-Trainer Favre ein Rezept gegen die rätselhafte Krankheit

Mantraartig verweist Lucien Favre auf das aus seiner Sicht einzig wirksame Rezept gegen diese rätselhafte Krankheit: „Arbeit, Arbeit, Arbeit.“ Der Schweizer ist sich sicher: „Es wird kommen“, damit meint er eine dauerhafte Besserung, einen Lerneffekt bei seinen oft nachlässigen Schützlingen, die immer wieder zwischendurch lichte Momente haben. Die es also eigentlich können, aber eben nicht konstant auf Strecke, so, wie man es eigentlich von ihnen erwarten darf. Aber wann ist es soweit? Dann zuckt Favre mit den Schultern.

„Wir sprechen am Ende immer über das gleiche Thema.“
Michael Zorc

Berufsfußballern beizubringen, wie sie sich in einer Unterzahlsituation verhalten, wie sie in einer Abwehrkette verschieben müssen, das ist Trainingsarbeit und eine Sache steter Wiederholung. Irgendwann macht man es dann, ohne groß darüber nachzudenken. Doch es gibt auch noch einen Punkt in der Abwehrarbeit, der aus dem Inneren kommen muss, der folglich viel schwerer im Training einzustudieren ist.

Die Rede ist von dem unbedingten Willen, einen Zweikampf, eine Situation, am Ende ein Spiel für sich zu entscheiden. Gegen Widerstände, gegen Rückschläge. „Wir sprechen“, gab Sportdirektor Michael Zorc am Mittwoch auf der Pressekonferenz vor dem Rückspiel gegen die Frankfurter zu, „am Ende immer über das gleiche Thema. Es geht darum, dass wir das eigene Tor besser beschützen müssen.“

Der BVB führt die Fairnesstabelle mit weitem Abstand an

In der Fairnesstabelle der Fußball-Bundesliga rangiert Borussia Dortmund dort, wo die Mannschaft am Ende in der realen Tabelle stehen möchte. Ganz oben. Unangefochten sogar, mit einem Abstand zum Zweiten, den selbst diese Mannschaft kaum verspielen kann. „Leider“, seufzt Sportdirektor Zorc, „gibt es dafür aber leider keine Punkte.“

Mit der Gabel in der Suppe: Der lange BVB-Weg zu einer stabilen Defensive

Der BVB führt die Fairplay-Wertung der Saison 19/20 mit weitem Abstand an. © DFB

Der Verweis auf die seit Jahren praktizierte Spielweise, die eigenen großen Fähigkeiten am Ball einzusetzen, Dinge spielerisch zu lösen, berührt einen wunden Punkt. Auch in Leverkusen hätte der BVB Gegentore verhindern können, wenn er schon in der Entstehung energisch dazwischen gegangen wäre. Mal ein Foul zu ziehen, dazu möchte Zorc nicht explizit auffordern, er nennt es „das Spiel annehmen“. Hört sich harmloser an, zielt aber auf den gleichen Effekt.

BVB-Neuzugang Emre Can liefert ein Lehrbeispiel

In Leverkusen gab es eine Szene, in der zumindest ein Spieler das umsetzte, was Zorc direkt und indirekt fordert. Es war bezeichnend, dass Emre Can nach nur wenigen Tagen als BVB-Spieler mit einer Monstergrätsche am Elfmeterpunkt ein Lehrbeispiel für entschlossenes Verteidigen der einen roten Zone gab, es war ausgesprochenes Pech, dass sich sein Einsatz nicht auszahlte. Doch an Can können sich seine Nebenleute aufrichten.

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Lucien Favre muss sich vorkommen wie jemand, der versucht, Suppe mit einer Gabel zu essen. Es ist extrem mühselig, so richtig vorwärts kommt man nicht. Favre kennt das. Immer wieder muss er Rückschläge beklagen auf dem Weg, seine Defensive zu stabilisieren. „Die richtige Arbeit“, sagt er noch und betont das Wort „richtig“, sei „sehr, sehr wichtig“. Vor allem drängt die Zeit. Am Freitag kommt mit Frankfurt ein Team, dass vier der fünf Pflichtspiele nach der Winterpause gewonnen hat. Darunter zwei Mal gegen RB Leipzig. Frankfurt ist übrigens 13. der Fairnesstabelle.

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