Mit Lehrplan durch die Corona-Pause: BVB-U19 absolviert „zweite Vorbereitung“

rnBorussia Dortmund

Die Junioren-Teams des BVB müssen erneut eine Corona-Pause einlegen. Die U19 profitiert von einer Sonderregelung. Trainer Mike Tullberg will die spielfreie Zeit daher optimal nutzen.

Dortmund

, 17.11.2020, 13:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Ein wenig Normalität im ungewissen Corona-Ausnahmezustand tut zweifelsfrei gut. Und so war die Freude groß, als sich nach dem Anfang November in Kraft getretenen Lockdown herausstellte, dass die U19 von Borussia Dortmund ihre Trainingsarbeit aufrechterhalten darf. Obwohl die Junioren-Bundesliga vorerst pausiert - und auf dem Gelände in Brackel seit Monaten strenge Hygienemaßnahmen gelten.

Die U23 von Borussia Dortmund wird als Profi-Team eingestuft

„Da die Spieler der U19 auch in der U23 eingesetzt werden können“, hat BVB-Nachwuchschef Lars Ricken vor Kurzem erklärt, „darf sie mit dem Regionalligateam trainieren.“ Der West-Staffel wurde der Profi-Status beigemessen, sie kann den Liga-Betrieb fortsetzen - davon profitiert die U19 ganz unmittelbar.

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Trainer Mike Tullberg stimmt das natürlich froh. Den Pflichtspiel-freien November sieht er „quasi als zweite Vorbereitung“, erklärt der Däne im Gespräch mit den Ruhr Nachrichten. Den Lehrplan für seine Spieler hat er bis Anfang Dezember konzipiert - und die Maßgabe formuliert, „taktisch viel zu arbeiten, aber auch den körperlichen Zustand hoch zu halten.“

Mike Tullberg will BVB-Spieler „körperlich fitter“ machen

Denn die Konstitution, mit der seine Mannschaft aus der ersten Corona-Zwangspause im Frühling kam, „hat mich nicht zufrieden gestellt“, sagt Tullberg. „Jetzt ist es unser Ziel, körperlich fitter auf den Platz zurückzukommen, wenn dann wieder Pflichtspiele stattfinden.“ Derzeit können die Spieler nur am Wochenende die Beine hochlegen, an den Werktagen pauken sie.

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„Einmal in der Woche, am Freitag, lassen wir die Spieler im Elf-gegen-Elf spielen über zweimal 35 Minuten, damit sie nicht komplett aus dem Spielrhythmus geraten“, erzählt Tullberg, der mit dem Eifer seiner Mannschaft mehr als einverstanden ist. „Wie die Jungs mitziehen, gefällt mir sehr gut.“ Für den 34-Jährigen selbst ist vor allem eines bedeutsam: Dass seine Talente durch die Coronakrise keinen Nachteil erleiden.

Weiterentwicklung der jungen BVB-Spieler steht im Mittelpunkt

„In drei, vier Jahren soll es nicht heißen: Damals gab es dieses Corona-Jahr - und da haben wir nicht viel für die Entwicklung getan. Deshalb arbeiten wir sehr konzentriert.“ Zudem mit vielen Extraschichten, die proaktiv eingefordert würden. „Die Jungs kommen auf mich, den Videoanalysten, meinen Co- oder Athletiktrainer zu und fragen, was sie besser machen können“, sagt Tullberg, der - wie üblich - variantenreich trainieren lässt.

Für U19-Trainer Mike Tullberg steht die Weiterentwicklung der Spieler im Mittelpunkt.

Für U19-Trainer Mike Tullberg steht die Weiterentwicklung der Spieler im Mittelpunkt. © Groeger

„Die Spieler sollen nicht auf den Platz kommen und jede Übung schon im Schlaf aufsagen können, weil sie die schon 1000 Mal gemacht haben. Sie sollen sich Gedanken machen, sollen gefordert werden.“ Er versuche „immer wieder neue Übungen einzubauen, andere Räume zu bespielen und andere Situationen lösen zu lassen“, meint Tullberg, dessen oberstes Ziel die Weiterentwicklung der Spieler ist.

Reyna, Moukoko und Knauff als Vorbilder für andere BVB-Spieler

Und dieser Prozess sei „auch schon“ zu sehen gewesen, bilanziert der U19-Coach. „Wir haben einen guten Saisonstart geschafft und mit einer sehr jungen Truppe keinen Punkt abgegeben. Gegen Schalke (3:2, Anm. d. Red.) haben die Jungs sehr erwachsen gespielt, haben den Männerfußball angenommen“, lobt er - und stellt klar: „Meine Spieler sollen so schnell wie möglich in der Lage sein, sich an den Herrenfußball zu gewöhnen.“

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Denn es sei ja sehr gut ersichtlich, „wie schnell es gehen kann. Giovanni Reyna, Youssoufa Moukoko oder auch Ansgar Knauff sind Beispiele dafür. Die waren plötzlich bei den Profis gefordert.“ Und haben den Test bestanden. Vor allem Reyna, der sich unter Lucien Favre bereits einen festen Platz erspielt hat, dient als Musterbeispiel für das aktuelle U19-Personal, mit dem der US-Nationalspieler zu Teilen noch gemeinsam auflief.

BVB-U19 muss vorerst auf internationale Spiele verzichten

Sein vorletztes U19-Spiel absolvierte Reyna in der Youth League gegen Slavia Prag, erzielte zwei Tore beim 5:1-Erfolg. Der jetzige U19-Kader muss auf diese internationalen Duelle vorerst verzichten. Das, sagt Tullberg, tue „besonders weh. Das Niveau in diesen Partien ist höher als in der Bundesliga, es ist eine andere Herausforderung - und diese Erfahrungswerte fehlen uns leider. Wir vermissen die Spiele. Aber wir versuchen, das Beste aus der Situation zu machen.“

Dazu gehört es, in Teilbereichen zu arbeiten, die im normalen Spielzyklus weniger Belastung vertragen. „Wir können im Krafttraining mehr Gas geben. Das ist ein Vorteil“, meint Tullberg. Dass die individuelle Förderung durch den mangelnden Termin- und Ergebnisdruck begünstigt wird, verneint er allerdings. „Der Ergebnisdruck oder der Ergebnis-orientierte Fußball, wie ich es eher nenne - der ist wichtig für die Entwicklung. Damit umzugehen, muss gelernt sein.“

BVB-U19 darf Trainingsarbeit trotz Corona-Pause fortsetzen

Aktuell ist das ein Komplex, der wegen der Pandemie etwas in den Hintergrund geraten ist. Doch es werden wieder andere Zeiten folgen. Darauf arbeitet die U19 hin - auf dem Platz. In der aktuellen Zeit ist das ein Privileg.

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