Möller über SGE, BVB und ganz besondere Momente

Serie: "Pokalsieger erinnern sich"

Könnte es einen besseren Gesprächspartner vor einem DFB-Pokalfinale zwischen Borussia Dortmund und Eintracht Frankfurt geben als Andreas Möller? Was sein Pokal-Triumph mit den Schwarzgelben im Jahre 1989 für ihn bedeutete und wem er im Endspiel die Daumen drückt, verrät der 49-Jährige im Gespräch mit Petra Nachtigäller.

DORTMUND

, 24.05.2017, 07:00 Uhr / Lesedauer: 3 min
Möller über SGE, BVB und ganz besondere Momente

Glückselig: Andreas Möller weiß, wie man den DFB-Pokal gewinnt. 1989 gelang es ihm das erste Mal. Mit dem BVB. 2001 und 2002 folgten zwei weitere Pokalsiege mit dem FC Schalke 04.

Was hat Ihnen der Dortmunder DFB-Pokalsieg 1989 bedeutet? Das war ein Titel, der unter die Haut ging, weil einfach niemand damit gerechnet hat. Dieser Sieg hat so vielen geholfen: dem Verein, weil er sich wieder auf der deutschen Landkarte zurückgemeldet hat. Der BVB hat sich da einen Namen gemacht und viele Sympathien gesammelt. Es war danach einfacher, neue Spieler zu verpflichten, um die Mannschaft zu ergänzen und auszubauen. Auch mir als Spieler hat der Pokalsieg geholfen, es war mein erster großer Titel, ich bin in dem Jahr A-Nationalspieler geworden. Es war ein phantastisches Jahr und auf vielen Ebenen eine Initialzündung mit der klaren Botschaft: Der BVB ist wieder da!

Was ist Ihnen von Berlin besonders in Erinnerung geblieben? Ach, so vieles! Ich denke gerade an das Meer aus aufblasbaren Bananen im Olympiastadion, die über 30 000 schwarzgelben BVB-Fans rund ums Marathontor, die uns wie auf einer Welle getragen haben. Dort ist in meinen Augen eine neue Fan-Kultur entstanden. Außerdem erinnere ich mich an ein eigens für das Finale kreiertes Trikot. Das Spiel selbst war klasse, wir waren ja schließlich der Underdog - und die Feier danach natürlich auch (lacht).

Dabei standen vor dem Anpfiff gegen Werder Bremen die Zeichen nicht gerade auf Offensive ... Ja, es gab heftige Diskussionen um Norbert Dickel, die Zeichen standen wegen seiner Knieverletzung eher auf Nichtspielen. Trainer Horst Köppel hatte eine eher defensive Aufstellung im Kopf, da platzt der Nobbi in die Mannschaftssitzung und sagt: Ich spiele! Er hat trotz kaputter Knie am Ende alles möglich gemacht, dafür seine Gesundheit geopfert. Allein deshalb ist er völlig verdient der Held von Berlin.

Sie sind danach noch zwei Mal mit dem FC Schalke 04 DFB-Pokalsieger geworden, war das vergleichbar? Nein, jeder Titel für sich war sehr besonders, da möchte ich keine Vergleiche ziehen. Auch mit Schalke und den Fans war das sehr emotional. Grundsätzlich war Berlin für mich eigentlich immer eine Reise wert: Ich bin drei Mal zum Pokalfinale gefahren und mit drei Titeln nach Hause gekommen. Das macht mich schon besonders stolz.  

Sie sind der nahezu einzige Fußballprofi, der alles an Trophäen gewonnen hat, was es im Weltfußball zu gewinnen gibt ... Endspiele sind dazu da, gewonnen zu werden. Das war schon immer meine Einstellung (lacht). Nein, im Ernst: Erfolg zu haben, Titel zu gewinnen, das hat mich immer schon angetrieben, als Spieler und auch jetzt als Trainer. Natürlich gehört immer etwas Glück dazu, aber natürlich auch der Wille.

Haben Sie noch Kontakt zur Dortmunder 89er-Mannschaft? Ja, sporadisch zu Nobbi Dickel, Michael Zorc, Lars Ricken, Teddy de Beer, Thomas Kroth, Kutte (Günter Kutowski). Im Fußball läuft man sich ja häufiger über den Weg, und ich komme immer wieder gern nach Dortmund, ins Stadion.

Und was ist mit ihrem alten BVB-Weggefährten Bernd Storck? Heute sind Sie sein Co-Trainer in der ungarischen Nationalmannschaft ... Sehen Sie, das meine ich. Wir haben uns schon als junge Kerle verstanden und verstehen uns auch heute noch super. Die Zeiten damals haben uns wirklich zusammengeschweißt, und ich bin dankbar für die Zeit.

Sie sind gebürtiger Frankfurter, haben bei der Eintracht Ihren ersten Profivertrag unterschrieben. Da ist wohl klar, für wen Ihr Herz schlägt im Finale 2017, oder? Natürlich - für den BVB! Dortmund ist meine fußballerische Heimat, hier hatte ich meine größten Erfolge, hier hatte ich meine intensivste Zeit, immerhin war ich acht, neun Jahre hier. Es ist klar, dass ich Borusse bin. Ich habe mich sehr wohl gefühlt im Verein, mit den Menschen. Ich habe dem Klub viel zu verdanken, er hat mich groß gemacht. Zur Eintracht habe ich keine Verbindung, mit Frankfurt habe ich nichts zu tun.

Werden Sie im Berliner Olympiastadion dabei sein? Nein, ich bin mit Bernd Storck in Ungarn, dort ist der letzte Spieltag in der Liga. Wir wollen mit der Nationalmannschaft, die sich aktuell im Umbruch befindet, in der WM-Qualifikation Erfolg haben. Aber wir werden natürlich versuchen, am Samstag Abend einen Fernseher zu organisieren.

Glauben Sie übrigens, dass der "Dissens" zwischen Hans-Joachim Watzke und Thomas Tuchel eine Rolle spielen könnte? Als Außenstehender kann ich die Vorgänge und Strömungen im Verein schlecht beurteilen. Die Mannschaft muss solche Dinge ausblenden, es geht um einen Titel, darum, sich für seine Arbeit zu belohnen. Auch Thomas Tuchel will diesen Titel gewinnen. Ich bin überzeugt: Mannschaft und Trainer werden in Berlin an einem Strang ziehen! Danach werden die Verantwortlichen die richtigen Entscheidungen treffen, bisher hatten sie ja immer das richtige Händchen.

Verraten Sie uns doch, was sie vom Endspiel am Samstag erwarten? Der BVB ist für mich Favorit, ich hoffe auf ein tolles Spiel, in dem alle auf ihre Kosten kommen und tippe auf einen Dortmunder 3:1-Sieg. Die Eintracht ist allerdings sehr abwehrstark, das sollten die Borussen nicht unterschätzen. Einfach wird es jedenfalls nicht.

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