Nach Mainz-Spiel herrscht Ratlosigkeit beim BVB

Stimmung im Keller

Nieselregen, vier Grad – es war ungemütlich am Montagmorgen am Dortmunder Trainingszentrum, als die Reservisten mit rund halbstündiger Verspätung den Rasen betraten. Das Wetter passte zur allgemeinen Gemütslage – nach dem 1:1 in Mainz wächst der Druck auf Spieler und Trainer. Auch in Mainz rief der BVB sein großes Potenzial nicht ab.

Dortmund

, 31.01.2017, 07:15 Uhr / Lesedauer: 2 min
Nach Mainz-Spiel herrscht Ratlosigkeit beim BVB

Sokratis (l.) und der BVB rätselten nach dem 1:1 in Mainz über den erneuten Leistungseinbruch.

Es hätte ausgereicht in der Mainzer Opel Arena, das Mienenspiel und die Gestik des Dortmunder Trainers Thomas Tuchel zu beobachten, um in etwa einschätzen zu können, wie das Spiel vor Tuchel verläuft. Tuchel drehte sich häufig um zur Ersatzbank, wo sein Assistent Arno Michels und Sportdirektor Michael Zorc saßen. Er gestikulierte, er schüttelte den Kopf und schimpfte. Das, was er auf dem Rasen sah, gefiel ihm ganz offensichtlich nicht.

Spieler mit Verdruss vom Platz

Tuchel befand sich in guter Gesellschaft, denn auch seine Spieler stapften später mit Verdruss vom Platz. Auch nach der Dusche hatte sich die Laune nicht grundlegend gebessert. Innenverteidiger Sokratis, der ja eigentlich ein lustiger Typ sein kann, der aber oft daherkommt, als ob ihm sieben Tage Regenwetter prophezeit worden wären, stand mit seinem bekannt grimmigem Gesichtsausdruck Rede und Antwort.

Mit schneidenden Worten überbrachte er eine eindeutige Botschaft: Es werde „sehr, sehr schwer“, die direkte Champions-League-Qualifikation zu schaffen, meinte er, „alles“ werde sehr schwer: „Wir müssen mehr machen, mehr fighten, viel besser spielen.“ Kein Widerspruch auch vom Kapitän: „Wir dachten, dass wir nach dem Trainingslager einen Schritt weiter sind“, meinte Marcel Schmelzer ratlos, auch Tuchel gab immerhin zu: „Wir haben das Gefühl, ein paar Punkte zu wenig zu haben.“

Leistungsabfall nach Führung

Der dramatische Leistungsabfall nach früher Führung und gutem Start war eine unangenehme Parallele zum Spiel eine Woche zuvor in Bremen. Mainz habe gut reagiert auf die Dortmunder Dominanz, gestand André Schürrle, „sie haben umgestellt und nur noch lange Bälle geschlagen.“ Etwas verwundert fügte er noch an: „Dann haben auch wir angefangen, die Bälle hin und her zu bolzen.“ Das verwunderte in der Tat, denn Tuchel konnte genügend Qualität auf den schlechten Rasen bringen, um dieser Taktik anders zu begegnen.

Doch nicht zum ersten Mal vermisste man einen echten Kopf in diesem Team, einen Leadertypen, der andere mitreißen kann, der die Ärmel hochkrempelt und Zeichen setzt. Im Gefühl, alles im Griff zu haben, ließ sich der BVB auf das Niveau der Mainzer herab – und am Ende kam es, wie es kommen musste.

Gefühlte Situation ist schlimm

Tuchel, der im Mittelpunkt vieler Schlagzeilen steht in diesen Wochen, gerät vor dem mit Spannung erwarteten Gastspiel von Aufsteiger Leipzig am kommenden Samstag nun auch sportlich unter Druck. Gefühlt ist die Situation viel schlimmer als tabellarisch, wo Dortmund nur einen Zähler Rückstand auf den Dritten Frankfurt aufweist. Während die Leipziger von „positiven Emotionen“ getragen würden, wie Tuchel meinte, müsse seine Mannschaft „die umgekehrte Situation“ handhaben. „Das macht es nicht leichter.“

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