Die BVB-Fans lehnen die Super League ab - und haben dies mit Bannern, unter anderem am BVB-Trainingsgelände, deutlich gemacht. © Groeger
Meinung

„Nein“ zur Super League: Die einzig vertretbare Lösung für den BVB

Die Super League findet ohne Borussia Dortmund statt. Der BVB lehnt eine Teilnahme an dem Milliarden-Projekt kategorisch ab. Moralisch und ethisch ist das die einzig vertretbare Lösung.

Der rücksichtslose Frontalangriff auf die europäischen Fußball-Grundfesten findet ohne den BVB statt. Die Ruhr Nachrichten erfuhren am Dienstag: Für Borussia Dortmund kommt eine Teilnahme an der Super League definitiv nicht in Frage. Die Klubspitze lehnt diese kategorisch ab. Sie funkt damit auf einer Welle mit ihren aktiven Fans. Diese hatten vehement öffentlich von ihrem Verein gefordert, dem Lockruf des großen Geldes zu widerstehen. Denn schnell war klar: Der BVB wird wie der FC Bayern von den Initiatoren des Milliarden-Projektes Super League umgarnt, sich als deutsche Größen schnell dem elitären Kreis der Gründer anzuschließen. Jetzt ist klar: Sie werden aus Dortmund eine klare Abfuhr erhalten.

Der BVB bekennt sich mit dieser Entscheidung zu seiner DNA

Borussia Dortmund bekennt sich mit dieser Entscheidung zu seinen Werten, zu seiner DNA. Auch, wenn damit das Risiko verknüpft sein sollte, im internationalen Wettbewerb finanziell und sportlich abgehängt zu werden. „Fest im Dortmunder Boden geerdet“, so schreibt es sich der BVB seit langer Zeit selbst in seinen Leitfaden. Geerdet. Und eben nicht aus Profitgier allen Bündnissen, aller Tradition und aller Verantwortung völlig entrückt, so wie es die Super-League-Planer gerade in abartiger Weise durchpeitschen wollen.

Der BVB ist sicherlich kein unschuldiger Engel, auch auf Dortmunder Erde geht es neben erfolgreichem Fußball ums Geldverdienen, um verkaufte Trikots, hohe Ablösesummen. Um all das, ohne das der moderne Profizirkus nicht mehr auskommt. Die Show spielen auch die Schwarzgelben fleißig mit. Aber hier und heute gibt es offenkundig für die Borussia eine rote Linie. Und das ist gut und richtig so. Ein geschlossener Spielplatz für die reichen Kinder, der jeglichen Leistungsgedanken ebenso ausschließt wie Sportsgeist, fairen Wettbewerb und solidarisches Handeln, der passt schlicht zu null Prozent zum BVB. Da nicht mitzumachen, obwohl allein eine Zusage die Borussia auf Jahre finanziell in ruhige Gewässer steuern würde, ist moralisch und ethisch die einzig vertretbare Lösung.

Super League ohne den BVB: Eine gute Nachricht für die Fans

Super League ohne den BVB – das ist eine verdammt gute Nachricht für seine Fans und alle, die den Fußball lieben. Wenn es die börsenrechtlichen Bestimmungen, denen die Kommanditgesellschaft auf Aktien nunmal unterworfen ist, zulassen, dann werden sich Borussias Bosse sicherlich auch öffentlich zu Wort melden. Und sie dürfen dann sehr gern schimpfend mit dem Finger auf die Klubs zeigen, die den schlimmen Fußball-Krieg losgetreten haben.

Es sind Namen wie Real Madrid, wie Manchester United, wie Juventus Turin, die – anders als der BVB – über viele Jahre aufgrund von Missmanagement Unsummen verschleudert und in völlig überteuerten Kadern und Ablösen pulverisiert haben. Als Corona kam, brach ihr System zusammen. Um dem Ruin zu entgehen, soll jetzt die Super League her. Auch wenn das viele andere, seriös geführte Vereine auf dem ganzen Kontinent in ihrer Existenz bedroht, es die Idee des Fußballs bespuckt. Die Wünsche der Fans werden komplett ignoriert.

Der BVB sollte sich in eine Reform des Profifußballs einbringen

Wünschenswert wäre es, wenn der BVB nicht nur „Nein“ zur Super League sagt, sondern sich auch einbringt in die Reformbewegung, die jetzt unbedingt angestoßen werden muss. Der Profifußball benötigt eine gänzlich andere Lösung als die Super League. Er braucht eine Abkühlung. Weg von den exorbitanten Ablösen, Spielergehältern und Beraterhonoraren. Runter von den Kosten statt rauf mit den Erlösen.

Zugegeben, diese Erkenntnis ist nicht neu, sie ist womöglich sogar ein Stück weit naiv. Aber: Es gab nie ein lauteres Alarmsignal als diesen widerlichen Super-League-Plan, dass der Profifußball gerettet werden muss. Ein Hoffnungsschimmer: Am späten Dienstagabend geriet die Super League plötzlich ins Wanken, mehrere Klubs bereiteten aufgrund der heftigen europaweiten Proteste ihren Ausstieg vor. Egal, wie der Kampf jetzt auch ausgeht – der BVB steht in jedem Fall auf der richtigen Seite des Spielfeldes.

Über den Autor
Sportredaktion Dortmund
Sascha Klaverkamp, Jahrgang 1975, lebt im und liebt das Münsterland. Der Familienvater beschäftigt sich seit mehr als 20 Jahren mit der Sportberichterstattung. Einer seiner journalistischen Schwerpunkte ist Borussia Dortmund.
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Sascha Klaverkamp