Für Felix Passlack ging es sportlich immer nur bergauf. Bis zur vergangenen Saison. In Hoffenheim erlebt das BVB-Eigengewächs ein verlorenes Jahr. Jetzt nimmt der 20-Jährige einen neuen Anlauf in England.

HARSEWINKEL

, 19.07.2018, 10:15 Uhr / Lesedauer: 4 min

Felix Passlack trägt jetzt Gelb und Grün statt Gelb und Schwarz. Die BVB-Leihgabe sucht sein Glück für ein Jahr bei Norwich City in der zweiten englischen Liga. Tobias Jöhren und Florian Groeger haben Passlack im Trainingslager der „Canaries“ im ostwestfälischen Harsewinkel besucht - und mit ihm über den Sprung in den Profifußball gesprochen.

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Wie klappt’s mit der neuen Kabinensprache Englisch?

Ganz okay bis jetzt. Ich gebe mein Bestes.


Der Schritt ins Ausland ist ein ziemlich großer. Wie sind die ersten Eindrücke von der Insel?

England ist für jeden Fußballer besonders. Egal, ob erste oder zweite Liga. Alles ist noch ein bisschen intensiver, noch ein bisschen emotionaler - und viel körperlicher (lacht). Wir haben zwei Testspiele gegen zwei Viertligisten bestritten. Da ging es gut zur Sache. Das kann man mit Deutschland nicht unbedingt vergleichen.


Was erhoffen Sie sich von dem Schritt nach England?

Ich möchte so viel spielen wie möglich, mich gut präsentieren und der Mannschaft helfen, erfolgreich zu sein. Ich möchte meinen Teil zu einer guten Saison beisteuern.


Haben Sie sich schon eingelebt?

Ich bin erst seit drei Wochen dort. Die erste Zeit habe ich im Hotel gelebt. Aber wenn wir aus dem Trainingslager zurückkommen, dann ziehe ich mit meiner Freundin zusammen in eine Wohnung ganz in der Nähe des Stadions. Das hilft dann schon sehr. Es tut immer gut, wenn man jemanden um sich herum hat, den man schon lange kennt. Ich freue mich sehr, dass sie mit mir nach England kommt.


Wie sehr hilft es zudem, dass bei Norwich City neben Ihnen vier Spieler im Kader stehen, die auch schon einmal für Borussia Dortmund gespielt haben?

Das erleichtert den Einstieg hier unheimlich. Auf und neben dem Platz. Ich glaube, die Jungs haben mir direkt drei oder vier Wohnungen angeboten. Ich konnte mich fast nicht davor retten, eine coole Bude in Norwich zu finden (lacht).


Vor einem Jahr sind Sie erst kurz vor Transferschluss auf Leihbasis zu 1899 Hoffenheim gewechselt. Diesen Sommer war Ihre sportliche Zukunft deutlich früher geklärt.

Genau. Das war auch das klare Ziel. Ich wollte so früh wie möglich bei Norwich unterschreiben und die komplette Vorbereitung mitnehmen, um mich an die Spielidee des Trainers zu gewöhnen. Ich freue mich, dass es alles so geklappt hat, wie ich es mir gewünscht habe.

Norwich-Leihgabe hat die Rückkehr zum BVB fest im Blick

Glaubt an die Stärken von Felix Passlack: Norwich-Trainer Daniel Farke. © Groeger

Welche Rolle hat Trainer Daniel Farke, der ebenfalls eine BVB-Vergangenheit hat, bei Ihrem Wechsel gespielt?

Eine wichtige Rolle, klar. Wir haben in Dortmund zwar nicht eng zusammengearbeitet, aber er kennt mich und ich kenne ihn. Er weiß, was ich kann. Und auch, was ich noch nicht so gut kann. Er kennt mein Spiel. Von daher glaube ich, dass es gut ist, dass ich jetzt hier bin.



Ihre Leihe nach Hoffenheim war ursprünglich auf zwei Jahre angelegt. Nun, nach nur einem Jahr, ist dieses Kapitel schon wieder beendet. Was ist schief gelaufen?

Ich glaube, der erste Faktor war tatsächlich, dass ich erst am letzten Tag der Transferperiode im Tausch mit Jeremy Toljan nach Hoffenheim gewechselt bin. Es war schwierig, in eine funktionierende Mannschaft, die schon seit Wochen zusammen war, hineinzukommen. Dann hatten wir gerade durch die Europa-League-Belastung einige Schwankungen in unseren Leistungen. Da habe ich mich nicht nachhaltig empfehlen können. Und in der Rückrunde hatten wir dann keine Englischen Wochen mehr und es lief auf einmal richtig gut. Da gab‘s für Julian Nagelsmann keinen Grund mehr, irgendwas an der Mannschaft zu ändern.


Von außen betrachtet war es das erste Mal in Ihrer Karriere, dass es nicht mehr steil bergauf ging. Wie sind Sie damit umgegangen?

Ich hoffe, ganz gut (lacht). Ich wusste schon, dass es nicht immer nur stetig nach oben gehen würde, sondern auch mal wieder runter. Es war eine neue Erfahrung für mich, als Spieler nicht gesetzt zu sein und noch nicht einmal im Kader zu stehen. Trotzdem habe ich unter Julian Nagelsmann viel gelernt. Und ich hoffe und glaube, dass ich aus Hoffenheim einiges mitnehme, was mir in meiner Karriere noch weiterhelfen wird. Es zählt ja nicht nur die Sonnenseite zu einer Fußballer-Karriere dazu.


Sie sind ein hochdekorierter Jugendspieler. Fritz-Walter-Medaille in Gold, je zwei Meistertitel in der B- und in der A-Jugend, unter Thomas Tuchel hatten Sie einige Einsätze in der ersten Mannschaft: Eigentlich sind immer alle davon ausgegangen, dass Sie irgendwann Stammspieler beim BVB werden. Und Sie sind ja auch erst 20 Jahre alt. Wie schwierig ist es, mit dieser Erwartungshaltung klarzukommen?

Ich versuche, mir selbst nicht allzu großen Druck zu machen. Ich will einfach nur Fußball spielen. Und irgendwann möchte ich wieder für Borussia Dortmund spielen. Dafür arbeite ich.

Wie ungeduldig wird man in solchen Phasen als junger Profi?

(lacht) Im vergangenen Jahr war ich sehr ungeduldig. Das muss ich zugeben. Aber man muss lernen, damit umzugehen. Das gehört zum Geschäft. Mittlerweile bin ich ruhiger geworden und versuche, mich nur auf meine Leistung zu fokussieren.


Hat der BVB Sie während der schwierigen Zeit in Hoffenheim unterstützt. Oder wird man in solchen Situationen als junger Profi auch ein Stück weit allein gelassen?

Nein. Die Unterstützung war und ist gut. Ich hatte viel Kontakt mit dem BVB. Michael Zorc und ich haben überlegt, was nun für mich am meisten Sinn ergibt. Ich glaube, mit Norwich haben wir eine gute Lösung gefunden.


Wie schmerzhaft ist es trotzdem, wenn der BVB auf den Außenverteidiger-Positionen nach einer Verstärkung sucht, Felix Passlack aber nicht zum engeren Kandidatenkreis zählt, und stattdessen Achraf Hakimi verpflichtet wird, der auch erst 19 Jahre alt ist?

Das ist nicht schmerzhaft. Es war alles klar abgesprochen. Wenn ich Michael Zorc wäre, hätte ich mich nach meiner vergangenen Saison leider auch nicht weit oben auf dem Zettel gehabt (lacht). Ich habe nur fünf Spiele in Hoffenheim gemacht. Es bringt für beide Seiten mehr, wenn ich jetzt erst einmal Spielpraxis und Erfahrung sammele - und dann hoffentlich als ein besserer Spieler zum BVB zurückkehre.

Zur Person Felix Passlack spielt seit 2012 für Borussia Dortmund und steht noch bis 2021 beim BVB unter Vertrag. Der gebürtige Bottroper wurde mit der B- und der A-Jugend des BVB je zweimal Deutscher Meister (2014 bis 2017) und 2015 mit der Fritz-Walter-Medaille in Gold ausgezeichnet.
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