Nur 18 Spieler im Olympia-Kader: Auch der BVB verweigerte eine Freigabe

Borussia Dortmund

Die deutschen Fußballer reisen mit einem Mini-Kader zu den Olympischen Spielen. Nur 18 statt der erlaubten 22 Spieler umfasst der Kader. Auch der BVB verweigerte eine Freigabe.

Dortmund

, 15.07.2021, 08:30 Uhr / Lesedauer: 3 min
DFB-Trainer Stefan Kuntz kassierte für Olympia einige Absagen – auch vom BVB.

DFB-Trainer Stefan Kuntz kassierte für Olympia einige Absagen – auch vom BVB. © imago images/Schüler

Mit einem verschworenen Häuflein von 18 Aufrechten machte sich Stefan Kuntz am Dienstagabend auf den Weg zur olympischen Medaillen-Mission der deutschen Fußballer in Tokio. Seine gute Laune und Zuversicht wollte sich der U21-Nationaltrainer durch die akuten Personalprobleme nicht nehmen lassen. „Es hätte mich natürlich gefreut, wenn der eine oder andere mehr mitgekommen wäre. Aber diese Jungs brennen für Olympia. Ich bin überzeugt, dass sie entsprechend Gas geben werden“, sagte Kuntz wenige Stunden vor dem Abflug über seinen Mini-Kader.


Mini-Kader bei Olympia: Nicht nur der BVB sagt ab

Am Montagabend hatte den 58-Jährigen die nächste Absage ereilt. Ismail Jakobs verzichtet wegen seines Wechsels vom 1. FC Köln zum französischen Erstligisten AS Monaco auf die Sommerspiele, weshalb nur 18 statt der erlaubten 22 Spieler den rund elfstündigen Flug antraten. „Es ist enttäuschend, wenn du nicht die nötige Unterstützung erhältst. Letztlich ist es so, dass du mit diesem Kader auch begrenzt bist. Wenn irgendwas passiert, kann es dünn werden“, sagte der Sportliche Leiter Joti Chatzialexiou.

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Eine Nachnominierung für Jakobs wird es nicht geben. „Wir mussten im Januar eine 100er-Liste erstellen. Wir haben alle Spieler auf dieser Liste abtelefoniert. Diese 18 sind übrig geblieben“, sagte Kuntz. Mehr Profis ließen sich angesichts der bevorstehenden Bundesliga-Saison nicht finden. „Einige Spieler wollten nicht, und dann haben wir einige Vereine, die mit der Unterstützung hinter dem Berg gehalten haben“, sagte Kuntz. „Ich finde, das ist kein optimales Zeichen. Es gibt sonst wohl keine Sportart, in der nicht alle möglichen Kaderplätze besetzt werden.“

Auch Borussia Dortmund erteilte dem DFB eine Olympia-Absage

Nach Informationen der Ruhr Nachrichten gehörte auch Borussia Dortmund zu den Klubs, die dem DFB nach einer kurzfristigen Anfrage für einen Spieler eine Absage erteilten. Dem BVB stehen in den ersten zwei Wochen der Saisonvorbereitung nur acht Akteure aus dem Profikader zur Verfügung. Der Brasilianer Reinier rutschte nachträglich in das Aufgebot des Goldmedaillen-Gewinners von 2016.

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Zu mehr Kompromissen war die Borussia nicht bereit. Zum nationalen Vergleich: Der FC Bayern München verweigerte sogar die Freigabe für den dritten Torhüter Ron-Thorben Hoffmann. Und international: Bei den Spaniern fliegen sechs Spieler aus der A-Nationalmannschaft mit nach Tokio.

Olympia-Kader: Kein BVB-Profi, nur wenige prominente Namen aus der Bundesliga

Prominente Namen aus der Bundesliga findet man wenige im Aufgebot von Kuntz. Zu ihnen zählen Maximilian Arnold vom VfL Wolfsburg oder Routinier Max Kruse, der die Absageflut nicht nachvollziehen kann. „Ich glaube, es wird ein einmaliges Erlebnis. Eine Olympia-Medaille in den Händen zu halten, ist für viele Sportler das Größte. So sollte es auch für uns Fußballer sein“, sagte der Offensivmann vom 1. FC Union Berlin und fügte mit Trotz in der Stimme hinzu: „Solange wir elf Leute auf den Platz bekommen, werden wir alles versuchen, die Goldmedaille zu holen. Die ist mehr Wert als jedes Geld.“

Diese Einstellung soll das Team durch das Turnier tragen und wurde vom Mannschaftsrat bei der Prämienverhandlung untermauert. „Die Jungs haben das erste Angebot angenommen und bekommen so viel wie die anderen Athleten. Denen geht es nicht um die Kohle, die wollen Olympia spielen“, lobte Kuntz. „Das war ein geiles Zeichen von der Mannschaft.“ Für Gold gibt es in Tokio 20.000 Euro.

DFB-Coach Kuntz setzt bei Olympia auf „eine gewisse Lockerheit und den Teamspirit“

Zunächst muss das DFB-Team die schwere Vorrunde mit den Spielen gegen Olympiasieger Brasilien, Saudi-Arabien und die Elfenbeinküste überstehen. „Unser Ziel ist erst einmal das Erreichen des Viertelfinales“, sagte Kuntz. Dabei setzt er auf „eine gewisse Lockerheit und den Teamspirit“.

Bei einem Gruppensieg lockt der Umzug ins Olympische Dorf, über das die ehemaligen Handball-Stars Stefan Kretzschmar und Christian Schwarzer am Montag bei einem geselligen Abend manche Anekdote erzählten. Das Dorfleben wollen die Fußballer - wenn auch nur in abgespeckter Corona-Form - nun auch kennenlernen. „Es sollte das Ziel sein, dass wir dorthin kommen. So gehen wir das auch an“, sagte Mittelfeldspieler Arnold. An der nötigen Motivation ließ er keine Zweifel aufkommen: „Für uns ist es eine Auszeichnung, bei Olympia zu spielen. Wir haben alle Bock darauf.“

Mit dpa-Material.

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