Oft gefoult: Muss der BVB mit Härte dagegenhalten?

Pro & Kontra

119 Fouls in sechs Spielen – außer dem FC Ingolstadt (120) wird kein Bundesliga-Team so häufig gefoult wie Borussia Dortmund. BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke fordert nun, mit Härte auf dem Platz zu reagieren. Wir fragen daher: Muss der BVB mit Härte dagegenhalten?

DORTMUND

, 04.10.2016, 17:41 Uhr / Lesedauer: 2 min
Oft gefoult: Muss der BVB mit Härte dagegenhalten?

Bilder des Bundesliga-Spiels zwischen Bayer 04 Leverkusen und Borussia Dortmund.

Ja, der BVB braucht mehr Härte - Erfolg bedingt Kampf

Fußball ist mehr als technische Kabinettstückchen, feine Spielzüge und schöne Tore. Nicht immer lässt sich eine Situation spielerisch lösen, ein taktisches Foul oder ein einschüchternder Rempler gehören zum Spiel dazu.

Das haben die jungen Borussen aber noch nicht begriffen. Nur 51 begangene Fouls in sechs Spielen sprechen eine deutliche Sprache. Deshalb hat BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke völlig recht, wenn er eine härtere Gangart seiner Elf fordert. Wer Erfolg haben will, muss sich Respekt verschaffen. Und das geschieht auf dem Platz eben durch körperliche Präsenz, durch Spieler, die ausstrahlen: „Du kommst hier nicht vorbei.“

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Um Missverständnissen vorzubeugen – aus dem BVB wird kein Atlético Madrid. Aber: Spielkultur und Härte sind keine Gegensätze, sie ergänzen sich. Selbst der für seinen attraktiven Fußball gerühmte FC Barcelona hat in Gerard Piqué, Javier Mascherano und Arda Turan drei Typen in seinen Reihen, denen ein junger Spieler lieber aus dem Weg geht.

Wann Sven Bender sein Bein aus dem Gips holt und zum Team zurückkehrt, ist völlig offen. Neuzugang Sebastian Rode konnte seinem Ruf im schwarzgelben Dress noch nicht gerecht werden. Der einzige Borusse, der diese Rolle derzeit ausfüllt, ist Sokratis. Das ist zu wenig.

Von Martin Maly

Nein, der BVB braucht nicht mehr Härte - Cleverness wichtiger

Der Postillon“ vermeldete gestern, der BVB habe beim Landgericht Dortmund eine einstweilige Verfügung erwirkt, die Gegner müssten künftig mindestens fünf Meter Sicherheitsabstand halten. Allein dass die von Thomas Tuchel angestoßene Debatte um die vielen Fouls gegen seine Elf bis zum Satire-Portal vorgedrungen ist, zeigt, welche Aufregung der BVB-Trainer mit seinen Äußerungen nach dem 0:2 in Leverkusen verursacht hat.

Sollte Tuchel den Plan verfolgt haben, durch die Foul-Diskussion von seinen eigenen Fehlern gegen Leverkusen abzulenken, dann wäre dieser weitgehend aufgegangen. Will der BVB aber vorwärtskommen, sollten die Verantwortlichen das Lamentieren schnell einstellen und erst recht darauf verzichten, Härte mit Härte kontern zu wollen. Das hat in der Weltgeschichte bislang nur selten Gutes hervorgebracht.

Stattdessen sollten sich die Dortmunder auf ihre Qualitäten besinnen und sie cleverer ausspielen. Das Regelwerk ist eindeutig, foult ein Spieler zu häufig oder zu hart, fliegt er vom Platz. Im Dribbling lassen sich Kontakte leicht erzwingen. Doch es fehlte der jungen BVB-Truppe am Samstag an Abgeklärtheit, um aus den vielen Verwarnungen der Werkself stärker Kapital zu schlagen. Hier gilt es anzusetzen, nicht an der Länge der Eisenstollen.

Von Matthias Dersch

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