Ohne öffentliche Zielsetzung in die Saison 20/21: Handelt der BVB richtig?

rnPro und Contra

Borussia Dortmund geht ohne eine öffentlich formuliertes Zielsetzung die Saison 20/21. Dafür gibt es Lob und Kritik. Handelt der BVB richtig? Unser Pro und Contra.

Dortmund

, 30.06.2020, 20:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Man wolle „alles versuchen, um um die Deutsche Meisterschaft mitzuspielen“. Mit diesem Vorsatz ging Borussia Dortmund in die gerade beendete Saison in der Fußball-Bundesliga. Zur neuen Spielzeit will der Vizemeister kein klares Saisonziel definieren. Wir diskutieren: Ist es sinnvoll, ohne ein öffentlich formuliertes Ziel in die Saison zu gehen?


Pro: Ja, ein öffentliches Ziel ist verzichtbar (Sascha Klaverkamp)

Reden kann jeder. Und schöne Ziele zu formulieren, ist kinderleicht. Entscheidend aber ist doch, wie sehr verbal gesetzte Ziele mit Leben gefüllt werden, wie dank Leidenschaft aus Worten letztlich Taten werden.

Beim BVB ist entscheidend, was auf dem Spielfeld passiert

Ob die Klubspitze Borussia Dortmunds nun also in aller Öffentlichkeit das Ziel „Meisterschaft“ ausruft oder nicht, spielt gar keine wichtige Rolle. Es bringt ja wenig, Punkte, Tore oder Trophäen schon gar nicht, für mutige Worte oder Bankettreden gefeiert zu werden. Mitunter hagelt es am Ende nur Spott, wenn der BVB sein Ziel - warum auch immer - verpassen sollte.

Das, was auf dem Spielfeld passiert, ist einzig und allein entscheidend. Was sind die Spieler bereit, für den Erfolg zu leisten? Nur um die Antwort auf diese Frage geht es. Nur so lässt sich das konkrete Ziel des BVB für die neue Saison definieren. Die Profis müssen sich aus eigenem Antrieb vor dem Start der Spielzeit auf ein internes gemeinsames Ziel einschwören. Ein Fixpunkt, hinter dem alle sich mit Leib und Seele versammeln und danach mit voller Energie handeln. Als Mannschaft, und eben nicht, weil ein Klubchef irgendetwas öffentlich verlangt.

Die breite Brust ist für den BVB nicht herbeiredbar

BVB-Präsident Dr. Reinhard Rauball hat kürzlich erklärt, dass es nicht helfe, an einem Strang zu ziehen, sondern es vor allem wichtig sei, dass alle in dieselbe Richtung ziehen. Genau darum geht es. Denn geholfen hat das öffentlich erklärte Ziel, nach der Meisterschale greifen zu wollen, den Borussen rückblickend nicht wirklich. Die breite Brust, die es braucht, um in den Spitzenspielen gegen die Bayern zu bestehen, die ist nicht herbeiredbar. Erarbeiten aber kann man sie sich sehr wohl. Training, Fleiß und Fokus auf den Job werden helfen, oben anzugreifen. Kampfansagen dagegen eher nicht.

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Ist es für den BVB sinnvoll, ohne ein öffentlich formuliertes Ziel in die Saison zu gehen?

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Contra: Nein, der BVB macht sich unnötig klein (Dirk Krampe)

Wer sich weit nach vorne wagt und seine ambitionierten Ziele auch in der Öffentlichkeit offensiv formuliert, der setzt sich natürlich auch der Gefahr aus, für das Verpassen kritisiert zu werden. So ist es in den vergangenen Wochen Borussia Dortmund ergangen. Natürlich war die Kritik in der überwiegenden Mehrzahl vor allem Ausdruck der Enttäuschung, dass es der Liga wieder nicht gelungen war, in die Münchner Vormachtstellung einzudringen. Als Prellbock dafür möchte die Borussia aber nun nicht mehr herhalten und ändert zumindest öffentlich seinen Kurs.

Der BVB sieht sich als zweiten „Leuchtturm“ im deutschen Fußball

Nun lässt sich darüber streiten, ob der BVB sein Saisonziel überhaupt verpasst hat, sie wollten ja schließlich nur „versuchen“, um den Titel mitzuspielen. Und versucht haben sie es ja immerhin, es ist nur nicht gelungen. Abseits von Wortklaubereien würde es einem Klub von der Größe der Borussia aber gut zu Gesicht stehen, auch öffentlich zu dokumentieren, dass man die Dominanz der Bayern nicht so klag- und kampflos hinnehmen möchte. Schließlich sieht man sich seit Jahren ja als zweiten „Leuchtturm“ im deutschen Fußball.

Mag die interne Kommunikation dann doch noch in eine andere Stoßrichtung gehen, so wie es Hans-Joachim Watzke am Dienstag andeutete, wäre es doch auch ein gutes und notwendiges Signal für die Fans und die Liga, dies auch mit breiter Brust und öffentlich zu formulieren.

Für die BVB-Spieler könnte es ein gern angenommenes Alibi werden

Es wäre ein Ausdruck von Selbstvertrauen und Darstellung eigener Stärke - also genau das, was man in diesem Kampf gegen den Giganten aus München jede Woche auf dem Platz bräuchte - und in zu vielen Spielen vermisste. Den Spielern nun zumindest öffentlich den Rücken in dieser Form frei zu halten, könnte zu schnell ein gern angenommenes Alibi werden.

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