Peter Bosz: BVB-Aus beschäftigt ihn immer noch - Verständnis für Schürrle

Borussia Dortmund

Peter Bosz beschäftigt sich noch immer mit seinem frühen Scheitern beim BVB - Kritik an der Trainingsarbeit weist er zurück. Verständnis zeigt der Niederländer für den Schürrle-Rücktritt.

Dortmund

, 02.08.2020, 11:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Erlebte beim BVB eine unglückliche Zeit: Peter Bosz.

Erlebte beim BVB eine unglückliche Zeit: Peter Bosz. © dpa

Als Nachfolger von Thomas Tuchel gelang Peter Bosz vor drei Jahren in Dortmund ein phänomenaler Saisonstart. Sein Team holte 19 von 21 möglichen Punkten, rangierte nach sieben Spieltagen fünf Zähler vor den Bayern. Dann aber folgte der jähe Absturz. Der BVB hatte plötzlich das Siegen verlernt, rutschte in der Bundesliga auf Rang acht ab, flog aus der Champions League. Und als selbst eine 4:0-Führung im Revierderby gegen Schalke am Ende nicht zum Sieg reichte, musste Cheftrainer Bosz gehen. Nach nur fünf Monaten im Amt.

Bosz: „Meine Mannschaften hatten immer eine gute Kondition“

Warum es beim BVB nicht funktionierte, dafür hat Bosz auch heute noch keine eindeutige Erklärung. „Ich habe mich natürlich auch selbst hinterfragt. Ich war immer selbstkritisch, als Spieler sogar zu sehr“, sagte der 56-Jährige in einem Interview mit der Deutschen Presse-Agentur. „Noch heute analysiere ich jedes Spiel vier, fünf Stunden lang und frage mich nicht nur, was die Spieler, sondern auch, was ich hätte anders machen können.“

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Einer der Vorwürfe damals in Richtung Bosz hieß: Er lasse zu wenig trainieren, die Borussen seien nicht fit genug gewesen. Bosz wehrt sich: „Ganz ehrlich: Die Meinung der breiten Masse beeinflusst mich nicht in meinem Handeln. Wir waren mit Leverkusen in der vergangenen Saison die laufstärkste Mannschaft. Meine Mannschaften hatten immer eine gute Kondition. Eine gute Fußball-Kondition will ich betonen. Denn die ist die entscheidende. Eine Stunde auf der Laufbahn abreißen zu können, bringt im Fußball nichts. Denn solch eine Situation entsteht im Spiel nicht.“ Kritik stelle er sich aber, er habe im Laufe seiner Karriere „schon jede denkbare Kritik bekommen“. In Dortmund meckerten viele Fans, dass er stur an einem System festhalten würde. Christoph Daum dagegen habe ihm gesagt: „Als du begonnen hast, mit Fünferkette zu spielen, wusste ich, dass es nicht gut gehen kann. Das war nicht mehr Peter Bosz.“

Ex-BVB-Coach Bosz über Schürrle: „Er ist ein Super-Junge“

Für den Rücktritt Andre Schürrles, der seinen Vertrag in Dortmund aufgelöst hatte und wenig später seine Karriere im Alter von nur 29 Jahren offiziell beendete, zeigt Peter Bosz Verständnis. „Ich habe mit Andr in Dortmund gearbeitet. Er ist ein Super-Junge, der immer 100 Prozent gegeben hat“, sagt Bosz. „Er war ein hoch veranlagter Spieler, der sich aber nicht nur auf sein Talent verlassen konnte, um auf Top-Niveau zu spielen. Doch den Druck in diesem Geschäft empfindet jeder anders. Richtig Druck haben Spieler wie Messi oder Cristiano Ronaldo. Solche Spieler können kein normales Leben führen, sie können nicht einmal in Ruhe über die Straße gehen. Aber weil sie mit diesem Druck umgehen können, sind sie die Top-Top-Spieler.“

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Einen lang gehegten Traum will sich der Niederländer noch erfüllen. Er möchte Nationaltrainer seines Heimatlandes werden. „Sollte es irgendwann einmal passen als Bondscoach, würde ich mich sicher freuen“, gesteht Bosz. Das habe aber viel mit dem richtigen Timing zu tun, denn schon einmal habe er die Chance auf das begehrte Amt verpasst. „Bondscoach zu werden, ist das Höchste, was man in Holland erreichen kann. Ich weiß, dass mein Name gehandelt wurde, bevor Ronald Koeman kam. Aber damals stand ich in Dortmund unter Vertrag.“

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