Pro und Contra: Favre und der BVB - hat dieses Modell noch Zukunft?

rnBorussia Dortmund

Die Kritik an BVB-Trainer Lucien Favre wächst mit jeder Niederlage. Aber es gibt auch Argumente, die für ihn als Chefcoach von Borussia Dortmund sprechen.

Dortmund

, 10.02.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Erst drei hohe Siege zum Rückrundenstart, dann plötzlich „eine Woche zum Vergessen“ (BVB-Lizenzspielerleiter Sebastian Kehl) mit zwei schmerzhaften Niederlagen gegen Werder Bremen (2:3) im DFB-Pokal und Bayer Leverkusen (3:4) in der Liga. Es ist schlagartig wieder ungemütlich geworden in Dortmund, auch für den Trainer.

Wir diskutieren: Favre und der BVB, hat dieses Modell noch Zukunft?

Pro: An Favre liegt es nicht (von Dirk Krampe)

Auch der BVB wird im Sommer (oder vielleicht auch schon eher) wohl den üblichen Weg gehen. Ziele in Gefahr? Titel verpasst? Der Trainer ist schuld und wird ausgetauscht. Es ist ja so einfach. Auch viel einfacher, als alle diejenigen mit ihren hoch dotierten Verträgen auszutauschen, die es auf dem Platz trotz klarer Marschrouten nicht hinbekommen haben.

Favre beim BVB: Immer wieder im Stich gelassen

Kaum jemand hinterfragt, warum der Schweizer Trainer von dieser Mannschaft immer wieder im Stich gelassen wird. Absichtlich oder unabsichtlich, das sei hier mal dahingestellt. Kann man Favre den Katastophen-Rückpass von Julian Brandt gegen Leipzig anlasten? Oder die verunglückte Aktion von Roman Bürki im gleichen Spiel? Ähnliche Situationen gab es zuhauf. Liegt es wirklich am Trainer, wenn eine Mannschaft in einer Halbzeit großartigen Fußball spielt (wie gegen Leipzig, wie übrigens auch in Leverkusen) und dann aus dem Nichts das Verteidigen einstellt? Wenn sie trotz aller Warnungen dem naiven Glauben unterliegt, dass es irgendwie auch mit 80 Prozent schon gut gehen wird?

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Natürlich ist Favre auch einigen Fehleinschätzungen erlegen. Sein Festhalten an Manuel Akanji hat ihm der Landsmann mit immer dem gleichen Fehlverhalten gedankt. Ihm hat auch der Mut gefehlt, bei seinem Kapitän das Leistungsprinzip anzuwenden. Favre hilft jetzt nur noch konsequentes Handeln. Raus mit denen, die oft genug ihre Chance nicht nutzen konnten. Setzt er jetzt klare Zeichen, kann es noch was werden mit Favre und dem BVB. Auch wenn es nicht allzu wahrscheinlich ist. Am Ende entscheiden Ergebnisse.

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Lucien Favre und der BVB - hat dieses Modell noch Zukunft?

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Contra: Favre findet keine Antworten (von Tobias Jöhren)

Der „Süddeutschen Zeitung“ war Lucien Favre am Montag sogar eine Glosse wert. Das kleine Satire-Stück ist schnell zusammengefasst. Ein Journalist versucht, ein Interview mit dem BVB-Trainer zu führen – und erntet verwirrende Antworten. So ist die „siebte Ballannahme“ laut Favre „eine catastrophe“, obwohl die Frage eigentlich lautete, ob nicht hinten vielleicht ein Spieler fehle, der mal ordentlich dazwischen hauen könne, wenn es eng würde. Und auf die Frage, ob er kein Mentalitätsproblem bei Borussia Dortmund sehe, antwortet Favre, dass niemand vergessen dürfe „ein Glas Milsch“ zu trinken „vor die Einschlafen“. Man müsse schließlich „immer professionell sein“.

Favre beim BVB: Fremd im eigenen Land

Natürlich ist das überspitzt. Natürlich kann man auch darüber streiten, wie lustig ein solcher Text ist. Und doch bringt er ein Problem ziemlich gut auf den Punkt: Lucien Favre wird von zu wenigen Leuten im BVB-Kosmos verstanden. Oder er gibt sich zu wenig Mühe, damit er verstanden werden kann. Oder er will gar nicht erst verstanden werden. Manchmal weiß man das nicht so genau. In Mönchengladbach war Favre mit seiner Art Kult, der Erfolg war groß genug, in Dortmund ist er mindestens zwei Tabellenplätze vom Kultstatus entfernt, der Erfolg ist nicht groß genug.

Im Umgang mit Journalisten mögen Favres Antwort-Gepflogenheiten egal sein. Wenn aber die Fans vom Trainer keine Antworten auf ihre Fragen bekommen, dann wird es meistens kritisch. Und wenn intern auch nicht mehr alle verstehen, was für den Trainer beim BVB manchmal alles meint, dann meint spätestens das tatsächlich alles. Das ist so. So, so, so.

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