Pro und Contra: Ist es richtig, dass BVB-Trainer Lucien Favre noch eine Chance erhält?

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Borussia Dortmunds Trainer Lucien Favre bleibt trotz des zu großen Teilen desolaten 3:3 gegen Tabellenschlusslicht Paderborn im Amt. Wir diskutieren, was dafür und was dagegen spricht.

Dortmund

, 25.11.2019, 17:38 Uhr / Lesedauer: 2 min

Pro: Ja, Favre hat diese Chance verdient (Von Jürgen Koers)

Eine Ablösung von Lucien Favre setzt zwei Bedingungen voraus: Der BVB bräuchte umgehend einen Nachfolger, der sowohl aktuell die sportliche Wende als auch mittelfristig Erfolg verspricht. Und es müssten vorher aus dem Mannschaftskreis Stimmen vernehmbar werden, die dem Trainer einen gewichtigen Anteil an der nicht zufriedenstellenden Situation zuschreiben. Beides ist nicht gegeben.

In Dortmund wurden viele Fehler gemacht

Favre hat Fehler gemacht. Dortmunds Kaderplaner wohl auch. Die Spieler haben noch viel mehr verbockt. Der Reflex, jetzt den Cheftrainer rauszuwerfen und damit alle Probleme im Handumdrehen vom Tisch zu wischen, ist doch ein Trugschluss.

Die Wahrscheinlichkeit, mangels Alternative mit Favre die besten Aussichten auf Besserung zu bekommen, ist die größte. Eine Interimslösung? Bringt nur etwas, wenn Team und Trainer verkracht sind und die Trennung Kräfte freisetzt.

Die BVB-Profis stehen in der Pflicht

Außerdem stinkt mir noch eine Sache gewaltig: Fliegt Favre, auf dessen Vertragserfüllung bis 2021 ich keinen Cent setzen würde, nähme das viel zu schnell die Mannschaft aus der Schussbahn. Der Cheftrainer hat doch nicht intensive Zweikämpfe verboten, schlampigen Umgang mit dem Ball befohlen oder Eigentore kurz vor Abpfiff angeregt.

Pro und Contra: Ist es richtig, dass BVB-Trainer Lucien Favre noch eine Chance erhält?

Bei der Mitgliederversammlung richtete Hans-Joachim Watzke klare Worte an Lucien Favre. © Kirchner/Christopher Neundorf

Es ist vielmehr ein Armutszeugnis für diese Elf, dass sie in Spielen gegen Gladbach, Mailand oder Paderborn erst dann ihr Potenzial ausschöpft, wenn ihr das Wasser bis zum Hals steht. Will die Truppe ihren (viel zu) netten Herrn Favre behalten, sollte sie zur Abwechslung einfach mal Gas geben.

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Contra: Nein, die Trennung ist überfällig (Von Tobias Jöhren)

Lucien Favres Abschied aus Dortmund naht. Die einzige Frage, die sich noch stellt, ist, wann der BVB seinen Trainer entlässt – vorausgesetzt, Favre wirft nicht selbst irgendwann das Handtuch. Am Donnerstag vielleicht? Unwahrscheinlich! Oder am Sonntag? Nicht ausgeschlossen! In der Winterpause? Gut möglich! In der Sommerpause? Spätestens!

Schwebezustand ist für den BVB unhaltbar

Dieser Schwebezustand ist unhaltbar für einen so ambitionierten Verein wie Borussia Dortmund und liefert einer in weiten Teilen zu charakterschwachen Mannschaft zu starke Alibis.

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Die sich anbahnende Trennung von Favre erinnert dabei ein bisschen ans Keller aufräumen. Jeder weiß, dass es längst mal wieder höchste Zeit wäre, aber es wird trotzdem so lange hinausgezögert, bis sich die im Keller versteckten Probleme bis ins Erdgeschoss stapeln.

Es fehlen die geeigneten Alternative zu Favre

Da hilft es auch nichts, dass BVB-Boss Hans-Joachim Watzke dem Trainer auf der Mitgliederversammlung ein Ultimatum gestellt und es als Vertrauensbekundung verkleidet hat.

Die Wahrheit ist: Es fehlt dem BVB sowohl an einer geeigneten Alternative zu Favre auf dem überschaubaren Trainermarkt als auch an einer passablen Interimslösung im eigenen Lager. Gäbe es eine, von der die Bosse überzeugter wären als von einer weiteren Zusammenarbeit mit Favre, wofür es eigentlich nicht mehr besonders viel bedarf, wäre Favre bereits kein BVB-Trainer mehr.

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Eine Gnadenfrist für Favre rechtfertigt das dennoch nicht. Borussia Dortmund sollte schleunigst handeln - und vielleicht auch mal wieder den Keller aufräumen.

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