BVB-Coach Marco Rose entschärft die Flitzer-Situation. © imago images/Team 2
Borussia Dortmund

Probleme mit „Eventfans“ gegen Köln? BVB reagiert auf Stadion-Flitzer

Borussia Dortmund bekommt verstärkt Probleme mit Flitzern und „Eventfans“, die ihren Idolen nachstellen. BVB-Coach Marco Rose äußert sich zu der Thematik und auch der Verein reagiert.

Der Trikottausch nach dem Spiel ist gefühlt so alt wie die Bundesliga selbst. Gegner bekämpfen sich auf dem Platz und erinnern sich so noch Jahre später dank des Trikots an ihren einstigen Kontrahenten. Mittlerweile wollen auch immer mehr Fans diese besonderen Trophäen – und fordern sie mit teilweise skurrilen Methoden ein.

Immer mehr Fans wollen die Trikots der BVB-Stars

Auf einschlägigen „Was-letzte-Preis“-Onlineportalen werden „Matchworn Fußballtrikots“, also im Spiel getragene, zum Teil zu horrenden Preisen feilgeboten. Andere treue Seelen wiederum behalten die Stücke ihrer Idole für den eigenen Kleiderschrank – und immer mehr wollen diesen besonderen Stoff ergattern.

Die „Bettel-Schilder“ in den Stadien – auch beim BVB – nehmen Überhand. Mehr noch. In Dortmund werden Flitzer zum Problem. Gegen Augsburg sorgte schon ein übereifriger Anhänger für große Schlagzeilen und auch im darauffolgenden Heimspiel gegen Ingolstadt. BVB-Coach Marco Rose äußerte sich unlängst zu der Thematik und auch Borussia Dortmund reagiert vor dem nächsten Heimspiel gegen Köln am kommenden Samstag (15.30 Uhr/live bei Sky).

Viele „Eventfans“ sind aktuell bei BVB-Spielen im Stadion

Das Problem: Aufgrund der aktuellen Corona-Lage sind auch beim BVB gerade viele sogenannte „Eventfans“ im Stadion anzutreffen. Ihnen geht es oftmals nicht um die gelebte Dortmunder Fußball-Kultur, sondern schlichtweg um Selbstinszenierung und abgestumpfte Memorabilia. Ein Selfie mit dem Star ist in ihrer Welt wertvoller als das gute Ergebnis aus schwarzgelber Sicht auf der Anzeigetafel.

„Ich finde das ganze Thema nicht einfach. Ich glaube, dass wir da versuchen sollten, eine Lösung zu finden“, sagte BVB-Trainer Rose nach dem 2:0-Sieg gegen Ingolstadt im DFB-Pokal am vergangenen Dienstag. Wieder einmal hatte sich ein Flitzer auf den Platz geschlichen, um seinen schwarzgelben Helden näherzukommen. Er wurde etwas ruppig von Ordnern vom Platz geführt. Ihn erwartet ein Stadionverbot, dessen Länge sich nach der Schwere des Falles richtet und im schlimmsten Fall „bis zum 30. Juni des fünften Jahres, das auf die laufende Spielzeit folgt“, festgelegt werden kann. Eine vierstellige Geldstrafe käme noch obendrauf. Und: Jeder Flitzer begeht eine Straftat. Nachahmerei ist folglich nicht empfohlen.

BVB-Coach Marco Rose: „Ich verstehe auch die Fans“

„Wenn das jetzt jedes Wochenende passiert, haben wir da eine Menge zu tun. Die Ordner versuchen ihren Job zu machen, der eine ist auch gestürzt. Das sind Dinge, die es nicht zwingend braucht“, sagte Rose. „Ich verstehe auch die Fans, die auf diese Weise versuchen, an ein Trikot ranzukommen. Trotzdem sollten wir das unterbinden“, so der BVB-Coach weiter. Ähnlich sieht man es bei Borussia Dortmund.

Nach Informationen der Ruhr Nachrichten will man das Konzept verbessern, um Flitzer schneller vom Platz zu führen. Die Botschaft soll klar sein: Du kommst nicht ran an die Mannschaft.

Borussia Dortmund will das Spielfeld nicht komplett abschotten

Was man dabei unbedingt vermeiden will: Die Nähe zwischen Fans und Mannschaft komplett zerstören. Hohe Zäune, breite Ordnerketten, eine komplette Abschottung des Spielfelds – das will keiner. Weder Fans noch Verantwortliche bei Borussia Dortmund. Da sind die Anhänger selbst gefragt. „Wir sollten sehen, dass jetzt nicht bei jedem Spiel, zwei, drei, vier Leute auf den Rasen rennen. Wenn das 80.000 machen, wird es eng“, sagte Rose.

Und vielleicht hilft es, sich einfach mal wieder auf das Wesentliche zu konzentrieren: Bratwurst, Bier, Borussia. Denn für die besten Erinnerungen im Stadion braucht es weder Selfie noch Trikot.

Über den Autor
Redakteur
Jahrgang 1993, Dortmunder Junge und Amateurhandballer mit großer Liebe für den Fußball und den Ruhrpott. Studium der Journalistik an der TU Dortmund, nach kurzer Zwischenstation beim Westfälischen Anzeiger in Hamm wieder zurück bei den Ruhr Nachrichten, seit 2020 BVB-Reporter.
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Marvin K. Hoffmann