Christian Pulisic hat lange Zeit große Probleme in seiner Abschiedssaison beim BVB

rnBVB-Saisonrückblick

Dass Christian Pulislic seinen Traum von der Premier League verwirklichen kann, liegt nicht an seinen Leistungen in der abgelaufenen Spielzeit. Der einstige Shootingstar war schon vor seinem Abgang beim BVB ersetzt.

Dortmund

, 03.06.2019, 04:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Er wusste, dass dieser Moment kommen würde. Christian Pulisic wusste nur nicht, wie die Fans von Borussia Dortmund diesen Moment gestalten würden. Würden sie ihn auspfeifen? Ignorieren? Oder würden die meisten zumindest ein bisschen applaudieren? Die BVB-Fans taten mehr. Viel mehr. Sie feierten ihn, als hätte sie Christian Pulisic gerade zum Meistertitel geschossen.

Nach dem letzten Saisonspiel in Gladbach riefen sie ihn allein vor die Kurve, um ihm lautstark zu danken. Um ihn würdig zu verabschieden. In diesem Moment, dem finalen Moment seiner viereinhalb Jahre bei Borussia Dortmund, da zeigte sich, wie sehr die Fans diesen stillen, oft schüchtern wirkenden US-Amerikaner in ihr Herz geschlossen hatten.

Pulisics Traum ist von Kindesbeinen an die Premier League

Und dass, obwohl er nie ein Geheimnis daraus gemacht hatte, dass der BVB nur eine Station seiner Karriere als Profifußballer sein würde. Eine wichtige zwar. Aber sein wahrer Traum, der spielte von Kindesbeinen an in der englischen Premier League. Dort, wo Christian Pulisic ab dem Sommer spielen wird. 64 Millionen Euro bezahlte der FC Chelsea an den BVB, um sich Pulisics Dienste zu sichern.

Christian Pulisic hat lange Zeit große Probleme in seiner Abschiedssaison beim BVB

Versöhnlicher Abschluss: Michael Zorc und Hans-Joachim Watzke verabschieden Christian Pulisic bei dessen letztem Heimspiel gegen Fortuna Düsseldorf im Signal Iduna Park. © imago

Ein Riesengeschäft für die Dortmunder, die den Offensivspieler 2015 als hoffnungsvollen 15-jährigen Junioren aus den USA in ihre Talenteschmiede lotsten. Der technisch starke junge Mann holte zwei Meistertitel mit dem BVB-Nachwuchs, bekam dann seine Chance bei den Profis – und nutzte sie.

Pulisic wird beim BVB zum Shootingstar

Auf der Außenbahn entwickelte sich der Tempodribbler schnell zum Shootingstar. Sammelte Rekorde ein, schwang sich zum US-Nationalspieler, zum Fußballer des Jahres in seiner Heimat auf. Sein sportlicher Aufstieg schien nun kein Limit mehr zu kennen.

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Auch zu Beginn dieser Saison lief es zunächst exzellent. Viermal stand Christian Pulisic in den ersten sechs Partien in der Startelf der Borussia. Dann aber riss seine gute Serie. Es klappte nicht mehr bei ihm, kleinere Verletzungen bremsten ihn aus, zwei andere Youngster, Jacob Bruun Larsen und Jadon Sancho, liefen ihm auf den Außenbahnen den Rang ab.

Sancho und Bruun Larsen laufen Pulisic den Rang ab

Ohne Pulisic als Stammkraft zauberte sich der BVB leichtfüßig durch die Hinrunde. Wenn überhaupt, dann kam er nur noch von der Ersatzbank. „Es ging immer zwischen ein bisschen spielen und wieder verletzt sein. Dadurch kam ich nur schwer in einen Rhythmus. Und als ich fehlte, haben die anderen es auch sehr gut gemacht“, gestand der 20-Jährige. Kurz vor Ende der Bundesliga-Hinrunde bekam er nochmal seine Chance in der Startformation. Doch mit ihm ging der BVB in Düsseldorf überraschend mit 1:2 baden, die erste Saisonpleite, Pulisics Leistung: Enttäuschend.

Die Rückrunde drohte dann sogar für ihn zum Desaster zu verkommen. Pulisic hatte sich eigentlich erhofft, dass ihn sein in der Winterpause veröffentlichter Wechsel zur nächsten Saison zum FC Chelsea beflügeln würde. Dass er mit klarem Kopf nun wieder unbekümmert Fußball würde spielen können. Dass er sich seinen Stammplatz zurückerobern würde. „Ich will der Mannschaft helfen“, erklärt er.

Pulisics Form stand sinnbildlich für den BVB

Doch es kam anders. Pulisic spielte sportlich in der Rückrunde kaum noch eine tragende Rolle, seine Formschwäche stand sinnbildlich für die Probleme der Borussia in dieser Phase, im Titelrennen entscheidende Punkte einzufahren. Es roch also nach unehrenhaftem Abschied.

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Dann aber packte Pulisic sein Kämpferherz aus. Zum Saisonschluss lieferte er plötzlich wieder in der Vollgas-Manier, die einst den „Captain-America-Hype“ in den USA ausgelöst hatte: Dreimal stand Pulisic in der Startelf, mit zwei Toren, einem Assist und mutigen Aktionen unterstrich er seine selbst formulierten Ambitionen, „noch einmal alles zu geben für den BVB“.

Das sind die Zahlen von Christian Pulisic

Dank seines fulminanten Schlussspurts rettete der US-Boy sein Zahlenwerk: 4 Tore, 4 Assists, 28 Torschüsse, 47 Prozent gewonnene Zweikampfquote, 85 Prozent gelungene Pässe, starke 21 Flanken, ordentliche 306 Sprints. So durfte sich Pulisic dann auch erhobenen Hauptes von den BVB-Fans verabschieden. Zunächst mit persönlichen Worten übers Stadionmikro vorm letzten Heimspiel gegen Düsseldorf. Dann im Sprechchöre-Bad der Borussen-Anhänger in Gladbach.

Was Pulisic von Dortmund nach London mitnehmen wird? „Ich bekam hier immer große Unterstützung. Ob von den Trainern oder Mitspielern. Am meisten werden mir die Leute hier in Dortmund in Erinnerung bleiben. Da werde ich einige sehr vermissen“, sagte er kurz vor seinem letzten Arbeitstag im schwarzgelben Trikot.

Currywurst wird dem US-Amerikaner nicht fehlen

Nicht vermissen wird er Currywurst. Die mag er nicht. Dafür liebt er die Südtribüne. Das Gefühl dort unten vor der Gelben Wand zu stehen, das sei „immer noch einfach wow“. Wie das Gefühl wohl im gegnerischen Trikot ist? Vielleicht muss er das ja bald erleben.

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