Ramos ist Hoffnungsträger statt Streichkandidat

BVB-Stürmer

Ja doch, er musste schmunzeln und winkte dann höflich zurück. Als Adrian Ramos vor zehn Tagen seine ersten Laufrunden um den Trainingsplatz des BVB in Brackel drehte, riefen ein paar jugendliche Fans hinterm Zaun laut seinen Namen. Sie hatten ihn noch auf dem Zettel, den Kolumbianer. Genau wie sein Trainer Thomas Tuchel.

DORTMUND

, 14.07.2015, 07:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Lange war er verletzt, das Saisonfinale erlebte der 29-Jährige nur von der Tribüne aus. Am 1. Mai, im Abschlusstraining vor dem Spiel bei der TSG Hoffenheim (1:1), geschah das Unglück: Ramos landete mit dem Fuß auf dem Ball, das Sprunggelenk knickte ein, der sonst so geschmeidige Stürmer konnte den Sturz nicht abfangen. Mehrere Bänder und weitere Strukturen wurden in Mitleidenschaft gezogen, als sich der Fuß unter seinem Körper verbog.

Unglückliche Saison

Das war das persönlich maximal enttäuschende Ende einer eh unglücklichen Anfangssaison beim BVB, auch für die Copa America musste er zähneknirschend absagen. 18 Ligaspiele stehen für die Schwarzgelben zu Buche (zwei Tore, zwei Assists), immerhin auch drei Treffer in sechs Champions-League-Partien, aber vielmehr der Eindruck: Ramos hat nicht eingeschlagen. Warum?

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In seinen fünf Berliner Jahren (2009-14) war der 1,85 Meter große und gertenschlanke Südamerikaner an 40 Prozent der Tore direkt beteiligt. Die 9,7 Millionen Euro schienen sicher und solide investiert, als der BVB den Transfer vor etwas mehr als einem Jahr dingfest machte. Ramos hätten auch andere Klubs gerne verpflichtet.

Neue Chance

Zum Beispiel der FSV Mainz 05, und zwar bereits 2012, als der Trainer dort Thomas Tuchel hieß. Der Kolumbianer saß, so war zu hören, am Vormittag des letzten August-Tages bereits auf der Mainzer Geschäftsstelle. Man habe „sehr gute Gespräche“ gehabt, hatte FSV-Manager Christian Heidel bestätigt – was eingedenk des schweigsamen Ramos fast euphorisch klingt. Doch dann ging Hertha der Ramos-Ersatz stiften, „zwei Minuten vor zwölf Uhr“ (O-Ton Heidel) platzte der Deal. Tuchel wollte Ramos damals unbedingt in seinem Team haben. Vielleicht wird der Stürmer nun unter ihm beim BVB glücklich.

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Als er am 2. Juli, viel früher als erwartet, seine (Lauf-)Arbeit wieder aufnahm, wird Ramos auch daran gedacht haben, dass er nun die zweite Chance bekommt. Galt er im Frühjahr als sicherer Streichkandidat, rückt er nach dem Abflug von Ciro Immobile zum FC Sevilla zum Hoffnungsträger auf. Beim BVB schätzt man seine Qualitäten, „sonst hätten wir ihn 2014 nicht verpflichtet“, erklärt Sportdirektor Michael Zorc zur Zukunft des 29-Jährigen.

Besser integrieren

Um dieses Potenzial auszuschöpfen, muss der schüchterne Ramos allerdings noch deutlich besser integriert werden. Nach einer Reihe missglückter Versuche bei der Verpflichtung neuer Stürmer (Immobile, Ji, Schieber, Rangelov) und zwei Volltreffern (Lewandowski, Aubameyang) entscheidet sich in den nächsten Monaten, zu welcher Kategorie Ramos gehört.

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