Ramos und Castro machen auf sich aufmerksam

BVB-Sieg in Augsburg

Dass Henrikh Mkhitaryan glänzt, ist man in Dortmund inzwischen gewöhnt. Beim 3:1-Sieg in Augsburg machten neben dem quirligen Armenier aber auch zwei weitere Spieler auf sich aufmerksam, die für gewöhnlich nur selten im Blickpunkt stehen: Adrian Ramos und Gonzalo Castro.

DORTMUND

, 22.03.2016, 07:30 Uhr / Lesedauer: 2 min
Ramos und Castro machen auf sich aufmerksam

Dortmunds Adrián Ramos (l) überzeugte gegen Augsburg mit einem Tor und einer Vorlage.

Als Adrian Ramos am Sonntag um 19.20 Uhr durch die Mixed Zone schritt, um zur Gäste-Kabine in Augsburg zu kommen, legte er ein auffällig zügiges Tempo vor. Der Kolumbianer ist ein eher schüchterner Geselle, der das Licht der Kamera-Scheinwerfer meidet, wann immer es geht. Interviews gibt er so ungerne wie andere Leute ihre Steuererklärung machen. Er weicht ihnen so lange aus, bis es nicht mehr geht.

Ramos verbirgt Genugtuung

In Augsburg hatte er Glück. Obwohl er neben Mkhitaryan und Castro der Matchwinner seiner Borussia war, kam er ungefragt davon. Sein Tempo und der scheue Blick auf den Boden hatten erfolgreich verhindert, dass Ramos angesprochen werden konnte. Dabei hätte man zu gerne erfahren, ob er angesichts seiner starken Leistung persönliche Genugtuung verspüre.

Auffallend emotional hatte Dortmunds „9b“ sowohl seine Vorlage zum 2:1 durch Castro als auch sein eigenes Tor zum 3:1 bejubelt. Und die Art und Weise, wie sich seine Kollegen zur Verfolgung aufmachten, um dem Kolumbianer um den Hals zu fallen und ihm zu gratulieren, war ein Beleg dafür, wie sehr Ramos teamintern geschätzt wird. Auch deshalb hatte ihn der BVB im Winter nicht ziehen lassen, obwohl ihm ein lukratives Angebot aus China für den Stürmer vorlag. Trainer Thomas Tuchel und Sportdirektor Michael Zorc wussten: Ramos ist gut integriert und mental inzwischen gefestigt genug, um seine Rolle hinter Pierre-Emerick Aubameyang auszufüllen.

Statistisch besser als Aubameyang

Das war nicht immer so: Noch im Wintertrainingslager musste er sich eine Standpauke von Tuchel anhören, weil ihm dessen Körpersprache im Training missfallen hatte. Doch die Worte des 42-Jährigen zeigten rasch Wirkung. Ramos traf im Test gegen Frankfurt doppelt und straffte sich auch im Training deutlich. Den Lohn dafür fuhr er in Augsburg ein, wo er seine Scorerpunkte sieben und acht sammelte – und das in gerade einmal 399 Einsatzminuten. Statistisch betrachtet ist er also alle 50 Bundesliga-Minuten an einem Tor beteiligt. Zum Vergleich: Aubameyangs Quote liegt bei 78 Minuten pro Torbeteiligung.

Wie Ramos gelang auch Gonzalo Castro in Augsburg eine starke Leistung. Der Mittelfeldspieler war zur Pause für den diesmal blassen Marco Reus eingewechselt worden und hatte dem Spiel des BVB spürbar mehr Struktur verliehen. Sein Treffer resultierte nicht aus einem Zufall, sondern war das Ergebnis einer konzentrierten und engagierten Leistung.

Denkzettel für Castro zeigen Wirkung

Vor einigen Wochen noch deutete wenig daraufhin, dass Castro noch einmal so wichtig für den BVB werden könnte wie in Augsburg. Tuchel hatte den Sommer-Neuzugang aus Leverkusen mehrfach aus dem Kader gestrichen oder maximal als Einwechselspieler eingesetzt.

Dass Castro den Kopf nicht einzog, sondern um seinen Platz kämpfte, ist einerseits Beleg für eine charakterliche Entwicklung des 28-Jährigen, andererseits ein Zeichen für die funktionierende Rotation Tuchels. Genau wie die Tatsache, dass in Augsburg im Verlauf der Partie auch Felix Passlack und Moritz Leitner eingewechselt wurden, ohne dass die Mannschaft an Qualität verloren hätte.

Castro betont Mannschaftsleistung

Castro selbst stellte sich im Gegensatz zu Ramos den Fragen der mitgereisten Pressevertreter. Lobeshymnen auf seine Person suchte man in seinen Aussagen allerdings vergeblich. Castro benutzt lieber das Wort „wir“ als „ich“. Doch das, was er über seine Mannschaft in Augsburg sagte, darf durchaus als eigenes Geheimrezept verstanden werden: „Wir haben verdient gewonnen“, bilanzierte er, „denn wir haben immer daran geglaubt, dass wir es schaffen.“

Ramos saß zu diesem Zeitpunkt längst im Bus und spielte mit seinem Smartphone. Man kennt das: Das ist ja auch viel schöner als die Steuererklärung zu machen – oder eben als Interviews zu geben.

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