Raphael Guerreiro: "Die Südtribüne ist unglaublich"

Das BVB-Interview

Als er als Europameister nach Dortmund kam im Sommer war das Aufsehen groß. Die Erwartungen an Raphael Guerreiro waren entsprechend hoch - und er hat sie, trotz großen Verletzungspechs, größtenteils erfüllt. Unser Reporter Dirk Krampe hat mit ihm Bilanz gezogen.

DORTMUND

, 15.01.2017, 08:30 Uhr / Lesedauer: 4 min
Raphael Guerreiro: "Die Südtribüne ist unglaublich"

Fühlt sich wohl beim BVB, für den er sich bewusst entschieden hat, und hat eine sehr gute Meinung von Deutschland und seinem Trainer: Raphael Guerreiro.

Sie sind endlich zurück im Training. Wie geht es Ihnen? Es geht mir wieder gut. Ich habe keine Schmerzen mehr und fühle mich bereit. Wir haben noch ein bisschen Zeit bis zum ersten Spiel, von daher gehen wir ohne Druck an die Sache. Wir wollen kein Risiko eingehen.

Sie waren zwei Monate verletzt, wie schwierig war diese Zeit? Das war nicht einfach. Man sieht die Mitspieler im Training und im Spiel, und man selber kann nichts beitragen. Es war ja eigentlich keine allzu schwere Verletzung, aber sie ist immer wieder aufgebrochen.

Es hieß, Sie hätten muskuläre Probleme. Was war genau das Problem? Das stimmt, es war eine Verletzung im linken Oberschenkel. Ich hatte dann einen Rückschlag, als ich wieder angefangen habe, und als ich danach wieder einsteigen wollte, hatte ich die Probleme am rechten Oberschenkel.

Sind Sie ein ungeduldiger Patient? Ja, kann man schon sagen. Ich will immer spielen. Aber ich weiß auch, dass es schlimmer werden kann und ich noch länger ausfalle, wenn ich unvernünftig bin.

Abgesehen von dieser Verletzung, wie fällt Ihr Fazit aus nach den ersten sechs Monaten in Deutschland und beim BVB? Ich habe eine sehr gute Meinung, es gefällt mir sehr. Das einzige Problem ist eigentlich die Sprache, aber das wird sicher kommen.

Haben Sie Unterricht? Ich hatte zunächst Unterricht bei einem Deutsch-Lehrer. Jetzt beginne ich mit unserem Dolmetscher beim BVB. Er wird Ousmane Dembélé und mir Unterricht geben.

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Wie funktioniert die Verständigung auf dem Platz? Es gibt ja einige Begriffe, die immer wieder vorkommen. Da verstehe ich schon sehr viel. Auch die Ansagen vom Trainer verstehe ich recht schnell. Das ist also kein Problem.

Und wenn der Trainer schimpft? (lacht) Das versteht man auch ohne Übersetzer.

Sie sind der Nähe von Paris aufgewachsen, haben in Lorient gespielt und hätten in Frankreich einen größeren Verein finden können. Warum der Wechsel ins Ausland, warum zu Borussia Dortmund? Ich hatte das Gefühl, dass ich mich beim BVB sehr gut entwickeln kann. Borussia Dortmund legt viel Wert auf junge Spieler.

Es hieß, sogar der FC Barcelona sei interessiert gewesen… Da gab es Interesse. Aber ich wollte zu einem Verein, wo ich auch eine gute Chance habe, regelmäßig zu spielen. Und bei den Gesprächen mit Dortmund wurde mir auch die Option aufgezeigt, mehrere Positionen zu spielen. Auch das war reizvoll.

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BVB-Interview mit Raphael Guerreiro in Marbella

Die besten Bilder des Interviews mit Raphael Guerreiro.
07.01.2017
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Die besten Bilder des Interviews mit Raphael Guerreiro.© Foto: Guido Kirchner
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Fußball: 1.Bundesliga, Saison 2016/2017, Trainingslager von Borussia Dortmund am 06.01.2017 in Marbella, Spanien. Interview mit Dortmunds Raphael Guerreiro.Foto: Guido Kirchner© Foto: Guido Kirchner
Die besten Bilder des Interviews mit Raphael Guerreiro.© Foto: Guido Kirchner
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Fußball: 1.Bundesliga, Saison 2016/2017, Trainingslager von Borussia Dortmund am 06.01.2017 in Marbella, Spanien. Interview mit Dortmunds Raphael Guerreiro (l) und Dirk Krampe von den Ruhrnachrichten.Foto: Guido Kirchner© Foto: Guido Kirchner
Fußball: 1.Bundesliga, Saison 2016/2017, Trainingslager von Borussia Dortmund am 06.01.2017 in Marbella, Spanien. Interview mit Dortmunds Raphael Guerreiro (l) und Dirk Krampe von den Ruhrnachrichten.Foto: Guido Kirchner© Foto: Guido Kirchner

Uns hat überrascht, dass Thomas Tuchel Sie gleich in Ihren ersten Testspielen im Trainingslager in der Schweiz auch im Mittelfeld aufgeboten hat. Wie überrascht waren Sie? Er hatte es mir in den Gesprächen vor meinem Wechsel schon angekündigt. Der Gedanke hat mir gefallen, ich denke, es ist immer gut für einen Spieler, wenn er auf mehreren Positionen einsetzbar ist.

Tuchel hat den Ruf eines sehr ehrgeizigen Trainers, auch den des manchmal verbissenen Trainers. Wie erleben Sie ihn? Er ist unheimlich motivierend, er will immer gewinnen. Das ist in jeder Ansprache zu erkennen.

SEITE 2: Raphael Guerreiro über die EM, Cristiano Ronaldo und Real Madrid 

Die Top-Talente Europas werden von vielen Top-Klubs gejagt. Wie wird Borussia Dortmund im Ausland wahrgenommen? Für die Franzosen ist der BVB ein großer Klub, auch das Stadion ist mit dieser Atmosphäre dort für viele Spieler sehr beeindruckend. Borussia Dortmund genießt gerade bei den jungen Spielern einen guten Ruf, weil man hier auf die jungen Spieler setzt und ihnen die Chance gibt, sich weiterzuentwickeln.

Waren Sie mal im Stadion vor Ihrer Unterschrift? Nein, ich habe natürlich Spiele am Fernseher gesehen.

Wie war das dann, als sie sich erstmals vor dieser vollen Südtribüne warmliefen? Es war einfach unglaublich!

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Sie sind in Frankreich geboren und aufgewachsen und haben dort auch ihre fußballerische Lehrzeit durchlaufen. Wieso spielen Sie dennoch für Portugal? Es stimmt, ich war im Jugendinternat in Clairefontaine. Aber mein Vater ist Portugiese, ich fühle mich mehr als Portugiese, auch wenn ich in Frankreich gelebt habe. Ich bin sehr stolz die portugiesischen Farben zu tragen. Für mich war es eine klare Entscheidung, für Portugal zu spielen.

Welche Rolle hat Cristiano gespielt? Keine, was diese Entscheidung anbelangt.

Aber er ist schon ein Vorbild? Ja klar. Er ist ein großer Spieler, vielleicht der Beste der Welt.

Ronaldo hat ein Interview gegeben, in dem er gefragt wurde, welchen Spieler er gern noch bei Real Madrid sehen würde. Seine Antwort war: Raphael Guerreiro. Davon habe ich gehört. Das ehrt mich natürlich. Ich bin aber hier sehr glücklich.  

Ronaldo wird - auch in Dortmund - sehr oft ausgepfiffen. Hat man ein falsches Bild von ihm? Ich wundere mich darüber auch. Natürlich ist er ein Superstar. Aber eigentlich ist er ein unkomplizierter Kerl, er arbeitet für die Mannschaft, er hat eine vorbildliche Einstellung, er gibt alles. Vielleicht sind die Pfiffe tatsächlich eine Form des Respekts, weil man um seine Klasse weiß.

 

Im EM-Finale gab es die skurrile Situation, dass er verletzt am Seitenrand wie ein Trainer hin- und herlief und Anweisungen gegeben hat. Was haben Sie davon auf dem Platz mitbekommen? Das war beeindruckend. Es hat uns auf dem Platz gepusht und zusammengeschweißt. Das hat für eine große Solidarität gesorgt. Wir wollten unbedingt auch für ihn Europameister werden.

 

In Dortmund sieht man sie durchaus regelmäßig durch die Stadt laufen. Können Sie sich noch unerkannt bewegen? (lacht) Es wird schwieriger. Die Fans hier leben Fußball sehr intensiv, sie beschäftigen sich sehr viel mit dem BVB und daher erkennen sie mich immer häufiger. Das ist dann auch schön, aber wenn ich mit der Familie unterwegs bin, ist es manchmal schwierig. Ich möchte nicht, dass meine Frau und die kleinen Kinder auf Fotos zu sehen sind. Ich hoffe, das versteht man auch.

Stimmt die Geschichte, dass Sie in einem BVB-Fanshop eine Emma als Stofffigur für ihre Kinder gekauft haben und man Sie nicht erkannt hat? Doch, doch. Aber ich habe versucht, unter der Kapuze meines Pullovers unerkannt zu bleiben (lacht). Ja, die Emma war für meinen Sohn. Emma ist jetzt der beste Freund meines Sohnes.

Es ist ja sehr ungewöhnlich, dass Sie mit 23 Jahren schon zweifacher Vater sind. Während andere an der Playstation spielen, wickeln Sie Ihren Nachwuchs … (lacht) Playstation spiele ich auch. Ich bin großer Fan von Fußball an der Konsole. Aber erst, wenn die Kinder im Bett sind.

Mit welchem Verein sind Sie da unterwegs? Seit diesem Jahr natürlich Borussia Dortmund. Vorher habe ich viel mit Real Madrid gespielt.

Wie würden Sie die sportliche Situation derzeit beurteilen? Es ist nicht ganz so gelaufen, wie wir uns das vorgestellt hatten. Wir hatten viele Verletzte, wir haben zu viele Spiele unentschieden gespielt und auch zu viele verloren, die wir nicht hätten verlieren müssen.

Was kann man von der Rückrunde erwarten? Wir wollen in der Liga nach oben klettern, und ich sehe uns auch in der Lage dazu. Und in der Champions League wollen wir das Achtelfinale überstehen. Was dann kommt, muss man sehen.

Es geht dort zu Benfica. Ein ganz spezielles Spiel für Sie … Ja, das ist es. Ich war schon als Kind großer Benfica-Fan und bin es immer geblieben. In diesem Stadion zu spielen, das wird für mich etwas ganz Besonderes sein.

2016 war mit dem EM-Titel in Frankreich und dem Wechsel ins Ausland ein besonderes Jahr für Sie. Was könnte das Highlight 2017 werden? Es gibt viele Ziele. Im Sommer ist der Confed-Cup, da wäre ich gern dabei, wenn ich gesund bin. Mit dem BVB wollen wir in der Liga nach vorne kommen und in der Champions League so weit, wie es möglich ist. Und nicht zu vergessen der nationale Pokal.

Sie wissen, dass der BVB die vergangenen drei Endspiele allesamt verloren hat? Ja. Es wäre doch nicht schlecht, diese Serie in diesem Jahr zu beenden.

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