Raphael Guerreiro ist ein demütiger Krieger

Dortmunds Europameister

Sein Name ist kein Omen. Raphael Guerreiro ("Der Krieger") verdient sich seinen Nachnamen höchstens durch seine abenteuerlustigen Ausflüge in die Offensive. Roh und wild spielt er nicht. Abseits des Fußballplatzes tritt der 22-jährige Europameister aus Portugal stiller auf, betont bedächtig, reserviert. Und demütig, was seinen Stellenwert bei seinem neuen Klub Borussia Dortmund anbelangt.

BAD RAGAZ

, 12.08.2016, 07:15 Uhr / Lesedauer: 2 min
Bilder des BVB-Trainings in Bad Ragaz am 7. August.

Bilder des BVB-Trainings in Bad Ragaz am 7. August.

Wie ein Bodenturner lässt sich Raphael Guerreiro fallen, stützt sich mit dem rechten Arm auf den Boden ab und drischt per Fallrückzieher den Ball über das Absperrgitter. Johlen und Applaus auf den Rängen. Beim Fußballtennis in Bad Ragaz, wo Guerreiro nach dem langen EM-Turnier ins BVB-Training eingestiegen ist, trumpft der zierliche Junge auf.

Perfekte Ergänzung zu Schmelzer

Technik, Tricks, Tempo - bei der Aufzählung seiner Vorzüge wirkt der Portugiese wie eine perfekte Ergänzung zu seinem Konkurrenten auf der Position des linken Verteidigers, Marcel Schmelzer.

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Dieser beackert seit Jahren die Außenbahn mit hohem läuferischen und kämpferischen Einsatz, mit gutem Stellungsspiel, und er sichert defensiv umsichtig ab. Er habe, sagte Schmelzer, als er auf seinen Mitstreiter angesprochen wurde, schon viele Neuzugänge auch auf seiner Seite erlebt beim BVB und „schon oft gelesen, dass meine Zeit bald vorbei ist“, sagt er lachend.

"Ich schaue zu im herauf"

„Ich werde es ihm nicht leicht machen, wir werden uns gegenseitig besser machen.“ Schmelzer ist der Platzhirsch, der Favorit auf das Kapitänsamt, eine Institution und ein Führungsspieler. Guerreiro ist sich darüber im Klaren und betont, welchen Wert „Schmelle“ für den Klub habe, welche Leistungen er bereits gebracht habe, und bekräftigt mit einem für einen Europameister unerwarteten Understatement: „Ich schaue zu ihm herauf.“

Auf dem Rasen gibt es keinerlei Verständigungsschwierigkeiten. Guerreiro, der sich vor und während der EM einen Stammplatz in Portugals Nationalmannschaft erspielt hat und in die Top-Elf des gesamten Turniers gewählt wurde, fügt sich gut ein. Bereits vor der Euro hatte der BVB den Deal mit ihm fixiert, für zwölf Millionen Euro. Fast ein Schnäppchen, schon jetzt ist der Portugiese deutlich mehr wert.

Qualitätssprung

„Ich hatte früh den ersten Kontakt zum BVB und habe mich dann sehr schnell entschieden“, sagt der ehemalige Spieler des FC Lorient. Er weiß, dass die Bundesliga von der Qualität her stärker einzuschätzen ist als die Ligue 1, er weiß auch, dass der BVB einen höherwertigen Kader und andere Ziele hat als Lorient. Und er weiß, dass er für seine Integration Deutsch lernen muss.

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Fußballerisch kann Guerreiro für den BVB eine Bereicherung werden. Bei der EM habe ihm Cristiano Ronaldo, mit dem er gut harmonierte, viele Tipps gegeben, „das versuche ich natürlich mitzunehmen“. Guerreiros Auffassung der Linksverteidiger-Position umfasst mehr als Defensive und dosierte Flankenläufe. Er schaltet sich aktiv ins Kombinationsspiel ein, beschleunigt mit vertikalen Pässen das Spiel. Sein linker Fuß schlägt scharfe Flanken und präzise Freistöße. Trainer Thomas Tuchel testete ihn bereits zentraler auf einer Mittelfeld-Position, auch Linksaußen hat der Portugiese schon gespielt.

"Werden Freude an ihm haben"

„Wir werden viel Freude an ihm haben“, meint BVB-Sportdirektor Michael Zorc. Mit „wir“ meint er den Klub, die Fans, auch die Mitspieler. Guerreiro ist zwar kein Krieger. Aber einer, mit dem man gerne in den (sportlichen) Kampf zieht.

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