Raphael Guerreiro überzeugt in der Zentralen

Positiver Etikettenschwindel

Sind die Fans von Borussia Dortmund im Sommer einem gewaltigen Etikettenschwindel auf den Leim gegangen? Raphael Guerreiro wurde während der Europameisterschaft als neuer Linksverteidiger verpflichtet, doch beim 6:0-Sieg in Warschau glänzte der Portugiese auf einmal als Achter im Mittelfeld - und könnte dort auch in Zukunft zum Einsatz kommen.

WARSCHAU

, 16.09.2016, 06:34 Uhr / Lesedauer: 2 min
Raphael Guerreiro überzeugt in der Zentralen

Schnell, ballsicher, kreativ und dribbelstark: Raphael Guerreiro setzte im Zentrum gegen Legia eine ordentliche Duftmarke.

Michael Zorc lächelte, als er nach der BVB-Gala zum Auftakt in die neue Champions-League-Saison nach der Idealposition des Zwölf-Millionen-Euro-Einkaufs befragt wurde. „Er braucht keine feste Position“, sagte der Sportdirektor der Borussia, „Raphael kann viele Positionen sehr gut spielen.“

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BVB-Training in Brackel am 15. September

Bilder des BVB-Trainings in Brackel am 15. September.
15.09.2016
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Bilder des BVB-Trainings in Brackel am 15. September.© Foto: Mallon
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Schlagworte BVB , Borussia Dortmund

Davon wusste der 22-Jährige bislang allerdings selbst noch nichts, wie er anschließend ungeniert zugab. „Ich habe bislang immer Linksverteidiger gespielt. Im Verein, der Nationalelf, und auch nach Dortmund bin ich in der Überzeugung gekommen, auf dieser Position weiter zu spielen“, erklärte Guerreiro, der selbst etwas überrascht schien, wie gut es für ihn in der Zentrale geklappt hatte. Dabei kam die Leistung des nur 1,70 Meter großen Technikers keineswegs aus dem Nichts. Bereits bei seinen Einwechslungen in den ersten Pflichtspielen dieser Saison hatte er gezeigt, dass auch auf einer Mittelfeldposition großes Potenzial in ihm schlummert. Bei seinem ersten Startelfeinsatz für seinen neuen Klub setzte er ein dickes Ausrufezeichen dahinter.

Guerreiro traf zum 4:0, bereitete das 2:0 durch Sokratis per Freistoß vor und gab zwei weitere Torschussvorlagen. Nahezu jeder Angriff seines Teams lief über ihn, der Europameister hatte 89 Ballkontakte, eine Passquote von 87 Prozent und gewann 75 Prozent seiner Dribblings. Werte, die ihn zum besten Spieler auf dem Platz machten.

"Das macht mich glücklich"

„Dass Sie das so sehen, macht mich glücklich“, antwortete er mit aufrichtig wirkender Freude, als er nach dem Spiel von den Journalisten mit der Bewertung seiner Leistung konfrontiert wurde. „Ich werde versuchen, in den nächsten Spielen an diese Leistung anzuknüpfen.“

Vor allem das Zusammenspiel mit Mario Götze, dem zweiten Achter der Borussia, funktionierte auffallend gut. Die beiden Techniker harmonierten im Passspiel mit ihrem Hintermann Julian Weigl und leiteten so viele Tormöglichkeiten der Borussia ein. Zorcs trockener Kommentar dazu: „Gute Fußballer verstehen sich in der Regel gut, auch dann, wenn sie nicht die gleiche Sprache sprechen.“

Lob von Weigl

Dem wollte Guerreiro nicht widersprechen. Götze sei ein großartiger Fußballer, lobte er seinen Mitspieler, „ich habe mich sehr wohlgefühlt an seiner Seite. Wir haben uns oft gesucht und oft gefunden.“ Weigl, der das Zusammenspiel der beiden aus nächster Nähe beobachten konnte, attestierte Guerreiro eine „unheimliche Qualität mit dem Ball und eine sehr gute Drehung. Wir hoffen, dass er so weiterspielt. So ist er sehr wertvoll für uns“, bilanzierte der im Vergleich zum Spiel in Leipzig stark verbesserte Sechser.

Für Guerreiro und auch für BVB-Trainer Thomas Tuchel haben sich durch den starken Auftritt des Portugiesen neue Möglichkeiten aufgetan. Als Linksverteidiger scheint Kapitän Marcel Schmelzer gesetzt, für Guerreiro bliebe vorerst nur die Rolle des Einwechselspielers. Und ohnehin scheint er mit seinen Qualitäten auf der Außenbahn fast verschenkt. Da passt es gut, dass sich in der Zentrale bislang noch keine Idealformation herauskristallisiert hat. Je nach Ausrichtung des Gegners steht Tuchel hier jetzt eine weitere vielversprechende Option zur Verfügung. Wann immer ein ballsicherer, schneller und auch kreativer Spieler gefragt ist, könnte Guerreiros Stunde schlagen. Nach den Eindrücken von Mittwoch dürfte der Einsatz in der Mitte keine Ausnahme bleiben – sondern eher zur Regel werden. 

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