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RB Leipzig und der Erfolg - ein schmerzhafter Spagat

Zwischen Liebe und Hass

Beim 0:1 im Februar dieses Jahres hatten die Roten Bullen in Dortmund eine einzige Chance. Kurz vor dem Abpfiff wurde Federico Palacios Tor nicht gegeben, der junge Mann aus der U23 knapp im Abseits. Seitdem ist viel passiert. Guido Schäfer (Leipziger Volkszeitung) mit einer Bestandsaufnahme.

LEIPZIG

von Guido Schäfer

, 13.10.2017, 19:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
RB Leipzig und der Erfolg - ein schmerzhafter Spagat

RB Leipzig hat sich in der Bundesliga-Spitzengruppe etabliert.

Der Vize-Meister sorgte für Rauschen im Blätterwald, Sportdirektor Ralf Rangnick wurde vom englischen Magazin "FourFourTwo" zum besten Fußball-Manager unter der Sonne gekürt, Coach Ralph Hasenhüttl firmiert seit Mai nicht nur in seiner Grazer Heimat unter "Wunderwuzzi". Alleskönner. Die U23 der Rasenballer wurde aufgelöst, Beinahe-Held Palacios bekam einen Profivertrag, hat aber im aufmunitionierten Kader keine Chance auf Einsätze.

Compper und Kaiser in der zweiten Reihe

Dass die Revolution auch verdiente Helden der Arbeit verspeist, lässt sich auch an Marvin Compper und Dominik Kaiser festmachen. Innenverteidiger Compper (32) war in der Vorsaison eine feste Größe, hat aktuell Mühe, es in den 18er-Kader zu schaffen. Der 18-jährige Dayot Upamecano hat Compper den Rang abgelaufen. Wer an Upa vorbei will, muss schneller als Upa sein. Das ist nicht mal Pierre-Emerick Aubameyang. Kaiser (28) ist der einzige RB-Feldspieler, der beim Weg von der vierten in die erste Liga dabei war. Über Kurzeinsätze kommt der Ex-Kapitän nicht mehr hinaus.

Dass der Umgang mit Erfolg die Königsdisziplin ist, weiß Rangnick aus seiner Hoffenheimer Zeit. Als in Sinsheim die Ferraris die Traktoren übertönten, gingen Spirit und Erfolge flöten. Wehret den Anfängen, dachte sich Rangnick und hielt nach dem finalen Bundesligaspiel 2016/2017 noch in der Frankfurter Kabine eine flammende Rede.

Mittagessen fällt aus

Er dankte für eine famose Saison und versprach, dass man sich zum ersten Training in dieser Konstellation wiedersehen werde. Botschaft: Ihr habt super gespielt, ihr bleibt mal schön bei uns! Auch Naby Keita blieb, er feiert nach Rotsperre sein Bundesliga-Comeback. An guten Tagen ist der 22-Jährige nicht zu stoppen, an weniger guten fliegt er vom Platz. Gute Chancen auf die Startelf hat der Ex-Dortmunder Kevin Kampl.  

Das obligatorische Mittagessen der Klub-Bosse fällt zum dritten Mal flach. Ja, der etwas andere Fußball-Verein teilt die Fußball-Gemeinde, wie Moses das Meer. Zwischen Liebe und Hass passt kein noch so schmales Döslein Red Bull. Und auch kein Mittagessen.

Autor , 53, ist Ex-Zweitliga-Fußballer von Mainz 05 (178 Spiele, acht Rote Karten). Er schreibt seit 2009 für die "Leipziger Volkszeitung" über RB Leipzig. Im November erscheint sein Buch "111 Gründe, ein Roter Bulle zu sein".

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