Reine Gefühlssache: BVB-Torschütze Hazard und die „komische“ Rückkehr nach Mönchengladbach

rnBorussia Dortmund

Thorgan Hazard rackert unermüdlich beim 2:1-Sieg des BVB in Mönchengladbach. Es war ein Spiel, das sich für den Belgier „ein bisschen komisch“ anfühlte.

Mönchengladbach

, 09.03.2020, 07:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Pistole ließ er diesmal stecken, auch ohne martialische Jubelgeste schauten alle auf ihn. Und so stand er da, mit demonstrativ verschränkten Armen und breitem Grinsen - und genoss seinen speziellen Moment. Beim Hinspiel gelang Thorgan Hazard für seine neue Borussia gegen seine alte Borussia ein Treffer mit einem satten Distanzschuss, danach zog er freudig den Colt, ehe der Schiedsrichter das Tor nach Videobeweis zurücknahm. Am Samstagabend gab es kein Vertun. Ein kurzer Tritt auf den Ball, drei Gladbacher flutschten ins Leere, dann der gefühlvolle Schlenzer mit links neben den linken Pfosten, 1:0 für den BVB (8.). Schau an!

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„Der erste Ballkontakt war nicht gut“, analysierte Hazard diese Szene später. Nach einer Balleroberung in der gegnerischen Hälfte spielte Erling Haaland zu Hazard, dem die Kugel weit vom Fuß sprang. Beschleunigen, bremsen, ballern - trotzdem Tor. „Mit Links schieße ich nicht so oft“, ergänzte Hazard, „diesmal musste ich.“ Er sollte es ruhig öfter versuchen. Bei seiner Jubelgeste dachte er an seinen Gladbach-Spezi Ibrahima Traore, der habe ihm „viel geholfen“ an seiner alten Wirkungsstätte.

BVB-Torschütze Hazard führt 43 Zweikämpfe - ein extrem hoher Wert

Fünf Jahre lang galoppierte Hazard im Mönchengladbacher Fohlenstall. Sein Abschied brachte der Borussia 25 Millionen Euro und dem Stürmer viel Unverständnis, die Fans nahmen ihm den Wechsel und dessen Begleiterscheinungen übel. Für das erste Auswärtsspiel im alten Zuhause hatte sich der Belgier folglich viel, sehr viel vorgenommen. Mit Wut und Wille warf er sich unermüdlich in jedes mögliche Duell, weit über den Platz verteilt. 43 Zweikämpfe führten die Statistiker für ihn auf, ein exorbitant hoher Wert vor allem für einen Offensivspieler.

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Weil Hazard auch noch aus zwei Dritteln dieser Gefechte als Sieger hervorging, zu starken 78 intensiven Läufen das Tempo anzog, ein Tor erzielte und einmal knapp scheiterte, gehörte er zu den auffälligsten Spielern auf dem Rasen. Denn beinahe hätte er „mein erstes Tor in meinem Leben mit dem Kopf“ gemacht, wie er erklärte, doch Gladbachs Torhüter Yann Sommer wischte das Spielgerät vor der Linie zur Seite (59.), „eine super Parade von ihm.“

Wadenkrämpfe stoppen BVB-Neuzugang Hazard

Dass er diese Szenen hatte, war kein Zufall. Der 26-Jährige rackerte, als müsse er in jeder Sekunde seine Qualitäten beweisen und alte Rechnungen begleichen. Vielleicht war es aber auch die Detailkenntnis über seinen Ex-Klub, die ihm zusätzlichen Ansporn verlieh: „Es ist immer schwer, hier zu gewinnen. Manchmal musst du viel arbeiten, es ist nicht immer ein 4:0 oder 5:0.“

Dass sich Hazard manches Mal verzettelte, Übersicht vermissen ließ oder sich unnötig in riskante Dribblings stürzte, werden ihm die Mannschaftskameraden verzeihen. Wo Erling Haaland und Julian Brandt in der Abteilung Attacke blass blieben, sorgte Hazard für das, was sein Name im Englischen bedeutet: Gefahr. Erst zehn Minuten vor Schluss stoppten Wadenkrämpfe diesen Mann auf seiner persönlichen Mission, die sich für ihn bei aller Freude über den Auswärtssieg merkwürdig anfühlte.

Der BVB steht in Paris vor einer schwierigen Aufgabe

Schließlich begrüßte er vor und nach dem Spiel eine Menge alter Bekannter. „Es ist ein bisschen komisch, aber das ist Fußball.“ Seit Sonntag ist Gladbach auch für Hazard wieder Geschichte. Erholung ist angesagt, schnell zu regenerieren das Gebot der Stunde, am Mittwoch wartet Paris Saint-Germain in der Champions League. Auch da, versprach Hazard, werde er „alles geben“. Das wird nötig sein.

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