Reus spielte die beste Saison seiner Karriere - und ist ein hungriger Anführer für den BVB

rnBVB-Saisonrückblick

Er ist das Gesicht der Dortmunder Borussia. Eigengewächs, Kapitän, Führungsspieler. Niemand verkörpert den BVB so sehr wie Marco Reus. Sein Wert für den Klub ist mit Geld nicht zu beziffern. 2020 will er mit dem BVB die Meisterschale hochhalten.

Dortmund

, 24.06.2019, 04:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die Müdigkeit war nicht zu übersehen, sie war im Gesicht von Marco Reus abzulesen, bevor sie dann irgendwann der Vorfreude auf den nahenden Urlaub wich. Reus‘ letztes Pflichtspiel der Saison war eigentlich eine lästige Pflichtaufgabe, aber er schien die Chance aufsaugen zu wollen, auch im DFB-Trikot endlich seine Fußabdrücke zu hinterlassen. Die Motivation war noch hoch, denn viel zu oft hatte er der Berufung durch den Verband nicht nachkommen können.

Marco Reus auch beim DFB die prägende Figur

In der abgelaufenen Saison aber blieb Marco Reus endlich einmal weitgehend verletzungsfrei. Und wie immer eigentlich, wenn er gesund war, lieferte er Leistung ab. Beim 8:0 gegen Estland war das nicht anders. Zwei Tore erzielte er selbst, eins bereitete er vor. Reus war im letzten Spiel vor der Sommerpause die prägende Figur auf dem Feld. So wie er es in der abgelaufenen Spielzeit auch bei Borussia Dortmund war.

Reus spielte die beste Saison seiner Karriere - und ist ein hungriger Anführer für den BVB

Marco Reus will auch in der Nationalmannschaft mehr Verantwortung übernehmen. © imago

Zwölf Monate zuvor sah sich der so oft zwischen Genialität (wenn gesund) und Tragik (wenn verletzt) pendelnde Reus an einem wichtigen Punkt seiner Karriere. Er hatte einen Kreuzbandriss hinter sich gebracht, einer taumelnden und in sich zerstrittenen Mannschaft aber naturgemäß nach seiner Rückkehr noch nicht den Halt geben können, den sie so dringend gebraucht hätte.

Marco Reus ist der Anführer des neuen BVB

Auf der Felge war die Borussia in die Champions League geschlittert, der Sommer 2018 war daher auserkoren für den unumgänglichen Umbruch. Und Reus sollte der Anführer dieser neu zusammengestellten Mannschaft werden.

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Der damals 29-Jährige übernahm das Kapitänsamt von Marcel Schmelzer, und er füllte dieses mit Leben, wie es ihm auch die größten Fürsprecher wohl nicht zugetraut hätten. Auf dem Platz ging Reus wie gewohnt mit Leistung voran, er zeigte sich aber auch gereift im Umgang mit der Öffentlichkeit und den Medien. Reus avancierte zum großen Sympathie-Träger, was sich dann auch in Mainz zeigte. Als ihn Interims-Trainer Marcus Sorg im Länderspiel gegen die Esten vorzeitig vom Platz holte, wuchs der Applaus zu einem Orkan an. So laut riefen die Fans keinen anderen Namen.

Glänzenden Statistiken für den BVB-Kapitän

Nur in seinen beiden ersten Jahren nach der Rückkehr aus Mönchengladbach absolvierte Marco Reus mehr Bundesliga-Spiele für den BVB (32, 30) als in der vergangenen Saison. 27 waren es am Ende, nach einer Hinrunde, in der er in allen 17 Partien als Startelf-Spieler auf dem Feld gestanden hatte. Nach der Wiedervereinigung mit Trainer Lucien Favre wurde der Blondschopf sehr schnell zum Kopf dieses neuen Teams. Er unterfütterte den Führungsanspruch, den ein Spieler mit seinen Fähigkeiten auch haben muss, mit glänzenden Statistiken.

17 Tore erzielte er als offensiver Mittelfeldspieler, zwölf Treffer bereitete er vor. Nur Jadon Sancho war an mehr Treffern der Borussia direkt beteiligt. Reus war neben Sancho die schwer zu kontrollierende Konstante des Dortmunder Offensivspiels. Favre setzte ihn vorwiegend im Zentrum hinter den Spitzen ein, er genoss aber die Freiheit, überall hin auszuweichen.

Fast jeder vierte Schuss ein Treffer

Wo Reus auftauchte, entstand Gefahr. 46 schnelle Läufe pro Partie sind ein Spitzenwert, 52 Ballkontakte im Schnitt für einen Offensivspieler ebenfalls. Beinahe jeder vierte Torschuss von Marco Reus mündete in einen Treffer.

In der Rückrunde musste Reus der fast schon ungewohnten Belastung Tribut zollen. Ein Muskelfaserriss im Adduktorenbereich war vielleicht eine Folge dieser Belastung, sein Fehlen ging nicht zufällig einher mit der einzigen Krise der Borussia. Stand sein Notenschnitt in der Hinrunde bei starken 2,64, sackte er in der Rückrunde etwas ab.

Das Derby ist der Fleck auf der weißen Weste von Marco Reus

Einfluss hatten auch einige Negativerlebnisse. In München ging der Kapitän mit der gesamten Besatzung unter, im Derby sorgte sein individueller Aussetzer in der Szene, die zur Roten Karte führte, für einen schwarzen Fleck auf der weißen Weste. Dennoch beendete Reus das Spieljahr in der Bundesliga als notenbester Dortmunder Feldspieler.

Reus spielte die beste Saison seiner Karriere - und ist ein hungriger Anführer für den BVB

Nach dem harten Einsteigen gegen Schalkes Suat Serdar sieht Marco Reus die Rote Karte - und kann es kaum glauben. © imago

Die Perspektive von Marco Reus für die neue Saison

Dass es am Ende nicht zum ganz großen Wurf reichte, nagte an Marco Reus, denn so nahe dran am Meistertitel war er in seiner Karriere noch nie. Frisches Familienglück durch die Geburt seines ersten Kindes und die Gewissheit, dass der Körper auch höchste Belastungen über einen längeren Zeitraum wegstecken kann, dürften ihm aber genügend Motivation für einen neuen Anlauf nach der Sommerpause geben.

Reus ist Ende Mai 30 geworden, aber er hat gezeigt, dass noch einige gute Jahre vor ihm liegen. Er wird als Anführer auch im noch deutlich verstärkten Dortmunder Team eine prägende Rolle innehaben.

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