Rode: "Alles für den Verein geben und kämpfen"

BVB-Interview des Monats

Seit diesem Sommer trägt Sebastian Rode das Trikot seines Lieblingsvereins. Matthias Dersch hat mit dem Sommer-Neuzugang beim Rückflug aus Lissabon über das Spiel, seine ersten Monate beim BVB und eine Dortmunder Besonderheit gesprochen.

DORTMUND

, 21.10.2016, 09:30 Uhr / Lesedauer: 5 min
Sebastian Rode bereichert die Mannschaft von Borussia Dortmund als Fußballer und als Typ.

Sebastian Rode bereichert die Mannschaft von Borussia Dortmund als Fußballer und als Typ.

Die Eindrücke des 2:1-Sieges in Lissabon sind noch frisch. Wie haben Sie die dramatische Partie erlebt?

Nach einer von unserer Seite sehr guten ersten Hälfte mit zwei Toren kam nach der Pause alles rein in das Spiel. Speziell nach dem Gegentor wurde es richtig wild, da waren die Emotionen voll da. Das Stadion wurde zum Hexenkessel, es wurde auf einmal richtig laut. Dass wir das mit der jungen Mannschaft über die Zeit gerettet haben, war ein riesiger Erfolg. Das sollte jedem von uns zusätzlich Selbstvertrauen geben.

 

Sie sind in der Schlussphase reingekommen, um den Vorsprung zu verteidigen. War es ein Spiel ganz nach Ihrem Geschmack?

Ach, ich hätte auch nichts dagegen gehabt, wenn wir die Führung ruhig hätten nach Hause spielen können … Aber solche Spiele machen doppelt Spaß, wenn man sie am Ende gewinnt.

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Die Frage zielte auf den Ruf ab, der Ihnen vorauseilt. Matthias Sammer hat sie mal als „Giftzwerg“ bezeichnet und meinte das ausnahmslos positiv. Trifft diese Charakterisierung zu?

Ja, aber nicht ausschließlich. Klar, bei mir spielen Einsatz, Zweikampfführung und Pressing immer eine große Rolle. Aber ich verstehe es auch, mit dem Ball Fußball zu spielen. Ich kann auch meine technischen Fähigkeiten in die Waagschale werfen.

 

Nach einem guten Beginn in Dortmund, bei dem sie beides nachweisen konnten, gab es einen Bruch in Ihren Leistungen. Welche Erklärung haben Sie dafür?

Ich habe gemerkt, dass der Wechsel zu einem neuen Verein doch eine größere Umstellung mit sich bringt. Ich musste mich erst an das neue Umfeld gewöhnen. Jetzt bin ich aber guter Dinge, dass ich aus diesem kleinen Tief auch schnell wieder herauskomme. Ich denke, ich bin da auch bereits auf einem guten Weg.

 

Provokant gefragt: Haben Sie in München das Kämpfen verlernt?

Es ist schon eine andere Art, Fußball zu spielen, wenn du beim FC Bayern bist. Man hat ständig den Ball, kommt weniger in die Zweikämpfe und muss weniger Bälle zurückerobern. Aber: Nein, das Kämpfen verlernt man trotzdem nicht.

 

Weil man es im Training zeigen muss?

Ja, die Qualität in den Einheiten ist gerade bei den Bayern sehr hoch. Da war immer Feuer drin. Und es stimmt, dass die Qualität der Gegner im Training häufig größer war als in Pflichtspielen.

Sie haben oft betont, wie viel Sie in München gelernt haben. Unter anderem sind Sie deutlich flexibler geworden. Ist das ausnahmslos ein Vorteil für einen Fußballer?

Es ist ein Vorteil, aber ausnahmslos? Nein, das würde ich nicht sagen. Jeder Fußballer hat eine Position, auf der er sich am wohlsten fühlt. Wenn man häufig hin- und hergeschoben wird, ist es immer mit einer Umstellung verbunden, die es einem insgesamt nicht leichter macht.

 

In Dortmund mussten Sie zuletzt häufig als Achter oder Zehner spielen – je nach Definition. Täuscht es oder fühlen Sie sich weiter hinten wohler?

Nein, das stimmt schon. Wenn ich neben Julian Weigl spiele und nicht vor ihm, habe ich das Spiel vor mir und nicht den Gegner im Rücken.

 

Ihre Leistungen auf der offensiveren Position wurden von den Medien kritisiert. Registrieren Sie so etwas?

Explizit verfolge ich nicht, was über mich geschrieben wird. Aber irgendwie bekommt man es doch immer mit. Sei es, weil man darauf angesprochen wird, oder weil man von einem Freund einen Link geschickt bekommt. Früher habe ich mir das auch aktiver angeschaut und meine Noten gecheckt. Inzwischen ist mir wichtiger, was der Trainer und die Mannschaft von mir halten.

 

Sind Sie ein Spieler, der Zuspruch vom Trainer braucht?

Ich habe einen guten Draht zu Thomas Tuchel, wir sprechen auch immer wieder miteinander. Wir kennen uns ja seit A-Jugend-Zeiten, damals habe ich mit Offenbach gegen seine Mainzer gespielt. Aber ich bin jetzt niemand, der die ganze Zeit betätschelt werden muss.

Wie läuft Ihre private Analyse ab? Studieren Sie einzelne Szenen im Video?

Das kommt durchaus mal vor. Aber ich versuche meistens, die Spiele schnell abzuhaken. Wir sind praktisch alle drei Tage gefragt, da zählt es nicht, was im letzten Spiel war. Wichtig ist, dass es im nächsten Spiel klappt.

 

Sehen Sie die Gefahr, alte Fehler als Rucksack mit ins nächste Spiel zu schleppen?

Ja, gerade in Momenten, in denen es nicht gut läuft, gerät man automatisch ins Grübeln. Schaut man sich dann die Szenen immer und immer wieder an, geht die Lockerheit verloren. Deshalb versuche ich, in diesen Phasen den Kopf möglichst gut und rasch wieder freizubekommen.

 

Auf Seite 2 lesen Sie, was Sebastian Rode über schwächelnde Bayern, eine mögliche Verfolgungsjagd und seine Eingliederung beim BVB sagt.

 

Im Moment wird man Zeuge eines Phänomens, das man kaum mehr für möglich gehalten hätte: Ihr Ex-Klub, der FC Bayern, schwächelt in der Bundesliga.

Ich kann mir aus meiner Zeit dort ungefähr vorstellen, wie es bei ihnen in solchen Momenten rumort. Es gefällt ihnen gar nicht, unentschieden zu spielen. In solchen Phasen ist gut was los in der Bayern-Kabine. Aber zum einen sind sie noch immer komfortabel Tabellenführer, und es wäre vermessen, wenn wir nur nach München schauen würden.

 

Warum? Der BVB war im vergangenen Jahr souveräner Zweiter …

Wir haben aber selbst zuletzt Punkte liegengelassen. Das müssen wir künftig verhindern, erst dann sind wir auch in der Lage, Ansprüche zu stellen und die Bayern herauszufordern, wenn es bei ihnen nicht so gut läuft.

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Die Bayern kriseln, aber Sie holen nicht auf. Tröstet es, dass zumindest der Punkteabstand nicht allzu groß ist? Oder ärgert es in erster Linie, weil es zeigt, wo man stehen könnte ohne die Niederlagen in Leverkusen und Leipzig?

Natürlich ist es ärgerlich, dass wir diese Spiele verloren haben. Aber ich würde behaupten, dass die Liga in diesem Jahr allgemein ausgeglichener ist als in den zurückliegenden Jahren. Viele Teams sind oben dabei, mit denen man nicht unbedingt rechnen konnte. Es ist schwieriger geworden für die Spitzenteams. Man darf nicht erwarten, dass Punktausbeuten wie von München und Dortmund im vergangenen Jahr zur Normalität werden.

 

Sie haben in Leipzig verloren und in Leverkusen, gegen Berlin gab’s ein Remis. Alle drei Gegner einte der Wille, dagegenzuhalten. Gegen Lissabon haben Sie in einem ähnlich gelagerten Spiel gewonnen. Anzeichen für einen erfolgreichen Lernprozess.

(überlegt lange)

 

Sie stutzen. Warum?

Das Leipzig-Spiel kam nach einer Länderspielpause, und für RB war es ein besonderes Spiel, weil es ihr erstes Heimspiel in der Bundesliga war. Und dass sie keine Laufkundschaft sind, hat man inzwischen gesehen. Ähnlich verhält es sich mit den anderen beiden Teams. Aber ja, es gehört dazu, dass man aus solchen Partien lernt. In Lissabon konnte man sehen, dass das bei uns geschieht. Wir haben dagegengehalten und die Bälle auch einfach mal rausgehauen. Alles Weitere wird in den kommenden Wochen kommen. Wir haben so viele junge Spieler mit so viel Talent. Sie werden noch dazulernen.

Sie sind als kleiner Junge BVB-Fan gewesen, obwohl Sie in Hessen aufgewachsen sind. Wie kam das?

Ich bin mit den Erfolgen der Borussia in den Neunzigern großgeworden, ich bin ja Jahrgang 1990. Der BVB hatte mich voll erwischt. Damals hing auch das eine oder andere Spieler-Poster aus der „Bravo Sport“ an meiner Kinderzimmerwand.

 

An welchen Vorbildern haben Sie sich damals orientiert?

Tomas Rosicky war immer mein Idol. Als es dann bei mir mehr und mehr in Richtung Profi ging, habe ich verstärkt auf Spieler geschaut, die auf meiner Position gespielt haben. Zum Beispiel Bastian Schweinsteiger.

 

Inzwischen spielen Sie selbst für den BVB und dürfen dadurch auch wieder ein Stück Fan sein. Wie haben Sie den Klub kennengelernt?

Als einen großen Klub mit unglaublich vielen und großartigen Fans. Als ich mir Wohnungen angeschaut habe, fand ich es faszinierend, dass überall Dortmund-Fahnen hingen oder sogar ganze Häuser in den Vereinsfarben angemalt sind. Die Menschen sind absolut positiv verrückt und geben alles für den Verein. In anderen Städten sieht man die Fans nur an Spieltagen im Trikot, hier geht man in BVB-Klamotten auch arbeiten.

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Der Verein hat Sie auf eine Tour zu den wichtigsten Orten der BVB-Historie mitgenommen. Was stand alles auf dem Programm?

Wir haben uns die Gründungskirche angeschaut, den Ort, wo früher der erste Sportplatz war, natürlich waren wir auch am Borsigplatz und im Gründungsaal. Später ging es noch in die Rote Erde.

 

Die berühmte Pommesbude am Borsigplatz haben Sie lieber ausgelassen?

(lacht) Stimmt.

 

Würden Sie sagen, dass Ihre Integration erfolgreich abgeschlossen ist?

Ja, die Mannschaft hat mich sehr gut aufgenommen, das war von Anfang an sehr positiv und hat es mir leicht gemacht. Ich habe auch früh eine Wohnung gefunden, auch das hat dazu beigetragen, dass ich mich wohlfühle hier.

Sie haben bei Ihrer Tour auch Einblick in die Ahnengalerie der Borussia bekommen. Was muss man Ihrer Meinung nach tun, um in Dortmund unvergessen zu bleiben?

Titel gehören sicher ein Stück weit dazu. Aber um in die Herzen der Fans zu kommen, muss man vor allem alles für den Verein geben und auf dem Platz kämpfen.

 

Dann dürfte bei Ihnen eigentlich wenig schiefgehen, oder?

(lacht) Ja, das hoffe ich auch.

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