Ruhiger Werder-Vertreter: Baumann will gestalten

Der BVB-Gegner

Neulich, als Max Kruses schepperndes Rendezvous mit einer Autobahnleitplanke für große Aufregung in Bremen gesorgt hatte, zeigte Frank Baumann wieder mal, was er am besten kann: Ruhig bleiben. Während sich Fans und Medien die Langeweile vor dem Re-Start der Bundesligamit Diskussionen vertrieben, trat Baumann auf, als käme er gerade nach einem Entspannungsbad aus der Wanne. Aufregung? Nicht bei ihm.

BREMEN

von Carsten Sander

, 21.01.2017, 11:30 Uhr / Lesedauer: 2 min
Ruhiger Werder-Vertreter: Baumann will gestalten

Wollen Werder Bremen wieder in ruhigere Fahrwasser führen; Geschäftsführer Frank Baumann (l.) und Trainer Alexander Nouri.

Baumann brauchte im Grunde lediglich zwei Sätze, um die Angelegenheit zu befrieden. Er habe Kruse gesagt, dass es "nicht optimal" gewesen sei, zu der Zeit noch unterwegs zu sein. Und: "Es gibt keine Strafe." Ende des Baumann-Auftritts, frühes Ende des Wirbels um den sowohl beim Unfall auf der A7 als nun auch vor dem Baumann-Tribunal unbeschadet gebliebenen Kruse.

Spezielle Begabung

Es ist eine spezielle Begabung von Frank Baumann, dass sein Puls grundsätzlich nie so hoch schlägt wie der Puls der Branche. Deshalb haben die Werder-Oberen um Aufsichtsratschef Marco Bode den Kapitän des Double-Teams von 2004 auf den Posten des Geschäftsführers Sport gehoben. Auf den hemdsärmeligen und im Aufsichtsrat wenig beliebten Aufräumer Thomas Eichin folgte der bedächtige Baumann. Das war im Mai 2016. Seither hat sich viel getan bei Werder Bremen. Nicht alles war gut.

Vor allem musste Baumann erkennen, dass nicht alles mit sturer Ruhe zu lösen ist. Siehe den Fall Viktor Skripnik. Der alte Sportchef - also Eichin - wollte den Trainer nach dem geschafften Klassenerhalt austauschen, der neue Sportchef nicht. Zum Entsetzen vieler verlängerte Baumann den Vertrag mit Skripnik ("Er ist der bestmögliche Trainer für Werder Bremen") im Juli bis 2018 - und entließ den Coach nach dem völlig verkorksten Saisonstart nur zwei Monate später.

"Ich übernehme die Verantwortung dafür"

Es war ein Fiasko für Baumann, der anschließend aber Rückgrat bewies und alle Schuld auf sich lud. Skripnik-Treue, vier Pflichtspielpleiten zum Auftakt - "ich übernehme die Verantwortung dafür", sagte Baumann vor der Mitgliederversammlung im November und wirkte dabei verstörend demütig und zerknirscht. So, als wolle er gleich seinen Rücktritt verkünden.

Wollte er aber nicht. Natürlich nicht. Denn Frank Baumann ist nicht nur ein Leisetreter, er ist auch ein ehrgeiziger Geist, ein Gestalter. Im Sommertransferfenster verzeichnete Werder 26 Spielerwechsel - 13 Profis gingen, 13 kamen. Der Ex-Nationalspieler gestaltete das Team völlig um.

Aber wer viel macht, macht auch Fehler. So gehören die Einkäufe Fallou Diagne (mittlerweile schon wieder an den FC Metz verliehen) und Florian Kainz in die Kategorie Fehleinkauf. Max Kruse und Serge Gnabry sind dagegen Volltreffer, für Bremer Verhältnisse echte Ausnahmespieler. Sie sorgen - nicht nur mit nächtlichen Autobahn-Unfällen - für die Schlagzeilen in Bremen. Und dafür, dass Fußball-Deutschland den traditionsreichen SV Werder nicht ganz vergisst.

Gnabry im Fokus

Besonders Neu-Nationalspieler Gnabry steht im Fokus - wegen seiner sieben Hinrunden-Treffer, wegen der hartnäckigen Gerüchte, dass der FC Bayern bei der Verpflichtung des 21-Jährigen mitgewirkt hat und deshalb im Sommer ein Vorkaufsrecht besitzt. Oder dass Fünf-Millionen-Mann Gnabry am Saisonende mittels einer auf bescheidene acht Millionen Euro festgesetzten Ablöse aus seinem bis 2020 datierten Vertrag herausgelöst werden kann. Wie viel Wahrheit hinter diesem Getuschel steckt, lässt sich nicht sagen.  

Was sich aber sagen lässt, ist, dass Frank Baumann durch die Gerüchte an die Grenzen seiner Gelassenheit geführt wird. Die genervt klingenden Seufzer, die er beim Thema Gnabry-Zukunft ausstößt, sind für seine Verhältnisse jedenfalls echte Gefühlsausbrüche. Was der 41-Jährige dann zu sagen pflegt, taugt allerdings nicht zur Entkräftung der Spekulationen. Baumanns Strategie: "Wir müssen uns in den nächsten Wochen, Monaten und Jahren sportlich so interessant machen, dass ein Spieler wie Serge noch lange bei uns bleibt."

Gang Richtung Bedeutungslosigkeit

Genau da liegt aber nach wie vor das Werder-Problem. Sportlich hat der Klub seinen Gang Richtung Bedeutungslosigkeit auch mit Baumanns Hilfe nicht stoppen können. Das von Bundesliga-Nobody Alexander Nouri (37) trainierte Team liegt vor dem verspäteten Abschluss der Hinrunde gegen den BVB auf Platz 15 - mit nur drei Punkten Vorsprung auf den Relegationsplatz. Der Abstiegskampf gehört mittlerweile zu den Bremern wie die stoische Ruhe zu Frank Baumann.

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