Schlimmer Absturz des BVB! Nicht-Leistung in München offenbart Dortmunder Probleme

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Borussia Dortmund enttäuscht beim 0:4 in München auf ganzer Linie. Schlimmer als das Ergebnis ist die Art und Weise, wie sich der BVB präsentiert. Tobias Jöhren kommentiert.

München

, 09.11.2019, 22:46 Uhr / Lesedauer: 2 min

Michael Zorc ist in dieser Saison nicht wirklich zu beneiden. Der BVB-Sportdirektor fordert regelmäßig Selbstverständlichkeiten von seinen Spielern ein - und wird von der Mannschaft deutlich zu regelmäßig enttäuscht. Vor den Partien in Köln (3:1), als es gerade noch gutgegangen war, und bei Union Berlin (1:3), als es erstmals in dieser Spielzeit schiefging, hatte Zorc die „nötige Schärfe“ gefordert, aber keine gesehen.

Vor dem 2:2 in Freiburg hatte er prophezeit, man fange „jetzt richtig“ an, wurde allerdings eines Besseren belehrt. Vor dem Derby auf Schalke (0:0) hatte er sich gewünscht, dass die BVB-Profis „mit jeder Faser“ für den Sieg kämpfen würden. Na ja. Und nun, vor diesem einmal mehr ernüchternden und desolaten 0:4 in München hatte er zu „Männerfußball“ geraten - bestenfalls Bübchenfußball war dabei herausgesprungen.

Der BVB schien eigentlich fast über den Berg zu sein

Die Quittung ist, dass Borussia Dortmund auch in die dritte Länderspielpause dieser Hinrunde mit einer großen Enttäuschung geht. Berlin, Freiburg und jetzt München: Es wird wieder viel debattiert werden rund um den BVB in den kommenden zwei Wochen. Wohl mehr über die Spieler als über den Trainer, denn diese Mannschaft, die nach den jüngsten Erfolgserlebnissen gegen Mönchengladbach im Pokal, gegen Wolfsburg in der Liga und gegen Mailand in der Champions League eigentlich fast über den Berg zu sein schien, ist am Samstagabend schlimmer abgestürzt als Jugendliche auf Flatrate-Partys.

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Nur die erste Viertelstunde war okay, nach dem 0:1 zerfiel der BVB auf dem Platz dann nach und nach in seine Einzelteile. Keine Gegenwehr, kein Aufbäumen, keine Körpersprache. Nichts. Die Pfiffe der Fans, die die Mannschaft nach dem Spiel wegschickten, sprachen eine deutliche Sprache. Man kann und darf in München verlieren, keine Frage, aber nicht so. Und die Frage muss erlaubt sein: Wie kann eine Mannschaft, die am Dienstag eine solch atemberaubende zweite Hälfte gegen Inter spielt, nur vier Tage später so hilflos untergehen und sich seinem Schicksal in der Allianz Arena einmal mehr ergeben?

BVB-Trainer Favre wählt mutige Aufstellung - und wird enttäuscht

Dabei hatte Lucien Favre seine Mannschaft nicht verändert, hatte den gleichen elf Spielern wie am Dienstag vertraut, hatte ihr, so hatte es zumindest in den ersten Minuten ausgesehen, einen mutigen Plan mit auf den Weg gegeben. Anders als beim 0:5 in der Vorsaison, als der Schweizer mit der einen oder anderen Personalentscheidung und Umstellung danebengelegen hatte, vertraute er dieses Mal auf die eigene Stärke. Entsprechend wollte er nach dem Debakel auch nichts mehr schönreden, wie er es in der Vergangenheit häufig - vielleicht zu häufig - getan hat. „Wir waren nicht da, das war viel zu wenig“, sagte Favre nur, doch sein Blick sprach Bände. Das saß ein ziemlich fassungsloser Trainer in der Pressekonferenz.

Die „Horror-Bilanz“ des BVB in München, auch davon hatte Zorc vor der Partie gesprochen, ist am Samstag noch ein bisschen gruseliger geworden. 0:4, 0:5, 0:6 - das sind die Zahlen der jüngsten drei Ligaauftritte der Schwarzgelben beim Rekordmeister. Zorc sprach nach der Pleite dann auch nicht mehr von „Männerfußball“, sondern nur noch von „Nichtfußball“. Damit war alles gesagt.

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