Borussia Dortmund

Schlotterbeck erlebt emotionale Freiburg-Rückkehr – und legt den Finger in die BVB-Wunde

Nico Schlotterbeck überzeugt bei seiner Rückkehr nach Freiburg mit einer unnachgiebigen Leistung. Ein Wachrüttler des BVB-Innenverteidigers stößt seinem Ex-Trainer Christian Streich sauer auf.
BVB-Innenverteidiger Nico Schlotterbeck (r.) im verbalen Duell mit Freiburgs Trainer Christian Streich. © imago / Kirchner-Media

Christian Streich setzte seine wildeste Miene auf, Freiburgs Trainer spuckte Gift und Galle. Direkt vor der Bank war Nico Schlotterbeck sehr resolut in den Zweikampf mit Ritsu Doan gegangen, den Ball traf er nicht, sein ehemaliger Teamkollege sackte mit einem Schmerzensschrei zusammen. Auch die Gelbe Karte, die Schiedsrichter Tobias Welz ohne zu zögern zückte, konnte den Trainer der Breisgauer nicht beruhigen. Ein intensives Wortgefecht mit seinem Ex-Spieler folgte, in dem Borussia Dortmunds Neuzugang aber keinen Deut zurücksteckte. Einen Sieger gab es nicht, das Rededuell endete unentschieden.

BVB-Neuzugang Schlotterbeck will gegen Freiburg ein Zeichen setzen

Für Schlotterbeck war die Szene schnell abgehakt, für Streich aber auch nach dem Schlusspfiff noch nicht. „Wir hatten uns vorher nicht begrüßt, er hat dann Doan begrüßt, und dann hab‘ ich ihn begrüßt“, meinte der 57-Jährige süffisant zum verbalen Schlagabtausch. Die Freiburger Bank echauffierte sich nicht zu Unrecht: Eine reelle Chance, den Ball zu spielen, hatte Schlotterbeck in der Szene nicht, weil Doan sich geschickt zwischen Ball und Gegner postiert hatte. Das harte Einsteigen mochte auch BVB-Trainer Edin Terzic nicht anders bewerten: „Die Gelbe Karte war berechtigt.“

Schlotterbeck machte nach dem 3:1-Erfolg keinen Hehl aus seinen Emotionen und dem hohen Adrenalin-Pegel während der 90 Minuten : „Es war für mich ein besonderes Spiel“, erzählte er. Die Anspannung sei größer gewesen als vor anderen Partien, ihm habe dann ein Gespräch am Nachmittag mit BVB-Berater Matthias Sammer geholfen, wie er grinsend verriet. „Er hat gesagt, ich solle es nicht wie er machen. Er habe bei seiner Rückkehr zu Ex-Vereinen immer schlecht gespielt.“ Schlotterbeck spielte hingegen gut. Diesen Eindruck hatte er selbst, diesen Eindruck bekam er auch von seinem Vater gespiegelt. „Ich habe ihn gesprochen, er war zufrieden, dann kann ich auch glücklich sein.“

Nico Schlotterbeck überzeugt beim BVB auf ganzer Linie

Der einzige Sommer-Neuzugang der Borussia, der in allen bisherigen drei Pflichtspielen auf dem Platz stand, hat nicht lange gebraucht, um seine Rolle mit Leben zu füllen. Schlotterbeck hat bislang auf ganzer Linie überzeugt. Als unnachgiebiger Verteidiger in seinem Kern-Aufgabengebiet, als Wortführer auf und neben dem Platz, der ohne Verklausulierungen Klartext redet. Das mag nicht jedem gefallen, aber er ist auch einer, der selbstbewusst vorangeht, wenn es mal nicht läuft.

Diese Charakter-Eigenschaft begründete auch die Aktion gegen Doan, wie er unumwunden zugab. Ein bewusstes Foulspiel sei das nicht gewesen, aber ein geplanter Wachrüttler für seine strauchelnden Teamkollegen: „Ich wollte tatsächlich ein Zeichen setzen in dem Moment, weil es bis dahin für uns nicht gut lief. Ich wollte, dass wir wach werden.“ Viele im Team, führte Schlotterbeck weiter aus, „haben bis dahin kein gutes Spiel gemacht, ab der 75. Minute waren wir alle gut.“ Daran müsse man arbeiten. „Wir müssen Emotionen in unser Spiel bekommen. Wir wollen nicht nur gewinnen. Wir wollen die Spiele auch dominieren.“

Verbales Duell zwischen Nico Schlotterbeck und Christian Streich

Das gelang auch deshalb erst in der Schlussphase, weil Freiburg der erwartet unbequeme Gegner gewesen sei. „Man muss ehrlich sein. Bis zum 1:1 waren sie besser“, räumte Schlotterbeck ein. „Wir hätten heute auch zwei oder drei Gegentore kassieren können.“ Der Zwist mit Streich war für den 22-Jährigen da schon abgehakt. „Es ging emotional zu. Aber ich weiß, wie er tickt, er weiß, wie ich ticke.“ Streichs Miene später in der Pressekonferenz verriet, dass er die Dinge doch etwas anders sah.

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