Schmähplakate: BVB identifiziert 61 Tatverdächtige

Heimspiel gegen Leipzig

Knapp zwei Wochen nach dem Heimspiel gegen RB Leipzig hat Borussia Dortmund 61 Tatverdächtige ermittelt, die an der Präsentation beziehungsweise Vorbereitungsmaßnahmen beleidigender Plakate aktiv beteiligt waren. Zur Identifizierung hat der Verein die entsprechenden Videoaufnahmen an die Polizei übergeben.

DORTMUND

, 17.02.2017, 13:20 Uhr / Lesedauer: 2 min
Schmähplakate: BVB identifiziert 61 Tatverdächtige

Geschmacklose Plakate der BVB-Fans vor Anpfiff des Heimspiels gegen Leipzig.

In der Mitteilung des BVB heißt es: "Die durch das Videomaterial aufgedeckten Taten beziehungsweise Tatbeiträge weisen unterschiedliche Schweregrade auf und werden nach einer Einzelfallprüfung, die bei jedem Verdächtigen eine Anhörung einschließen wird, konsequent verfolgt. Im Fokus steht eine klare Zuordnung von Taten bzw. Tatbeiträgen zu einzelnen Personen, um nicht unschuldige Zuschauer mit zu bestrafen."

Hochauflösende Kameratechnik

Im Signal Iduna Park kommt eine hochauflösende Kameratechnik zum Einsatz, die es ermöglichte, 61 Tatverdächtige zu ermitteln. Die Bandbreite der möglichen Strafmaßnahmen umfasst laut Verein unter anderem Stadionverbote, Vereinsausschlussverfahren, Dauerkarten-Kündigungen sowie zivilrechtliche Regress- und Schadensersatzansprüche. Und weiter: "Erkenntnisse über schwerwiegende Verstöße stellt Borussia Dortmund selbstverständlich den Strafverfolgungsbehörden zur Verfügung."

Transparente wie "Pflastersteine auf die Bullen", "Bullen schlachten" und andere Banner ließen jeglichen Respekt vermissen. Der DFB sanktionierte das Verhalten auf der Südtribüne mit einer Kollektivstraße und sperrte die "Süd“ für das BVB-Heimspiel am Samstag gegen Wolfsburg.

"Am Körper versteckt"

Doch wie konnten die rund 50 Banner, die nicht alle beleidigend waren, auf die Trübüne gelangen? Auf Anfrage unserer Redaktion antwortete Borussia Dortmund am Freitag, dass Ordner, wie an anderen Spieltagen auch, die Transparente vor dem Zugang zur Südtribüne kontrolliert hätten. "Auch beim Spiel gegen Leipzig wurden Plakate nicht zugelassen", lautet einer der per E-Mail übermittelten Antworten.

Zur Gewalt anstachelnde Transparente wie "Pflastersteine auf die Bullen" müssen mindestens 15 Meter lang gewesen sein. Dass so lange Banner trotz Kontrollen auf die Tribüne gelangen konnten, kann sich Borussia Dortmund nur so erklären: "Leider ist es aber so, dass Banner oft in Teilen ins Stadion gebracht, am Körper versteckt und erst im Stadion zusammengesetzt werden."

"Schlüssel hat nur Borussia Dortmund"

Lagern können Fanclubs und Ultra-Gruppen ihre Fahnen und Transparente in einem Fahnen- und einem Materialraum. "Den Schlüssel zu diesem Raum hat nur Borussia Dortmund", schreibt der BVB. Eindeutig klären kann Borussia Dortmund also nicht, wie die Transparente auf die Südtribüne gekommen sind.

Nach dem Angriff auf Leipziger Fans auf der Strobelallee hat die Polizei unterdessen 32 Ermittlungsverfahren eröffnet. Laut BVB könne sich diese Anzahl innerhalb der kommenden Wochen noch auf 40 bis 50 erhöhen.

Einzelfallprüfung plus Anhörung

Dazu heißt in der Mitteilung des Klubs: "Soweit die gesetzlichen Bestimmungen eine Übermittlung von persönlichen Daten zulassen und die Strafverfolgungsbehörden entsprechende Unterstützungsarbeit liefern, werden zudem weitere flankierende Strafmaßnahmen von Borussia Dortmund (...) folgen. Selbstverständlich wird auch in diesen Fällen zunächst eine Einzelfallprüfung nebst Anhörung durch den BVB erfolgen."

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Bereits am Donnerstag hatte der Deutsche Fußball-Bund bundesweite Stadionverbote gegen 88 Hooligans und Ultras verhängt, die von der Polizei vor dem Bundesliga-Spiel in Darmstadt in zwei Bussen unter anderem mit Pyrotechnik, Schlaginstrumenten, Sturmhauben, Wechselkleidung und Drogen aufgegriffen worden waren. Der BVB "begrüßt ausdrücklich die Entscheidung des DFB".

"Sachliche und differenzierte Betrachtungsweise"

Abschließend heißt es: "Als Klub (...) wünschen wir uns eine sachliche und differenzierte Betrachtungsweise. Eine pauschale Verurteilung der BVB-Fans und auch seiner Ultraszene halten wir für kontraproduktiv und nicht zielführend. Der BVB wird auch in Zukunft entschieden für seine Werte eintreten. Wir versichern all jenen, die am 4. Februar verletzt, beleidigt und enttäuscht wurden, dass wir alles in unserer Macht Stehende tun, um die Täter zu bestrafen und eine Wiederholung solcher Vorkommnisse auszuschließen."

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