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Schmelzer: Dürfen uns nicht mehr so verunsichern lassen

Wie der Kopf die Beine lähmt

Selbstvertrauen ist bei Borussia Dortmund nur noch spärlich vorhanden. Seit sechs Bundesliga-Spielen konnte die Elf von Trainer Peter Bosz nicht mehr gewinnen. Die sportliche Krise hat sich im Kopf festgesetzt. Mit fataler Wirkung.

Dortmund

, 29.11.2017, 06:32 Uhr / Lesedauer: 2 min
Sieglos-Serien gibt es immer wieder im Fußball, auch beim BVB. Irgendwann setzt sich das Problem im Kopf fest.

Sieglos-Serien gibt es immer wieder im Fußball, auch beim BVB. Irgendwann setzt sich das Problem im Kopf fest. © Foto: dpa / Montage: Klose

Es ist keine 50 Tage her, es war einer der ersten regnerischen Herbsttage Mitte Oktober, da saß Peter Bosz inmitten von Hunderten fröhlichen BVB-Fans in der Kneipe „Strobels“. Sie bejubelten dort den Trainer des souveränen Tabellenführers, der durch die Liga rauschte wie ein Torpedo. Bosz, ganz er selbst, wusste das einzuschätzen. „Jetzt sind die Stimmung und der Zusammenhalt super“, sagte er, „aber entscheidend ist, wie es aussieht, wenn wir mal zwei Spiele verlieren.“

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Die Emotionen kochen nach dem 173. Revierderby hoch

25.11.2017
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Die Emotionen kochen nach dem 173. Revierderby hoch.© dpa
Die Emotionen kochen nach dem 173. Revierderby hoch.© dpa
Die Emotionen kochen nach dem 173. Revierderby hoch.© dpa
Die Emotionen kochen nach dem 173. Revierderby hoch.© dpa
Die Emotionen kochen nach dem 173. Revierderby hoch.© dpa
Die Emotionen kochen nach dem 173. Revierderby hoch.© dpa
Die Emotionen kochen nach dem 173. Revierderby hoch.© Guido Kirchner
Die Emotionen kochen nach dem 173. Revierderby hoch.© Guido Kirchner
Die Emotionen kochen nach dem 173. Revierderby hoch.© Guido Kirchner
Die Emotionen kochen nach dem 173. Revierderby hoch.© Guido Kirchner
Die Emotionen kochen nach dem 173. Revierderby hoch.© Guido Kirchner
Die Emotionen kochen nach dem 173. Revierderby hoch.© Guido Kirchner
Die Emotionen kochen nach dem 173. Revierderby hoch.© Guido Kirchner
Die Emotionen kochen nach dem 173. Revierderby hoch.© Guido Kirchner
Die Emotionen kochen nach dem 173. Revierderby hoch.© Guido Kirchner
Die Emotionen kochen nach dem 173. Revierderby hoch.© Guido Kirchner
Die Emotionen kochen nach dem 173. Revierderby hoch.© Guido Kirchner
Die Emotionen kochen nach dem 173. Revierderby hoch.© Guido Kirchner
Die Emotionen kochen nach dem 173. Revierderby hoch.© Guido Kirchner

Heute weiß er es. Der BVB hat nach den folgenden zehn Partien nur einmal gelächelt. Nach dem 5:0 im DFB-Pokal, beim Drittligisten in Magdeburg. Stattdessen immer wieder hängende Köpfe, lange Gesichter, Fragezeichen allerorten. In Bundesliga und Champions League reiht sich ein Negativerlebnis an das nächste. „In einer einfachen Phase“, sagte Nuri Sahin nach dem 4:4 im Derby, „gewinnst du solche Spiele auch nach dem ersten oder zweiten Gegentor noch souverän.“

„Wenn du nachdenkst, ist es zu spät“

Die Situation ist jedoch alles andere als einfach. Also „grübelt man“, die Psyche schaltet sich ein, sobald Gegenwind aufkommt, und das geht auf dem Fußballplatz selten gut aus. „Wenn du in der Bundesliga anfängst nachzudenken, dann ist es meistens zu spät“, sagt Sahin.

Nach so vielen Rückschlägen in Serie, bei so viel Druck, wie ihn die Fußballprofis tonnenschwer auf ihren Schultern spüren, wenn gerade mal gar nichts gelingt und sich die Probleme türmen, ist eine sportliche Spitzenleistung kaum mehr möglich. „Wenn die Psyche so eine große Rolle spielt“, so Sahin, „dann fällt nichts mehr leicht.“

Negativspirale

Ihre exponierte Position vor 80.000 Zuschauern im Stadion und Millionen an den Bildschirmen verkompliziert die Situation noch. Denn wie sich das auf dem Fußballfeld darstellt, wenn die Angst die Beine lähmt, das haben die Fans seit Oktober oft gesehen. Die Mannschaft fällt in sich zusammen, statt eine Aufholjagd zu starten. Statt sich zu pushen, dreht sich die Spirale ins Negative. „Wenn man Angst hat, verkrampfen die Muskeln“, erklärt Mentalcoach und Sportpsychologe Dr. Arno Schimpf. „Der Körper reagiert sehr sensibel auf das, was sich im Kopf abspielt“.

Laut BVB-Kapitän Marcel Schmelzer sind die Leistungsabfälle in den zweiten Spielhälften womöglich auch „durch die mentale Schiene“ zu erklären. In der Außenperspektive „macht das dann vielleicht den Anschein, als lasse die Kraft nach“. Er nimmt sich und seine Mitspieler in die Pflicht. „Wir dürfen uns nach Gegentoren nicht mehr so verunsichern lassen.“

Keine Psychologen

Wer so viele Bundesliga-Spiele auf dem Buckel habe, der müsse „die Arschbacken zusammenkneifen“. Man könne nur gemeinsam aus dieser Situation herauskommen. Jeder Spieler sei alt und erwachsen genug, um für sich selbst zu entscheiden, ob er dabei auch die Hilfe eines Mentalcoaches in Anspruch nehmen wolle oder nicht.

Borussia Dortmund bietet seinen Spielern Hilfestellung an, beschäftigt aber im Profibereich keinen Psychologen.

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