Hakimi oder Schmelzer? Der Platz hinten links ist heiß umkämpft beim BVB

rnBorussia Dortmund

Kaum eine Position ist beim BVB umkämpfter als die des Linksverteidigers. Welche Argumente hat Marcel Schmelzer auf seiner Seite – und welche Achraf Hakimi?

Dortmund

, 18.01.2019 / Lesedauer: 4 min

Mit Nachdruck und sogar artfremd mit Testspiel-Toren in letzter Minute haben sich beide Kontrahenten in Stellung gebracht. Bei kaum einer Position ist der Kampf um einen Startelf-Platz bei Borussia Dortmund so offen wie bei den Linksverteidigern. Platzhirsch Marcel Schmelzer (30) oder Topsprinter Achraf Hakimi (20), nur einen wird Trainer Lucien Favre aufstellen am Samstag beim Rückrunden-Auftakt bei RB Leipzig (18.30 Uhr). Wer von den zwei Kandidaten hat welche Argumente auf seiner Seite?

Hakimi oder Schmelzer? Der Platz hinten links ist heiß umkämpft beim BVB

Marcel Schmelzer erzielte gegen Düsseldorf das Tor zum 3:2. © Guido Kirchner

Ein kleines Grinsen konnte sich Marcel Schmelzer nicht verkneifen in Marbella. In letzter Sekunde hatte er gerade das 3:2 für den BVB erzielt im Test gegen Fortuna Düsseldorf, ein Abstauber-Tor, aber immerhin. Sein Treffer brachte den Sieg, Ruhe und eine Extraportion Selbstvertrauen: Ein paar „dumme Sprüche“ von Düsseldorfer Seite hatten ihn zusätzlich angestachelt, berichtete Schmelzer danach. Eine neue Rolle, künftig als Torjäger? „Das“, meinte der Routinier selber, „das war eine Ausnahme.“

Defensive oder offensive Variante?

Ein wesentlicher Unterschied zwischen den andersartigen linken Typen besteht tatsächlich in ihrer mehr und weniger ausgeprägten Lust auf Offensive und Defensive. Schmelzer versteht sich als Verteidiger, Sicherheit und Stabilität stehen für ihn an vorderer Stelle. Das Gegenbeispiel dazu lieferte Hakimi im Testspiel gegen Willem II Tilburg: Bis zur Pause entblößte er zweimal seine Außenbahn, die Niederländer erzielten zwei Tore nach Kontern über diese Seite. Nach dem Seitenwechsel drehte der drahtige Spanier mit marokkanischen Wurzeln auf, zog einen Sprint nach dem anderen an und belohnte sich, nachdem er mit Distanzschüssen knapp gescheitert war, mit einem blitzsauberen direkten Freistoßtor.

Hakimi oder Schmelzer? Der Platz hinten links ist heiß umkämpft beim BVB

Achraf Hakimi traf gegen Willem II Tilburg per Freistoß. © Guido Kirchner

In Sicherheit wiegen oder mehr Risiko wagen, Routine und Ruhe oder Tempo und Tatendrang? Schmelzer oder Hakimi? Favre lässt sich wie gewohnt nicht in die Karten schauen. Man werde sehen, wer im Kader stehe, vermied er eine Antwort auf die Frage, welcher seiner Außenposten in seiner Gunst weiter vorne stehe. „Hakimi, Diallo, Schmelzer, Guerreiro auch, wir haben mehrere Lösungen“, sagte er und blies damit zusätzlichen Nebel auf die Bühne. Wer dort am Samstagabend auf der linken Seite auftritt, bleibt bis dahin ein Geheimnis.

Für Hakimi spricht sein Tatendrang

Für Hakimi spricht sein unbestritten größerer Drang nach Sturm. In den Szenen, in denen Schmelzer den Angriff abbricht und kontrolliert den Spielaufbau verlagert, kennt der kürzlich als bester Nachwuchsspieler Afrikas ausgezeichnete Hakimi nur einen Weg: den nach vorne. Entweder per Passspiel ins Zentrum oder mit Hochgeschwindigkeit über die Flügel – Hakimi ist mit 35,1 km/h geblitzt worden und damit schnellster Sprinter der Bundesliga, und beim BVB kommt nur Dominator Axel Witsel auf mehr Ballaktionen.

Hakimi oder Schmelzer? Der Platz hinten links ist heiß umkämpft beim BVB

Die Duellanten im direkten Vergleich: Achraf Hakimi (r.) punktet gegenüber Marcel Schmelzer vor allem mit seiner Offensivstärke. Spielt Schmelzer, kassiert der BVB deutlich weniger Gegentore. © Grafik: Hasken / Daten: Deltatre

Die Statistik der Hinrunde weist für Hakimi gegenüber Schmelzer bei doppelt so viel Spielzeit viermal mehr Vorlagen und Torschüsse aus. Mit ihm, der gerne aus der Tiefe vorstößt, ist der BVB im Angriff noch unberechenbarer und gefährlicher. Gleichwohl verdreifacht sich auch die Anzahl der Gegentore, wenn statt Schmelzer Hakimi auf dem Platz steht. Das muss nicht zwingend in Korrelation stehen, doch verwundern kann diese Zahl auch nicht. Dortmunds Nummer 5, zehn Jahre und 237 Ligaspiele jünger, verteidigt etwas „luftiger“. Stellungsspiel, Positionsdisziplin, Zweikampfstärke – da wird Hakimi, bis Sommer 2020 von Real Madrid ausgeliehen, zulegen müssen in seiner Lehrzeit unter Lucien Favre.

Schmelzers Vorteil ist die Routine

Marcel Schmelzer kennt das alles. Er hat so viele Höhen und Tiefen erlebt beim BVB, mit der Mannschaft und individuell, dass ihn nur noch wenig in Unruhe versetzt. Mit Ausnahme vielleicht des Vorjahres, in dem er nach eigener Einschätzung „vielleicht die schlechteste Saison, die ich jemals beim BVB hatte“ hinlegte. Das hatte seinen Ursprung auch in zwei Bänderverletzungen und muskulären Problemen, nach denen sich der damalige Kapitän selbstlos wieder in den Dienst stellte und dennoch als Sündenbock ausgemacht wurde. Das will er, seit 2005 im Klub, unbedingt geradebiegen.

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Gleich an den ersten Spieltagen im August und September, nach problemloser Vorbereitung, trumpfte Schmelzer formstark auf, zum Beispiel mit einer perfekten Flanke, die im Hinspiel gegen RB Leipzig zum 1:1 führte. Doch nach fünf Spieltagen bremste ihn ein Knochenödem, eine nervige und hartnäckige Verletzung. Erst im Dezember konnte er endlich sein Comeback feiern und jetzt in der Vorbereitung ohne Einschränkungen trainieren.

„Wir werden gegen Leipzig direkt voll da sein müssen“, sagt Schmelzer. Ob er oder Hakimi bei der Wiederaufnahme beginnen darf, wusste er da auch noch nicht.

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