Schwarzgelbes A bis Z: Teil 4 - Latteks Mercedes und kreative Choreos

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Borussia Dortmund liefert für jeden Buchstaben des Alphabets mindestens eine Geschichte. Wir haben die besten rausgesucht: Hier kommt das schwarzgelbe A bis Z - ein Muss für jeden BVB-Fan.

von Sascha Staat

Dortmund

, 21.04.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 4 min

Borussia Dortmund, das ist für Millionen Fans weit mehr als ein Fußballklub. Es ist ein Herzensort für Geschichten, Anekdoten und Erlebnisse. Wir haben genau 26 davon aufgeschrieben - für jeden Buchstaben im Alphabet eine. Unser schwarzgelbes A bis Z, ein Muss für echte BVB-Fans.

TEIL 4: Latteks Mercedes und kreative Choreos

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U wie Udo. April 2000, Borussia Dortmund steckt unerwartet im Abstiegskampf. Ein Retter musste her und der Verein griff ganz tief in die Trickkiste. Udo Lattek übernahm, aber neben einem der erfolgreichsten Trainer aller Zeiten installierte der BVB noch Ex-Spieler Matthias Sammer. Die Rollen waren ziemlich klar verteilt. Lattek, mit all seiner Erfahrung als Motivationskünstler und im Umgang mit den Medien, sollte Druck vom Team nehmen. Sammers Aufgabe als Perfektionist und „Motzki“ vom Dienst war es vorbehalten, sich vor allem um die taktische Vorbereitung zu kümmern. Der Plan ging auf, am Ende landete Dortmund sogar noch auf dem elften Rang. Nach etwas mehr als fünf Wochen war Lattek wieder weg, Sammer übernahm dauerhaft. Für das kurze Engagement ließ sich der Trainerfuchs fürstlich entlohnen. Satte 500.000 DM musste der Verein damals auf den Tisch legen, unter anderem. Denn Lattek wusste genau, in welcher Not sich die Verantwortlichen befanden, und zögerte seine Zusage etwas hinaus. Als Schmankerl forderte er noch ein Auto wie das, was damals Gerd Niebaum fuhr, einen „dicken Mercedes, so wie der vom Präsidenten“. Der legte auch den Boliden noch drauf und Lattek war endgültig überzeugt, erledigte seinen Job und kehrte danach an den Fernsehstammtisch zurück.

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V wie Volksbad. Wer gerne im Freien schwimmt, der hat dazu in Dortmund nur eine Gelegenheit, es sei dann man ist besonders wagemutig und springt in den Dortmund-Ems-Kanal. Was hat das jetzt mit dem BVB zu tun? Nun, wer schon mal im Süden das Stadion betreten hat, der kennt es, das Volksbad. Nur ein kleiner Bruchteil der Fans wird dort jemals in Badehose oder Bikini durch die Eingangstür gegangen sein. Für viele der Stammzuschauer ist es aber der regelmäßige Treffpunkt vor und nach den Spielen der Borussia. Im Innenraum wird dann frisches Bier gezapft, gegrillt und die Gulaschkanone angeworfen. Auch wenn es für viele mittlerweile dazu gehört, stellt es in gewissem Maße auch ein Ärgernis da. Denn wenn die Maßen in Richtung Tribünen strömen, wird es am Eingang Süd gerne mal enger. Aber ein Ausbau ist nicht möglich, denn das Volksbad steht im wahrsten Sinne des Wortes im Weg. Daran wird sich auch nie etwas ändern, denn 2007 wurde es als Baudenkmal in die Denkmalliste der Stadt Dortmund eingetragen. Es besteht also kein Grund zur Sorge, dass man auch in Zukunft im Schatten des markanten Sprungturms auf schwarzgelbe Siege anstoßen kann.

Das Dortmunder Volksbad.

Das Dortmunder Volksbad. © picture alliance / Ina Fassbende

W wie Weiße Wiese. Westfalenstadion wäre hier die einfach Wahl gewesen, alternativ natürlich Weidenfeller. Aber die Geschichten sind allseits bekannt, zumindest die meisten. Aber die der „Weißen Wiese“? Denn bevor der BVB im Signal Iduna Park bzw. dem Westfalenstadion spielte, kickte er noch woanders. Die „Rote Erde“, sie kennt jeder. Logisch, sie steht heute noch hinter direkt hinter der Osttribüne und ist unter anderem die Heimat der Amateure. Im Schatten der Superstars streben die Talente nach der großen Karriere. Aber auch die „Rote Erde“ hatte einen Vorgänger, die sogenannte „Weiße Wiese“. Die befand sich in unmittelbarer Nähe des Borsigplatzes und der Industrieanlagen der Hoesch-Hüttenwerke im Dortmunder Norden, ursprünglich noch mit Laufbahn und Sprungrube. Zu seinem Namen kam der Platz der Legende nach durch die von angrenzenden Pappeln im Frühjahr abgeworfenen weißen Blüten, die das Spielfeld in eine „Weiße Wiese“ verwandelten.

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X wie x Mal. Ja, es ist die leichteste Lösung. Denn Borussen die auf den Namen Xaver hören, die gab es bislang nicht. Der legendäre Eishockey-Trainer Xaver Unsinn war auch nicht als BVB-Fan bekannt. Also muss man sich etwas einfallen lassen. Denn x Mal versuchten es die Dortmunder in den letzten Jahren leider vergeblich Punkte aus München zu entführen. Über die nackten Zahlen der Bilanz hüllen wir mal lieber den Mantel des Schweigens. Denn auch wenn man gegen die Bayern zuletzt oft alt aussah, konnte insgesamt ziemlich geglänzt werden. Die Leistungen der Schwarzgelben, besonders seit Beginn der 90er Jahre, hat den BVB mittlerwiele auf den zweiten Platz der ewigen Tabelle gespielt. Dort rangiert die Borussia mittlerweile vor Werder Bremen und dem Hamburger SV direkt hinter dem Rekordmeister. Wobei direkt ein wenig übertrieben ist. Nur eine Streichung aus den Geschichtsbüchern könnte dafür sorgend, dass der Sprung auf Rang eins möglich wäre. Aber lieber emotionaler und leidenschaftlicher Zweiter, als kalter und berechnender Erster.

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Y wie Ypsilon. Bei diesem Buchstaben muss man wirklich kreativ sein. Mindestens so kreativ wie die Fans, die regelmäßig mit spektakulären Choreografien dafür sorgen, dass man im Stadion oder vor dem Fernseher Gänsehaut bekommt. Wer erinnert sich nicht gerne an das, was zum Beispiel in den letzten Monaten zu sehen war? In der Champions League gegen Paris Saint-Germain wurde auf den Tribünen Spektakel pur geboten, mit einer Darbietung, die sich fast über Dreiviertel des Stadions erstreckte. Zum ersten Mal gab es eine große Choreografie am 19. Dezember 1999 beim Spiel gegen Hertha BSC zu sehen. Mittlerweile bezahlen die organisierten Fans dafür selbst und stecken sehr viele Stunden an Arbeit in jedes kleine Detail. Der organisatorische Aufwand ist nicht zu unterschätzen, die Kosten enorm. Umso schöner, dass die letzte Spendenaktion ein unglaublicher Erfolg war und genug Geld für die nächsten Choreografien zur Verfügung steht. Die nächste, sie wird ganz sicher eine für die Ewigkeit.

Die Choreos der BVB-Fans sind ziemlich kreativ.

Die Choreos der BVB-Fans sind ziemlich kreativ. © picture alliance/dpa

Z wie Zimmermann. Bitte, nicht Z wie Zorc, ist das überhaupt erlaubt? Natürlich, zumal der Großteil der Fans bestimmt weiß, warum Zorc „Susi“ genannt wird. Aber was hat Zimmermann mit dem BVB zu tun? Bei Zimmermann handelt es sich um Herbert Zimmermann, der mit seinem Kommentar das „Wunder von Bern“ begleitete. „Aus dem Hintergrund müsste Rahn schießen. Rahn schießt, Tor, Tor, Tor, Tor!“ Fast jedem, der sich in Deutschland ein wenig intensiver mit Fußball beschäftigt, sind diese Worte ein Begriff. Der legendäre Reporter begleitete aber nicht nur das Endspiel der Fußball-WM von 1954 zwischen Deutschland und Ungarn, als die DFB-Elf zum ersten Mal Weltmeister wurde. Premieren waren anscheinend Zimmermanns Sache. Dementsprechend war das Finale in der Schweiz nicht sein einziger Einsatz bei wichtigen Sportereignissen. Zimmermann kommentierte auch den ersten deutschen Sieg im Europapokal. Als der BVB 1966 im Pokalsieger-Wettbewerb in Glasgow auf den ruhmreichen FC Liverpool traf, saß nämlich er am Mikrofon. Zwar flankte damals nicht Schäfer nach innen, aber die Borussia triumphierte mit 2:1 nach Verlängerung und während die Spieler die Trophäe in den schottischen Abendhimmel reckten und damit Historisches vollbrachten, lauschten die Fans in der Heimat dem Reporter (und Experten für Premieren) am Radio.

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