Sebastian Kehl über die BVB-Pleite in Bremen: Wir haben es hergeschenkt

rnBorussia Dortmund

Der BVB muss nach dem Pokal-Aus in Bremen aufpassen, dass die Leistungskurve nicht weiter nach unten zeigt. Michael Zorc und Sebastian Kehl üben deutliche Kritik.

Dortmund

, 06.02.2020, 07:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Michael Zorc hatte offenbar geahnt, dass eine eindringliche Warnung genau jetzt nötig war. Vor dem Anpfiff des Pokal-Achtelfinals in Bremen hatte Borussia Dortmunds Sportdirektor vor laufenden Kameras die Gefahr aufgezeigt, dass „die ganze Welt erwartet, dass wir klar weiterkommen“. Und dass der Mannschaft die Schwere der Aufgabe bewusst sein müsse.

BVB ist weit von einer leidenschaftlichen Pokal-Leistung entfernt

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Doch längst nicht jeder Profi aus eben dieser Mannschaft hatte Zorc zugehört. Denn was der Sportdirektor und die entsetzten BVB-Fans dann beim 2:3 im Weserstadion zu sehen bekamen, war extrem weit von einer leidenschaftlichen Pokal-Leistung entfernt.

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„Wir haben Bremen aufgebaut, haben viel zu langsam den Ball laufen lassen, viel zu bequem agiert. Und wir haben die Zweikämpfe nicht konsequent angenommen“, analysierte Zorc merklich angesäuert. Dass es sich um ein Alles-oder-Nichts-Spiel gehandelt habe, „hat man leider unserer Mannschaft nicht angemerkt. Wir sind erst nach dem Rückstand aufgewacht. Und das war zu spät.“

Borussia Dortmund ist viel zu früh aus dem Pokal ausgeschieden

Dreimal hintereinander musste Borussia Dortmund nun frühzeitig die eigenen Ambitionen im DFB-Pokal begraben. Wie in den Jahren zuvor schied der BVB bereits im Achtelfinale aus. Viel zu früh für einen Kader mit dieser Qualität. „Wir wollten natürlich möglichst weit kommen. Am liebsten bis ins Finale nach Berlin. Aber das haben wir uns selbst verbaut“, sagte Zorc im Gespräch mit dieser Redaktion und schob hinterher: „Das ist sehr, sehr ärgerlich. Denn es war eine Niederlage, die du nicht reparieren kannst.“

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Kommentar: Der BVB tappt in die Werder-Falle

Auch Sebastian Kehl suchte nicht nach Alibis. „Wir haben es hergeschenkt“, bilanzierte der Leiter der Lizenzspieler, „wir sind das Spiel nicht so angegangen, wie es nötig gewesen wäre. Diesen Vorwurf müssen wir uns gefallen lassen. Wir hätten Bremen stärker fordern müssen.“

Der BVB lässt sich von Werder Bremen zu Fehlern zwingen

Anstatt das im Abstiegskampf der Bundesliga feststeckende und verunsicherte Werder unter Druck zu setzen, ließen sich die Borussen von Bremen zu Fehlern zwingen. Eklatante Patzer wie Achraf Hakimis Pass in die Füße von Bremens Marco Friedl vor dem 1:0 spielten den Gastgebern in die Karten.

„Wir haben fast alle Zweikämpfe verloren.“
Lucien Favre

Mehr noch: Jeder Konter der Grünweißen beschwor Gefahr in der schwarzgelben Deckung herauf, die erneut Tempo-Defizite aufwies. Und das eigene Offensivspiel lahmte, kam erst auf Touren, als die zwei eingewechselten Teenager Erling Haaland (19) und Giovanni Reyna (17) den Rest des Teams dank ihrer Gier, Unbekümmertheit und Spiellust aufweckten.

Stimmung beim BVB sackt in den Keller

Doch das langte am Dienstagabend nicht. Verdient endete für den BVB die Pokal-Kampagne in Bremen. Und die Stimmung, die nach den jüngsten drei teils spektakulären Liga-Triumphen noch gekocht hatte, sank blitzschnell auf Frosttemperatur herab.

Kaum ein Spieler wollte nach dem Schlusspfiff sprechen, mit gesenkten Köpfen trotteten die Profis in die Gästekabine des Weserstadions, während aus der Werder-Umkleide nebenan laute Siegesgesänge hinüberschallten. „Wir haben es Bremen leicht gemacht, aggressiv zu verteidigen und das Publikum mitzunehmen“, erklärte Mats Hummels. Auch der Abwehrchef erwischte nicht seinen besten Abend und sah besonders vor dem dritten Bremer Tor im Laufduell mit Torschütze Milot Rashica schlecht aus.

BVB-Coach Favre von der Leistung gegen Bremen enttäuscht

Einer von etlichen Momenten an diesem denkwürdigen Pokalabend, die auch dem BVB-Cheftrainer missfielen. „Das war sehr enttäuschend, wir haben fast alle Zweikämpfe verloren und hatten zu wenig Bewegung“, resümierte Lucien Favre mit ernster Miene.

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Was muss der Trainer nun zum Topspiel in Leverkusen am Samstagabend verändern? Neuzugang Emre Can dürfte eine Option für die Startelf sein, vor allem wenn es darum geht, mehr Biss und Konsequenz in die eigenen Aktionen zu bringen. Und Erling Haaland von Beginn an im Sturmzentrum könnte helfen, Leverkusens Abwehr durcheinander zu bringen. Favre muss es aber bis dahin vor allem gelingen, die Pokal-Enttäuschung durch eine riesige Lust auf die Meisterschaft abzulösen.

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