Slavia-Trainer Trpisovsky ist BVB-Fan, verehrt Jürgen Klopp und hofft auf Rang drei

rnChampions League

Slavia Prag ist in der Champions-League-Gruppe von Borussia Dortmund Außenseiter. Trainer Jindrich Trpisovsky spricht im Interview über seine BVB-Leidenschaft und Jürgen Klopp als Vorbild.

von Vit Chalupa

Prag

, 01.10.2019, 15:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Herr Trpisovsky, bei Ihrer Champions-League-Premiere als Trainer haben Sie mit Slavia einen Punkt bei Inter Mailand geholt. Zufrieden?
Nein, wir waren enttäuscht, nach dem Spiel wollte sich keine Freude einstellen. Ich habe schlecht geschlafen. Viele Leute haben mir gesagt, dass ein 1:1 bei Inter ein super Ergebnis sei. Vor dem Spiel vielleicht, aber wenn man den Ausgleich in der Nachspielzeit bekommt, muss man traurig sein. Wann werden wir wieder die Chance haben, in San Siro zu gewinnen?


Was ging Ihnen durch den Kopf?

Es war, als wenn ein Teil von mir stirbt. Aber als Trainer musste ich die Mannschaft wieder aufwecken, es ging ja noch sechs Minuten weiter. Es war, als beginne ein neues Spiel. Alles war vergessen und meine einzige Idee war, nicht das zweite Tor kassieren.


Wie bewerten Sie die Champions-League-Gruppe mit Dortmund, Barcelona und Inter?

Super, das ist wie Weihnachten mit drei tollen Geschenken. Es könnte nicht besser sein. Wobei, doch: mit dem FC Liverpool und Jürgen Klopp. Klar, Spieler und Fans sagen, es sei eine Todesgruppe - aber so ist es bei uns doch immer.

So haben wir drei wunderbare Traditionsklubs zugelost bekommen, drei super Stadien, viel individuelle Klasse. Nur in der Champions League treffen wir auf die Besten der Besten. Und darum geht es, gegen diese Top-Teams zu spielen.

Slavia-Trainer Trpisovsky ist BVB-Fan, verehrt Jürgen Klopp und hofft auf Rang drei

Beim 1:1 gegen Inter Mailand schrammte Slavia nur ganz knapp an der Sensation vorbei. © imago

Wäre Ihnen trotzdem eine andere Gruppe lieber gewesen?

Ich habe auch schon gehört, dass wir dafür kritisiert wurden, weil wir mit dieser Gruppe zufrieden sind. Das ist aber nicht mein Ansatz. Nur diese Spiele bringen uns nach vorne. Ich glaube, dass wir um den dritten Platz spielen werden.

Der Kader des BVB ist ungefähr 17 Mal so viel wert wie der von Slavia ...

Da lachen wir in der Kabine drüber. Es ist schon großartig, was wir erreicht haben. Mit unserem Budget, mit diesen Spielern in die Gruppenphase der Champions League vorzustoßen. Aber jetzt geht es darum, dass wir auf dem Rasen alles geben. Wenn wir das nicht tun und zu viel Respekt haben, werden wir vom Gegner überrollt.

Wie wollen Sie verhindern, dass das am Mittwoch in Prag passiert?

Alle Spieler müssen wie in Mailand über ihre Leistungsgrenze gehen. Ohne Angst, ohne Respekt, mit Selbstbewusstsein. In Mailand waren wir die bessere Mannschaft. Nach dem 1:0 wollten wir den zweiten Treffer erzielen, hatten mehrere große Chancen. So wollen wir uns auch gegen Dortmund präsentieren.

Es ist bekannt, dass Borussia Dortmund Ihr Lieblingsverein ist. Wie lange schon?

Sehr lange. Als ich jung war, gefielen mir die gelbschwarzen Trikots mit großem „C“ (Continentale Versicherung, Anm. d. Red). Ein großer Fan wurde ich beim Champions-League-Finale 1997. Ich habe immer noch das Tor von Lars Ricken im Kopf und die Namen Zorc, Riedle, Reuter oder Sammer. Die Mannschaft war so gut und das Spiel von Trainer Ottmar Hitzfeld fast perfekt.

Jetzt lesen

Waren Sie schon einmal in Dortmund, um Fußball zu schauen?

Nein, noch nie. Aber es ist weiterhin mein großer Traum. Früher hatte ich kein Geld, später keine Zeit.

Aber jetzt dauert es nicht mehr lange ...

Darüber freue ich mich riesig. Endlich bin ich im Dortmunder Stadion - und kriege auch noch Geld dafür. (lacht)

Zunächst steht aber das Heimspiel für Slavia auf dem Programm. Ihre Erwartungen?

Wir wollen das Spiel natürlich gewinnen. Das wird für uns einfacher als in Dortmund. In unserem Stadion in Prag werden wir von fast 18.000 Zuschauern unterstützt. Der Sieg im eigenen Stadion wäre für mich viel schöner - das bliebe im Kopf für die Ewigkeit.

Was wissen Sie über die Mannschaft von Borussia Dortmund?

Fast alles. Ich habe viele Spiele gesehen. Ich hoffe, dass wir gut vorbereitet sind. Aber klar ist, dass die höhere Qualität beim BVB liegt. Aber wir haben keine Angst, das haben wir schon in Mailand gezeigt. Romelu Lukaku (Inter-Stürmer, Anm. d. Red.) hatte keine Chance. Er ist so teuer wie ein dreijähriges Budget von Slavia und sein Tagesgehalt wie von unserer ganzen Kabine. (lacht)

Slavia-Trainer Trpisovsky ist BVB-Fan, verehrt Jürgen Klopp und hofft auf Rang drei

Slavia-Trainer Jindrich Trpisovsky sagt: „Ich verheimliche nicht, dass Jürgen Klopp mein Vorbild ist.“ © imago

Sie tragen beim Spiel Mütze, Jogginghose und rasieren sich nicht. Eine zufällige Ähnlichkeit zum ehemaligen BVB-Trainer Jürgen Klopp?

(lacht) Ich denke nicht - aber ihm steht der Bart, mir nicht. Die Mütze habe ich aber schon früher getragen als er. Ich verheimliche nicht, dass Jürgen Klopp mein Vorbild ist. Als ich ihn zum ersten Mal gesehen habe, war ich begeistert.

Ein Trainer mit Mütze und Jogginghose an der Linie, super. Und er war so natürlich und hat so gut mit den jungen, unbekannten Spielern gearbeitet. Seitdem habe ich ihn viel beobachtet, vom Anfang seiner Zeit in Dortmund. Damals brachte er einen neuen Stil in den Fußball. Viel Pressing, viel Laufen.

Ich erinnere mich an die beiden Meisterspielzeiten unter ihm: Es gab keine Chance für München, die Dortmunder ließen die Bayern nicht mit dem Ball spielen. Das war der Fußball, den ich spielen wollte. Mir gefällt, dass alle Spieler sich für die Mannschaft geopfert haben. Da habe ich mir selbst gesagt: Der ist ein guter Trainer, der versteht, was Fußball bedeutet. So muss ich auch sein und mit den Spielern umgehen.

Und wenn Sie Ihr Vorbild einmal treffen würden?

Das wäre für mich etwa so, als wenn die Marsmenschen kommen.

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt