So groß sind die Schäden für Vereine und Hersteller

Gefälschte Trikots

Nächste Woche geht der Trikot-Wahnsinn wieder los. Der BVB stellt sein Bundesliga-Trikot für die Saison 2015/16 vor. Auch an anderen Orten der Welt wird das Design mit Spannung erwartet - um es zu fälschen und für einen Bruchteil des Originalpreises zu verkaufen. Den Vereinen und Herstellern entstehen dadurch massive Schäden.

Dortmund

, 27.06.2015, 06:09 Uhr / Lesedauer: 2 min
So groß sind die Schäden für Vereine und Hersteller

Der Handel mit Plagiaten verursacht hohen Schaden. Im Bereich des Hauptzollamtes Dortmund wurden Waren in einem Originalwert von 2,9 Mio. Euro sichergestellt. Hier ein gefälschtes BVB-Trikot.

Im ersten Teil unserer Reportage "Falsche Fans" ging es um gefälschte Trikots und woraus sie bestehen. Der zweite Teil dreht sich nun um die wirtschaftlichen Schäden für Vereine und Hersteller.

Rekordjahr beim Zoll: 13.262 gefälschte Trikots fanden die Beamten 2014 bei ihren Kontrollen - deutlich mehr als in den Jahren zuvor. In WM-Jahren boomt das Geschäft mit Sportbekleidung noch mehr als sonst. Viele Fans wollen dann Trikots haben, die sie sonst nicht tragen. Das aktuelle der deutschen Nationalmannschaft, das brasilianische oder italienische Trikot, vielleicht auch das des Außenseiters aus Togo oder Costa Rica.

Der billige Fernost-Import

Event-Bekleidung für einige Wochen, für einen Sommer. Und dafür 75 oder 85 Euro ausgeben? Das sehen viele nicht ein. Da tut es offenbar auch der billigere Fernost-Import.

Tausende gefälschte Trikots bedeuten einen Schaden für die Hersteller - soviel ist klar. Aber wie groß der Schaden ist, bleibt ein Geheimnis. Eine konkrete Zahl wird nicht veröffentlicht. Puma etwa nennt auf unsere Anfrage keine Zahlen, spricht nur von einem "erheblichen wirtschaftlichen Schaden für unser Unternehmen".

Das Problem habe mehrere Ebenen:

  • Erstens leide das Image der Marke, "da die Fälschungen nicht unseren Qualitätsansprüchen entsprechen".
  • Zweitens sei da der finanzielle Schaden, weil die Kunden die Fälschungen kauften und nicht die Originale.
  • Und drittens sei da noch der "administrative Aufwand": Puma gehe nun einmal rechtlich gegen die Fälscher vor - und auch das koste.

Bei Borussia Dortmund schätzt man, dass die Tausenden gefundenen Trikots nur "die Spitze des Eisbergs" seien. "Die Dunkelziffer dürfte deutlich größer sein", so BVB-Pressesprecher Sascha Fligge. "Gemessen an den Verkaufspreisen" entstehe Borussia Dortmund ein wirtschaftlicher Schaden in Höhe von mehreren Hunderttausend Euro.

56.000 Sportschuhpaare gestoppt

Es geht Herstellern, Klubs und Zollbeamten nicht nur um gefälschte Trikots, sondern auch um Trainingsanzüge, Shorts, Sportschuhe. 44.000 beschlagnahmte Kleidungsstücke wies die offizielle Zoll-Statistik für das Jahr 2013 aus. Rund 30 Prozent davon fielen in die Rubrik "Sportbekleidung".

Gleichzeitig stoppte der Zoll den Import von 56.000 Sportschuhpaaren. Die sind nach Ansicht von Verbraucherschützern noch gefährlicher als die falschen Trikots. Nicht nur, dass sie voller giftiger Stoffe stecken können. Wer Sport treibt in Schuhen mit zu harten oder zu weichen Sohlen, läuft Gefahr, sich ernsthafte Verletzungen zuzuziehen.

50 Milliarden Euro Schaden?

Doch zurück zum Trikot und zur Frage, wie groß der Schaden für die Firmen ist. Der gesamte illegale Handel mit gefälschten Waren kostete allein in Deutschland 70.000 Arbeitsplätze. Das ist zumindest die Schätzung des Aktionskreises gegen Produkt- und Markenpiraterie, zu dem auch Adidas und Puma gehören. Der genaue volkswirtschaftliche Schaden durch Produkt- und Markenpiraterie lässt sich nur schwer beziffern. Experten gehen nach neuesten Schätzungen mittlerweile von einem jährlichen Schaden von bis zu 50 Milliarden Euro für Deutschland aus.

Der BVB unterstreicht, dass die Zusammenarbeit mit dem Zoll nur ein Weg ist, gegen Fälscher vorzugehen. Der andere - und vermutlich deutlich teurere: Der Klub arbeitet mit einer Anwaltskanzlei zusammen, die das Internet nach Verstößen durchforstet. Wer gefälschte BVB-Trikots auf Plattformen wie eBay anbietet, läuft Gefahr, eine "strafbewehrte Unterlassungserklärung" zu erhalten. Soll heißen: Beim nächsten Verstoß muss der Fälscher direkt zahlen.

Und das schockt die Fälscher? Nun ja. Der Klub gibt zu: Einigen professionellen Händlern komme man "aufgrund ihrer rechtlichen Konstrukte im Ausland" nicht bei.

Dieser Text ist Teil unserer Multimedia-Reportage "Falsche Fans - das Geschäft mit gefälschten Fußball-Trikots". Die komplette Reportage lesen Sie hier:

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