So plant der BVB mit den hoffnungsvollen Talenten Sergio Gomez und Leonardo Balerdi

rnBorussia Dortmund

Einige hoffnungsvolle Talente stehen im BVB-Kader. Doch der Weg zu Einsatzzeiten ist für Sergio Gomez und Leonardo Balerdi steinig. Zumindest für Gomez könnte eine Ausleihe Abhilfe schaffen.

Dortmund

, 07.08.2019, 06:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Welcher Spieler kann schon von sich behaupten, mit einem Vereinswechsel in jungen Jahren beim abgebenden Klub eine Art Erdbeben auszulösen. Bei Sergio Gomez soll das so gewesen sein, als er sich im Januar 2018 überraschend Borussia Dortmund anschloss – und den großen FC Barcelona im Stich ließ, für den er seit seinem neunten Lebensjahr gespielt hatte.

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Die spanische Tageszeitung „Sport“ berichtete daraufhin von der großen Aufregung beim stolzen Traditionsklub. Und einer drastischen Konsequenz: Die Katalanen würden, schrieb das Blatt, den Etat für die berühmte Ausbildungsakademie „La Masia“ gleich um 160 Prozent erhöhen.

Gomez hat beim BVB noch nicht viel zeigen können

Die sehr simple Rechnung: Mehr Geld für die Förderung, mehr Geld auch für die Spieler - weniger Gefahr, weitere vielversprechende Talente zu verlieren. Borussia Dortmund sicherte sich die Dienste von Gomez zu einem Spottpreis – rund drei Millionen Euro nur sollen nach Barcelona geflossen sein. Ein später Versuch der in ihrem Stolz gekränkten Spanier, den Transfer zu stoppen, scheiterte. Gomez ließ einen Termin für ein Gespräch einfach verstreichen.

„Wir müssen in all diesen Fällen individuell schauen, was für die Spieler das Beste ist.“
Michael Zorc

20 Monate später. Eine Beurteilung, ob sich dieser Transfer gelohnt hat – für den Spieler und den BVB -, fällt nicht leicht. Gomez ist jüngst als U19-Europameister nach Dortmund zurückgekehrt und setzte damit seine Erfolgsserie in den spanischen Nachwuchs-Auswahlmannschaften fort. Europameister wurde er zwei Jahre zuvor auch schon mit der U17 Spaniens, kurz vor seinem Wechsel zum BVB wurde er zum zweitbesten Spieler der U17-Weltmeisterschaft gewählt. Spanien verlor dort das Finale gegen England, Gomez erzielte bei diesem Turnier vier Treffer. Einen mehr übrigens als ein gewisser Jadon Sancho.

Gomez steigt ohne Pause in die Vorbereitung ein

Dennoch hat Sancho nach seinem Wechsel zur Borussia eine ganz andere Entwicklung genommen. Gomez hat, immer noch voller Adrenalin, nach dem Triumph bei der U19-EM auf Urlaub verzichtet, ist direkt nach Bad Ragaz gereist und in die Vorbereitung eingestiegen. Es ist vielleicht als Signal von ihm zu verstehen, dass er es wissen will in der neuen Saison. Vielleicht aber auch, dass er im Rhythmus bleiben will, um bei einem eventuellen Leihgeschäft fit bei einem neuen Klub durchzustarten.

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Denn Gomez muss für sich klären, wie sein nächster Karriereschritt aussehen soll. Von seinen Qualitäten ist Michael Zorc, der Gomez nach seiner Verpflichtung für Zorc-Verhältnisse fast überschwänglich als „weltweit einen der stärksten Spieler seines Jahrgangs“ bezeichnete, immer noch überzeugt. Dennoch sagt der Dortmunder Sportdirektor: „Wir müssen in all diesen Fällen individuell schauen, was für die Spieler das Beste ist.“

Toprak-Wechsel könnte die Situation bei Balerdi verändern

Neben Gomez zählt eigentlich auch Leonardo Balerdi zu den Spielern im Dortmunder Kader, die als Kandidaten für eine Leihe in Frage kommen. Eigentlich, weil ein möglicher Wechsel von Ömer Toprak zu Werder Bremen die Situation komplett verändern würde.

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Balerdi kam im Januar dieses Jahres von den Boca Juniors und durfte sich sechs Monate lang eingewöhnen in der neuen Umgebung. Seit Vorbereitungsstart zählt er fest zum Kader der Profis, doch die Zahl der Konkurrenten, die noch vor ihm stehen, ist wie bei Gomez groß.

Gomez kommt auf sieben Bundesliga-Minuten

Gomez hat in den 20 Monaten Dortmund sieben Minuten Bundesliga-Luft atmen können, verteilt auf zwei Einsätze in der Rückrunde der vorvergangenen Saison unter Trainer Peter Stöger. Eine Champions-League-Minute kam unter Lucien Favre beim 2:0 in Monaco in der abgelaufenen Spielzeit hinzu. Nur einmal, beim 3:2 in Berlin im Februar, zählte er zum Bundesliga-Aufgebot der Borussia.

So plant der BVB mit den hoffnungsvollen Talenten Sergio Gomez und Leonardo Balerdi

Leonardo Balerdi überzeugte in der Vorbereitung, eine Ausleihe schloss Michael Zorc zuletzt aus. © Kirchner-Media

Praxis für die U19-EM holte er sich vornehmlich in der U23-Regionalligamannschaft. 14 Einsätze absolvierte er da, doch das wird ihm für die nahe Zukunft als Perspektive nicht reichen. Die starke Konkurrenz, die sich durch die Offensiv-Verpflichtungen der Borussia noch verschärft hat, müsste Sergio Gomez eigentlich zu einem Neustart veranlassen.

Balerdi wartet noch auf sein Profi-Debüt

Bei Balerdi ist der Fall noch ein wenig anders gelagert, auch wenn seine Perspektiven angesichts der weit vor ihm rangierenden Positions-Konkurrenten Hummels, Akanji, Zagadou, eventuell Toprak und sogar Weigl ebenfalls nicht gerade rosig sind. Er ist erst acht Monate in Dortmund und wartet noch auf sein Profi-Debüt in einem Pflichtspiel. Angesichts der Vielzahl der Spiele könnte schon ein verletzter oder außer Form spielender Innenverteidiger seine Position aber sofort verbessern.

Balerdi könnte sich auch durch weitere Einsätze in der U23 an Physis und Tempo im europäischen Fußball gewöhnen. Auch die nahe Zukunft von Tobias Raschl liegt zunächst in der U23. Für das wohl größte BVB-Nachwuchstalent, in der Vorbereitung schon mit einigen guten Ansätzen, schließt Sportdirektor Zorc eine Ausleihe für diesen Sommer aus.

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