So wichtig wie nie zuvor: Guerreiro spielt beim BVB befreit auf

rnBorussia Dortmund

Sein Abschied aus Dortmund schien besiegelt. Doch dann verlängerte Raphael Guerreiro beim BVB doch noch. Seither spielt er befreit auf. Und tritt auch noch als Torschütze in Erscheinung.

Dortmund

, 25.05.2020, 05:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Wie unterschiedlich sich die Dinge im Fußball entwickeln, dafür stehen bei Borussia Dortmund zwei Personalien aus dem vergangenen Sommer. Es war ein großes Thema vor gut einem Jahr, wie der BVB mit den im Sommer 2020 auslaufenden Verträgen von Mario Götze und Raphael Guerreiro umgeht.

Bei Götze schien eine Verlängerung nur eine Frage der Zeit zu sein. Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke erinnerte an die erfolgreiche gemeinsame Zeit, er verwies auch auf das über die Jahre gewachsene „große Vertrauensverhältnis zwischen dem Spieler und der Vereinsführung“. Doch eine Verlängerung gab es nicht, schließlich wurden die Verhandlungen abgebrochen. Und schon zu Beginn der Rückrunde dieser Spielzeit war klar, dass sich die Wege am Saisonende trennen würden.

Guerreiro verlängert beim BVB - zur allgemeinen Überraschung

Da hatte Guerreiro seinen Vertrag längst verlängert - zur allgemeinen Überraschung. Auch die Verhandlungen mit dem Portugiesen waren ins Stocken geraten, eine Rückkehr in die Heimat nach Frankreich, wo Guerreiro aufgewachsen war, stand im Raum. Ein Interesse von Paris St. Germain war mehr als ein Gerücht.

Jetzt lesen

Im Oktober aber, vor dem Heimspiel gegen Borussia Mönchengladbach, kam Sportdirektor Michael Zorc mit der guten Nachricht von einer „generellen Einigung“ mit Guerreiro um die Ecke. Er unterschrieb schließlich bis 2023 - und startete danach, befreit von allen ablenkenden Verhandlungen, so richtig durch.

Guerreiro ist ein besonders wertvolles Mitglied des BVB-Kaders

Guerreiros technische Fähigkeiten, gepaart mit einer großen Ruhe am Ball, die er auch in Drucksituationen nicht verliert, und sein gutes Auge gestatten der Borussia, viele Szenen spielerisch zu lösen. Sein Gespür für freie Mitspieler, seine Klasse, mit nur einem Kontakt Räume zu öffnen, macht Guerreiro in einem Kader voller Ausnahmespieler zu einem besonders wertvollen Mitglied. Und nach der Winterpause hat der 26-Jährige auch seinen Torriecher entdeckt.

So wichtig wie nie zuvor: Guerreiro spielt beim BVB befreit auf

© Deltatre

In Wolfsburg erzielte er das wichtige 1:0, weil er ahnte, dass der Querpass von Thorgan Hazard an den zweiten Pfosten durchrutschen könnte. Unbemerkt von allen Wolfsburgern hatte er sich in den freien Raum hinter Erling Haaland geschlichen - und als der Norweger beim Versuch, Hazards Vorarbeit zu veredeln, ein kapitales Luftloch schlug, war Guerreiro zur Stelle. Er „spüre Fußball“, meinte Lucien Favre nach dem Sieg in Wolfsburg, womit er wohl meint, dass Guerreiro einer dieser Instinktfußballer ist, die vieles richtig machen, ohne groß darüber nachzudenken.

Guerreiro erlebt beim BVB eine Renaissance als Linksverteidiger

Unter dem Schweizer Trainer hatte der Linksfuß eine Renaissance als Linksverteidiger erlebt, doch seit der Umstellung auf eine Dreierkette im Herbst kommt Guerreiro da zum Zuge, wo ihn auch Thomas Tuchel am liebsten sah - im linken Mittelfeld. Mit Defensivaufgaben, aber vor allem auch mit den Freiheiten, sich nach vorne einzuschalten. Nicht zufällig erzielten beide Außenbahnspieler in Wolfsburg einen Treffer. Guerreiro und Achraf Hakimi auf der anderen Seite haben das neue System für sich nahezu perfektioniert. Vor allem beim Portugiesen schlägt sich das auch in einer zuvor nicht gekannten Torgefahr nieder. Sechs Mal bereits hat Raphael Guerreiro nach der Winterpause getroffen.

Guerreiros langes Zögern vor der erlösenden Entscheidung, seine nähere Zukunft nun doch in einem schwarzgelben Fußball-Outfit zu verbringen, hinterließ trotz der skurrilen Umstände mit monatelang sich hinziehenden Verhandlungen keinen faden Beigeschmack. Guerreiro kommt zugute, dass er mit offenen Karten gespielt hat, dass er die Gespräche mit dem BVB beendet hat, als er die Chance sah, zurück nach Frankreich (Paris) oder Spanien (FC Barcelona) zu wechseln. Dass sich die Pläne nicht konkretisierten, veränderte dann die Situation.

BVB-Trainer Favre hat Guerreiro wieder in die Spur bekommen

Favre ist einer der größten Befürworter der Vertragsverlängerung, er hat den 26-Jährigen wieder in die Spur bekommen, nachdem sein zweites BVB-Jahr mit einer Knöcheloperation begann und von vielen muskulären Problemen während der Saison geprägt war. Seit auch Sebastian Kehl in seiner neuen Position als Lizenzspieler-Leiter den kleinen Dribbler daran erinnerte, dass zu einer professionellen Berufsauffassung auch eine entsprechende Ernährung gehört, sind die Muskelverletzungen weniger geworden. Guerreiro wirkt fitter. Und immer, wenn er fit war, war er sofort wieder wichtig für Borussia Dortmund. Aktuell ist er wohl so wichtig wie nie zuvor.

Lesen Sie jetzt