So wird Mourinho versuchen, den BVB zu knacken

Taktik-Vorschau

José Mourinho kann einem in diesen Tagen schon ein wenig leid tun. Nach einem Unentschieden und zwei Niederlagen gegen die Borussia aus Dortmund sieht er sich nun drei Toren gegenüber, die seine Mannschaft im Santiago Bernabeu aufholen muss. Dafür bräuchte es eine geniale taktische Meisterleistung oder sehr viel Dortmunder Pech. Vermutlich sogar beides.

MADRID

von Von Martin Rafelt

, 30.04.2013, 07:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
So wird Mourinho versuchen, den BVB zu knacken

Seine Künste sind gefragt: Real-Trainer José Mourinho.

 In den bisherigen Spielen erhöhte sich Reals Offensivgefahr, wenn sie auf eine Art Vierersturm umstellten und dann das schnelle Dribbling aus der Breite suchten. Letzte Woche konnten die Borussen dieses Mittel in den letzten 20 Minuten schon besser kontrollieren als im Gruppenrückspiel, allerdings immer noch nicht so richtig stabil. Von daher sollten sich die Dortmunder auf diesen Ansatz noch besser einstellen. Darüber hinaus hat Mourinho einige taktische Möglichkeiten, das Risiko und damit die Durchschlagskraft seiner Elf noch zu steigern. Die Außenverteidiger könnten höher spielen, ein defensiv ausgerichteter Spieler wie Khedira vielleicht ausgetauscht werden. Das könnte Dortmund über Konter bestrafen, allerdings: Von den acht Dortmunder Treffern gegen Madrid war noch keines ein klassisches Kontertor. Nur das 1:0 im Gruppenhinspiel entstand direkt aus Reals Ballbesitz, aber da reichte aufgrund des plumpen Fehlers ein einziger Pass um durchzubrechen. Nach Balleroberungen in der eigenen Hälfte bekam der BVB die Verteidiger von Madrid noch nicht wirksam ausgespielt.

Von daher sollte Klopps Elf im Rückspiel möglicherweise nicht zu sehr auf die defensive Stabilität vertrauen. Die naheliegende Strategie, den Vorsprung über die Zeit zu verteidigen und nach vorne nur Nadelstiche über Konter zu setzen, könnte Real in die Karten spielen. Stattdessen sollte der BVB auch bei eigenen Ballbesitzphasen weiterhin für spielerische Entlastung sorgen. So bekäme Real quantitativ weniger Angriffsmöglichkeiten und die Borussen könnten ihr Gegenpressing einbringen. Zwar wirkt dieses aggressive Nachsetzen nach Ballverlusten riskant, da der Gegner erst einmal eine Kontersituation mit viel Raum bekommt, aber der BVB beherrscht diese Disziplin so überragend, dass sie im Hinspiel einer der wichtigsten Faktoren für die defensive Stabilität war.

Dennoch kann dieser Punkt sich auch umkehren, wenn sich die Borussia überraschen lässt. Ronaldos Kontertor im Hinspiel der Gruppe war ein Hinweis, wie gefährlich Real im Umschaltspiel sein kann, sobald sich die Dortmunder Unaufmerksamkeiten in ihrer Positionierung erlauben. Möglicherweise hat Mourinho noch eine Idee in der Hinterhand, wie sein Team solche Situationen mit gezielter Defensivverweigerung stärker fokussieren kann. In jedem Fall wird Ronaldos Positionsspiel gegen den Ball ein wichtiger Aspekt dabei sein. Letztlich ist kaum zu sagen, was „The Special One“ für Besonderheiten auszupacken vermag. Doch irgendetwas wird er tun müssen, denn die orthodoxen Ansätze sind wiederholt gescheitert. Von daher ist die Wahrscheinlichkeit zwar relativ hoch, dass es kein spannendes Spiel wird, aber es dürfte interessant werden, wie Mourinho sich gegen diese Wahrscheinlichkeit stemmt.  

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