System-Bastelstunde beim BVB: Auf welcher Position plant Favre mit Can?

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Auch aufgrund seiner Vielseitigkeit hat der BVB für Emre Can 25 Millionen Euro ausgegeben. Vor der neuen Saison stellt sich die Frage: Auf welcher Position plant Lucien Favre mit ihm?

Dortmund

, 26.08.2020, 10:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Nach vier von sechs bislang geplanten Testspielen lässt sich eine Tendenz für eine mögliche Wunschelf von BVB-Trainer Lucien Favre erkennen. Wir beleuchten in einer kleinen Serie die Positionen, auf denen der Konkurrenzkampf um die Plätze besonders intensiv geführt wird. Im zweiten Teil beschäftgen wir uns mit dem defensiven Mittelfeld.


Lucien Favre hielt sich kurz. Auf die Frage, wie er derzeit Emre Cans Rolle beim BVB sehe, sagte der Schweizer nur: „Emre hat in der Vorbereitung in der Innenverteidigung gespielt, weil wir nach Dan-Axel Zagadous Ausfall keine Abwehrspieler mehr hatten. Aber er kann auch im Mittelfeld spielen.“

Für Can hat sich die Situation beim BVB ein bisschen verschärft

Der BVB-Trainer sprach diese Sätze nach dem 11:2-Sieg im Testspiel gegen Austria Wien zum Abschluss des Trainingslagers in Bad Ragaz vor gut einer Woche. Und ein paar Tage später, als Borussia Dortmund in Duisburg gegen Feyenoord Rotterdam erneut testete und zumindest Abwehrchef Mats Hummels Favres Möglichkeiten auf der letzten Linie vergrößerte, stand Can wieder oder immer noch als Innenverteidiger in der Viererkette auf dem Rasen. An der Seite von Lukasz Piszczek sah Can wie die gesamte BVB-Mannschaft beim 1:3 gegen den niederländischen Erstligisten nicht gut aus.

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Für Can persönlich war es nach den lockeren Erfolgen gegen den SCR Altach (6:0) und eben jenem 11:2 gegen die Austria aus Wien das dritte Testspiel der Vorbereitung, zum dritten Mal lief er als einer von zwei zentralen Verteidigern in der Viererkette auf, doch im ersten wirklichen Härtetest als Innenverteidiger lief nur wenig rund. Das ist freilich längst noch kein Grund zur Panik, aber auch Can dürfte registriert haben, dass sich seine Situation beim BVB einerseits durch die Verpflichtung Jude Bellinghams und andererseits durch Favres System-Bastelstunde ein bisschen verschärft hat.

Voll belastbarer Delaney meldet Ansprüche beim BVB an

Denn die Konkurrenz ist noch einmal größer geworden bei Borussia Dortmund, das gilt auch für den deutschen Nationalspieler, der am Dienstag von Bundestrainer Joachim Löw für die anstehenden Länderspiele gegen Spanien und die Schweiz nominiert wurde. Im Mittelfeld hinterlässt der erst 17 Jahre alte Bellingham bislang einen hervorragenden Eindruck auf der Position vor der Abwehr und drängt auf Anhieb in Favres erste Elf. Neben ihm könnte Axel Witsel spielen, der Belgier galt unter Favre bislang eigentlich immer als tragende Säule und unabdingbarer Taktgeber des BVB-Spiels. Hinzu kommt außerdem, dass auch Thomas Delaney nach einer schwierigen vergangenen Saison wieder voll belastbar ist und ebenfalls Ansprüche auf einen Platz im defensiven Mittelfeld formuliert. Julian Brandt stellt eine offensivere Option für die „Achterposition“ dar.

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Und auch in der Abwehr ist ein Stammplatz für Can längst kein Selbstläufer, vor allem dann nicht, wenn Favre seinen Plan von der Rückkehr zur Viererkette konsequent durchzieht. Durch die Umstellung von Dreier- auf Viererkette fällt ein Platz im Defensivzentrum weg. Mats Hummels dürfte als Abwehrchef gesetzt sein, um den Platz daneben müsste sich Can mit Manuel Akanji und Routinier Lukasz Piszczek streiten, Dan-Axel Zagadou wird, genau wie Mahmoud Dahoud im Mittelfeld, erst einmal seinen Rückstand aufholen müssen, sobald es sein lädiertes Knie wieder zulässt.

BVB-Spieler Can fühlt sich in der Zentrale „viel wohler als außen“

Can selbst sagte im Trainingslager in Bad Ragaz im Gespräch mit den Ruhr Nachrichten, dass es ihm egal sei, wo der Trainer ihn aufstelle, nur zentral solle es sein, „weil ich mich da viel wohler fühle als außen“. Grundsätzlich helfe er natürlich da, wo er gebraucht werde, denn es sei erst einmal wichtig, überhaupt zu spielen. Früher habe er sich immer mehr als Mittelfeldspieler gesehen, „aber das hat sich im Laufe der Zeit verändert“. Und er glaube, sagte der 26-Jährige noch, „dass meine Vielseitigkeit mir eher hilft, als dass sie mir schadet“.

Auf Cans erstes halbes Jahr in Dortmund trifft diese Aussage zweifellos zu. Wenn der gebürtige Frankfurter fit war, spielte er immer. 15 Mal war das der Fall, elfmal lief er im Mittelfeld auf, viermal als Verteidiger, allerdings nie in der Vierer-, sondern immer in der Dreierkette. Mit drei Spielern auf der letzten Linie klappte es für Can beachtlich gut in der Verteidigung, beispielsweise beim überzeugenden 2:0-Sieg des BVB in Leipzig am 33. Spieltag oder beim 1:0-Heimsieg gegen Hertha BSC drei Spieltage zuvor, als Can nicht nur hinten dafür sorgte, dass die Null stand, sondern vorne auch noch das Tor des Tages markierte. Cans Vielseitigkeit dürfte zudem ein großes Plus sein, wenn „der Begriff Rotation in der neuen Saison eine Renaissance erlebt“, wie Michael Zorc es vermutet. Der BVB-Sportdirektor nennt Cans Flexibilität einen Grund dafür, „tiefer in die Tasche zu greifen und ihn zu verpflichten“.

Can soll mit seiner Aggressivität auf dem Platz ein Anführer sein

Genau 25 Millionen Euro tief hat der BVB für Can in die Tasche gegriffen, um ihn im vergangenen Winter von Juventus Turin loszueisen, zahlt ihm darüber hinaus ein fürstliches Gehalt. Can ist einer der Topverdiener bei Borussia Dortmund, sicherlich nicht für die Bank verpflichtet worden, und er soll für die Mannschaft mit seiner Aggressivität auf dem Platz ein Anführer sein. Die Frage ist nur, auf welcher Position er es am besten sein kann - und ob er am Ende auch wirklich regelmäßig spielen wird.

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