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Thomas Tuchel ist begehrt - und gilt als schwierig

Klopp-Nachfolger beim BVB?

Schon bevor Jürgen Klopp das Ende seiner Ära bei Borussia Dortmund offiziell verkündet hatte, geisterte der Name Thomas Tuchel durch die Flure des BVB. Dabei war der sich mit dem Hamburger SV so gut wie einig - berichteten nicht nur die Medien, sondern auch die HSV-Verantwortlichen selbst.

MAINZ

von Dennis Rink

, 16.04.2015, 21:30 Uhr / Lesedauer: 3 min
Folgt Thomas Tuchel beim BVB auf Jürgen Klopp?

Folgt Thomas Tuchel beim BVB auf Jürgen Klopp?

Den HSV trainiert jetzt Bruno Labbadia. Dafür ist Tuchel nun erst recht beim BVB als Klopp-Nachfolger im Gespräch. Das alles wirft die Frage auf, was der begehrteste Trainer Deutschlands für ein Typ ist.

Predigt über Ethik, Vertragstreue und Werte

Rückblende. 9. Dezember 2012. Im Vorfeld der Bundesligapartie zwischen Borussia Mönchengladbach und dem FSV Mainz 05 kommen in den Medien Gerüchte auf, Thomas Tuchel habe mit Schalke 04 über ein Engagement verhandelt. Nach der 0:2-Niederlage der Mainzer wird Tuchel auf der Pressekonferenz auf jene Gerüchte angesprochen. Was folgt, ist ein etwa zweiminütiger Monolog. Eine Predigt über Ethik, Vertragstreue und Werte.

„Bei Schalke 04 ist ein Trainer tätig und ich finde es gegenüber Huub Stevens respektlos“, sagt Tuchel damals. Mit seiner eloquenten Art nimmt der Fußballtrainer in einem durchaus vorwurfsvollen Ton Medien und Gesellschaft in die Pflicht. So sehr und so überzeugend, dass auch Gladbach-Trainer Lucien Favre in diesen Kanon einstimmt. Eine umfassende Medienschelte.

Keine Wahl

Nun kann man freilich darüber streiten, ob Medien sich tatsächlich oftmals zu sehr auf Gerüchte stürzen. Das tun sie mit Sicherheit. Der Haken in diesem Fall: Wenige Monate später verhandelte Tuchel dann tatsächlich auf Schalke. Der Trainer handelte zuwider seiner eigenen Aussagen.

10. Mai 2014. Rund um das Saisonfinale gegen den Hamburger SV wird bekannt, dass Thomas Tuchel den FSV Mainz 05, trotz seines bis Juni 2015 laufenden Vertrages, verlassen wird. Ein Abgang mit vielen Nebengeräuschen. Der 41-Jährige drängt aus seinem Arbeitsverhältnis. Mit aller Macht. Die 05er haben im Prinzip keine Wahl. Thomas Tuchel will einfach nicht mehr. Sabbatical heißt das, was folgt.

Brisantes Gerichtsurteil

Gegenwart. Rund um ein brisantes Gerichtsurteil des Arbeitsgerichtes Mainz wirft der ehemalige 05-Torwart Heinz Müller Tuchel in verschiedenen Medien „Mobbing“ vor und klagt an, dass der Trainer entgegen seiner stets proklamierten Werte handele. Müller berichtet, Tuchel habe seinen Spind ausräumen lassen.

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BVB-Pressekonferenz mit Klopp, Watzke und Zorc

Bilder der BVB-Pressekonferenz am 15. April.
15.04.2015
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BVB-Pressekonferenz mit Jürgen Klopp, Hans-Joachim Watzke und Michael Zorc.© Foto: DeFodi
BVB-Pressekonferenz mit Jürgen Klopp, Hans-Joachim Watzke und Michael Zorc.© Foto: DeFodi
BVB-Pressekonferenz mit Jürgen Klopp, Hans-Joachim Watzke und Michael Zorc.© Foto: DeFodi
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BVB-Pressekonferenz mit Jürgen Klopp, Hans-Joachim Watzke und Michael Zorc.© Foto: DeFodi
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Schlagworte Borussia Dortmund,

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BVB-Training in Brackel am 15. April

Bilder des BVB-Trainings in Brackel am 15. April.
15.04.2015
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BVB-Training in Brackel am 15. April.© Foto: dpa
BVB-Training in Brackel am 15. April.© Foto: dpa
BVB-Training in Brackel am 15. April.© Foto: dpa
BVB-Training in Brackel am 15. April.© Foto: dpa
BVB-Training in Brackel am 15. April.© Foto: dpa
BVB-Training in Brackel am 15. April.© Foto: dpa
BVB-Training in Brackel am 15. April.© Foto: dpa
BVB-Training in Brackel am 15. April.© Foto: dpa
BVB-Training in Brackel am 15. April.© Foto: dpa
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Dortmund-Trainer Jürgen Klopp (l) steht am 15.04.2015 beim Training des Fußball-Bundesligisten Borussia Dortmund in Dortmund (Nordrhein-Westfalen) auf dem Platz. Klopp verkündet an diesem Tag seinen Abschied von Borussia Dortmund zum Saisonende. Foto: Friso Gentsch/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++© Foto: dpa
BVB-Training in Brackel am 15. April.© Foto: DeFodi
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Schlagworte Borussia Dortmund,

Nun sind eben jene Vorwürfe laut FSV-Manager Christian Heidel vor Gericht zurückgewiesen worden, dennoch kommt wieder die Frage auf, wie dieser Thomas Tuchel eigentlich tickt. Was ist das für ein Trainer, dem der Hamburger SV komplett zu Füßen gelegen, ihm ein horrendes Jahresgehalt – die Rede ist von 3,2 Millionen Euro – und die sportliche Alleinherrschaft geboten hat?

Hochqualifizierter Mann

Fest steht: Er ist ein hochintelligenter und hochqualifizierter Mann, der aufgrund seiner Fähigkeiten mit jedem Verein der Bundesliga Erfolg haben würde – auch mit dem FC Bayern. Tuchel ist Taktiker, Kommunikator, Tüftler und kann seinem engsten Vertrauten- und Spielerkreis durch seine Art auch Wärme und Wertschätzung entgegenbringen. 2012 gingen Tuchel, sein Trainerteam und der 05-Betreuerstab im Trainingslager in Bad Tatzmannsdorf abends eine Runde Minigolf spielen – inklusive so mancher Sonderwette. Das verbindet.

Unterm Strich ließ der Schwabe die Außenwelt nur selten nahe an sich heran. Tuchel war stets von einem gewissen Misstrauen geprägt. Auch gegenüber den Medien. Wenn er aber in kleiner Runde ins Reden kam, stellte er unter Beweis, dass die Welt für ihn aus mehr als nur Fußball besteht.

Verhandlungen mit dem HSV

Interessante Aspekte und Gedanken waren oftmals das Ergebnis dieser Gespräche. In jedem Fall ist er ein interessanter Typ, dieser Thomas Tuchel, der seine Frau in einer WG kennengelernt hat und häufig betont, sich nicht über den Wohlstand, den die Fußball-Branche automatisch mit sich bringt, zu definieren.

Dennoch kennt Thomas Tuchel seinen Wert. Das machte er auch in den Verhandlungen mit dem HSV deutlich. In einem Interview mit der „Zeit“ antwortete er kürzlich auf die Frage, wie er sich einmal für eine mögliche Entlassung wappnen würde mit den Worten: „Gar nicht, weil ich überzeugt bin, meine Ziele zu schaffen, ohne entlassen zu werden.“ Selbstbewusst eben.

Die andere Seite

Und genau dort beginnt die andere Seite des Thomas Tuchel. Sein Selbstbewusstsein gleitet mitunter in Arroganz ab. Und er hat keine Hemmungen, seine Antipathien zu zeigen. Seine Meinung ist für ihn maßgebend. Das könnte in einer Zusammenarbeit mit Michael Zorc und Hans-Joachim Watzke spannend werden.

Nach Informationen dieser Redaktion ignorierte er Spieler am unteren Ende des Kaders komplett. Der so kommunikative Tuchel kommunizierte nicht. Dabei gilt auch hier der Satz: „Man kann nicht nicht kommunizieren.“ Auch ist es vorgekommen, dass Tuchel Spieler, die in einer Partie nicht nach seinen Vorstellungen aufgetreten sind, mehrere Tage ignorierte.

Eigener Kopf

Mit Gegenreden aus dem Mannschaftskreis kann er nur schwer umgehen. Deshalb könnte an den Vorwürfen von Heinz Müller, unabhängig von der Frage des ausgeräumten Spindes, auch etwas dran sein. Komplett aus der Luft gegriffen scheinen sie jedenfalls nicht. Denn Tuchel ist nicht nur von sich selbst überzeugt, sondern hat auch seinen eigenen Kopf.  

Sollte er tatsächlich in die Fußstapfen von Jürgen Klopp treten, muss den Teamplayern Watzke und Zorc klar sein, dass es intern richtig unbequem werden kann. Thomas Tuchel duldet selten andere Meinungen und lässt sich erst recht nicht in seine Arbeit reinreden. Das muss man als Verein erst einmal verstehen. Genauso wie den Menschen Thomas Tuchel. Es ist schwer genug.

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