Thomas Tuchel mit Paris gegen den BVB: Die Steigerung von extremer Brisanz

rnBorussia Dortmund

Paris gegen den BVB, Thomas Tuchel gegen Borussia Dortmund. Das, was in der Champions League serviert wird, dürfte das Adrenalin ans Limit pumpen. Denn für beide Seiten steht viel auf dem Spiel.

Dortmund

, 16.12.2019, 17:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Keine Frage: Als Glücksfee Hamit Altintop am Montagmittag in Nyon das Los Paris aus der Kunststoffkugel entfaltete, da dürfte es die Verantwortlichen der Borussia kurz durchzuckt haben. Natürlich stehen Namen wie Neymar, Kylian Mbappe und Angel di Maria für die herausragende fußballerische Qualität des französischen Meisters. Und der BVB geht sicher als Außenseiter in das Duell mit dem Lieblingsspielzeug der katarischen Investorengruppe „Qatar Sports Investments“.

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Doch aus Dortmunder Sicht überstrahlt ein Name die Top-Stars der Pariser noch: Thomas Tuchel. Nicht, weil man sich bei der Borussia vor Wiedersehensfreude kaum halten könnte. Vielmehr ist es die geräuschvolle Trennung vom damaligen BVB-Cheftrainer Tuchel vor zweieinhalb Jahren, die im Moment der Auslosung wieder präsent geworden ist.

Verhältnis zwischen Tuchel und der BVB-Klubführung war zerrütet

Tuchels Team holte am 27. Mai 2017 den DFB-Pokal, drei Tage später entließen die Klubbosse den Cheftrainer. Der einstige „Glücksfall für Borussia Dortmund“, wie Präsident Dr. Reinhard Rauball Tuchel nach dessen erstem Halbjahr in Dortmund tituliert hatte, war zur ungeliebten Person avanciert.

Thomas Tuchel mit Paris gegen den BVB: Die Steigerung von extremer Brisanz

Thomas Tuchel geriet beim BVB auch mit Teilen der Mannschaft aneinander. © Kirchner-Media

Das Verhältnis zwischen Cheftrainer Tuchel auf der einen sowie der Klubführung und Teilen der Mannschaft auf der anderen Seite war dermaßen zerrüttet, dass eine weitere Zusammenarbeit trotz des Pokalsieges undenkbar war.

Sportlich erlebte der BVB eine erfolgreiche Zeit unter Thomas Tuchel

Sportlich hatte Tuchel die Vorgaben in Dortmund klar erfüllt. Im ersten Jahr unter ihm wurde der BVB Vizemeister inklusive Rekordpunktzahl, im zweiten Jahr gab es neben dem Pokalsieg noch Rang drei in der Bundesliga. Tuchel wies eine bessere Punktebilanz auf als dessen so geliebter Vorgänger Jürgen Klopp.

Zwischenmenschlich aber taten sich beim BVB längst tiefe Gräben auf. Hätte man alle Gründe für die Trennung öffentlich gemacht, wäre es „keine sehr appetitliche Geschichte geworden“, erklärte Borussias Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke damals, und: „Wir, Michael Zorc als Sportdirektor und ich, haben uns in dieser Zeit in der Zusammenarbeit mit dem Trainerteam auch aufgerieben.“

Thomas Tuchel sagte in einem Zeit-Interview einige Wochen nach der Trennung: „Wenn starke Persönlichkeiten aufeinandertreffen, entsteht Reibung, da bin ich keineswegs immer das Opfer, um Gottes willen.“ Die BVB-Bosse und Tuchel, sie gingen nach etlichen internen Streitereien nicht als Freunde auseinander. Und die Dortmunder Verantwortlichen mussten teils heftige Kritik aus Fankreisen einstecken, viele Anhänger konnten die Entlassung des doch so erfolgreichen Trainers nicht nachvollziehen. Ein Ende mit Schrecken.

Auch für Thomas Tuchel steht gegen den BVB viel auf dem Spiel

Jetzt also kommt es zum pikanten Wiedersehen. Im Februar zum Achtelfinal-Hinspiel im ehemaligen gemeinsamen Wohnzimmer in Dortmund.

Thomas Tuchel mit Paris gegen den BVB: Die Steigerung von extremer Brisanz

Thomas Tuchel muss liefern - die Ziele bei Paris St. Germain sind hoch gesteckt. © dpa

BVB-Sportdirektor Michael Zorc will Tuchel dann zwar „freundlich begrüßen“, wie er am Montagmittag betonte. Doch auch Zorc weiß um den Zündstoff, der in der Partie gegen Paris steckt: Schießt Tuchels Team den BVB aus der Königsklasse, wäre es eine süße Revanche für den Ex-Coach. Wirft jedoch die Borussia das französische Starensemble aus dem Wettbewerb, dürften Tuchels Tage in Paris gezählt sein. Denn der Druck für den 46-Jährigen ist gewaltig. Der rund eine Milliarde Euro teure Kader muss in der Champions League weit kommen, sie möglichst sogar gewinnen, so lautet die klare Vorgabe der Geldgeber aus Katar.

Siebenmal in Serie war spätestens im Viertelfinale Schluss

In der Vorsaison scheiterte Tuchels Auswahl im Achtelfinale in letzter Sekunde an Manchester United. Grausam sei das gewesen, gab ein tief frustrierter Thomas Tuchel zu, „wir sind draußen. Das haben wir nicht verdient.“ Siebenmal in Serie ist PSG nun schon spätestens im Viertelfinale ausgeschieden - die Investoren sind nervös. Sie wollen mehr als nur die französische Meisterschaft, die auch Tuchel in seiner Debütsaison mit Paris souverän einfuhr und die der Hauptstadtklub auch in dieser Spielzeit als klarer Tabellenführer am Ende bequem einpacken wird.

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Liefern muss Tuchel jetzt in der Königsklasse - und tut das bislang. Sein Team marschierte ungeschlagen durch die Gruppenphase, ließ mit 16 von 18 möglichen Punkten Real Madrid hinter sich. Herausragend dabei: Kylian Mbappe. Der Mittelstürmer bringt es in 30 Champions-League-Spielen auf satte 30 Scorerpunkte (19 Tore, elf Vorlagen). Solche Werte konnte noch nie zuvor ein 20-Jähriger vorweisen.

Ex-BVB-Spieler Abdou Diallo hat sich etabliert

Dazu kommt Brasiliens Volksheld Neymar langsam wieder in Form, Tuchel hat darüber hinaus Neymars Landsmann Marquinhos zum überraschend starken Mittelfeld-Sechser umfunktioniert, der im Sommer für 32 Millionen Euro Ablöse von Borussia Dortmund geholte Verteidiger Abdou Diallo hat sich in Paris ebenfalls etabliert. PSG-Präsident Nasser Al-Khelaïfi ließ wissen, dass Tuchel „fantastische Energie“ in den Verein bringe, „Thomas ist ein sehr anspruchsvoller Trainer, der anderen zuhört, über Fachkenntnisse und sehr gute Managementfähigkeiten verfügt.“

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Ex-Borusse Abdou Diallo hat sich in Paris etabliert. © imago/PanoramiC

Dass aber sogar nationale Titel bei PSG nicht vor einer Entlassung schützen, musste Tuchels Vorgänger Unai Emery erfahren. Der Spanier gewann 2018 das Double aus Meistertitel und Pokal und musste kurz darauf seine Koffer packen. Und zuletzt häuften sich in Paris die Meldungen, dass einige der größten Stars Stress haben sollen mit Thomas Tuchel.

Paris ist ein ein Pulverfass

Die Fotos von Kylian Mbappe, der seinen Trainer bei einer Auswechslung keines Blickes würdigt, machten vor wenigen Tagen blitzschnell die Runde. Paris, das Pulverfass. Ob Tuchel am Saisonende seinen zweiten Meistertitel in Frankreich feiern kann, hängt nun also auch vom BVB ab. Wie gesagt: Auf dem Spielplan steht die Steigerung von extremer Brisanz.

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