Thomas Tuchel muss Team zur Konstanz führen

Die BVB-Reifeprüfung

Die Mannschaft von Borussia Dortmund hat sich deutlich mehr Konstanz in ihren Leistungen als großes Ziel für die Rückrunde in der Bundesliga auferlegt. Auch der Trainer steht in der Pflicht: Die Entscheidungen und das Verhalten von Thomas Tuchel sind kritisch beäugt worden in der Hinrunde, auch er muss liefern ab dem 21. Januar, wenn der BVB in Bremen die Saison wieder aufnimmt. Eine Lagebewertung.

MARBELLA

, 13.01.2017, 07:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

? Spiel verpasst? Alle Tore und Highlights vom Testspiel #rsclbvb in Marbella. pic.twitter.com/bzW85K5lXy

— Borussia Dortmund (@BVB)

Emre Mor zieht den Kopf zwischen die Schultern und versteckt sich dann flugs hinter einem Mitspieler, was nicht ungeschickt ist, denn Thomas Tuchel ist nicht zufrieden an diesem Montag in Marbella. Tuchel ärgert, wie Mor die Trainingsübung ausführt, und das lässt er ihn lautstark spüren. Auch Sebastian Rode bekommt sein Fett weg. „Sebaaaastian“, schallt es mit Verzweiflung in Tuchels Stimme über den Platz. Rode ist gerade erst wieder ins Training eingestiegen, aber das schützt ihn nicht vor Kritik.

Geste der Machtlosigkeit

Nach zwei halben freien Tagen lässt die Spannung bei einigen Spielern in dieser Übungsform zu wünschen übrig, und das wurmt den ehrgeizigen Trainer der Borussia. Tuchel stützt die Hände auf die Knie, dann beugt er den Oberkörper weit nach vorne, beinahe wie beim „Herabschauenden Hund“ schaut das aus. Aber es ist eine Geste der Machtlosigkeit, von einer entspannten Yoga-Stunde kann nicht die Rede sein. Dortmunds Trainer steht unter Strom, er kennt in diesen Situationen nur Volldampf. Generell zieht sich Tuchel in diesem Trainingslager sehr oft in die Beobachter-Rolle zurück, ist dabei aber selten stumm. Er kritisiert, aber er lobt auch oft und auffallend.

Jetzt lesen

Ein Stangengewirr, das fünf kleine Tore simulieren soll, inmitten des großen Pulks aus 15, 16 Spielern. Es ist eng auf dieser Fläche, die Tuchel eine halbe Stunde vor Trainingsbeginn abgesteckt und zentimetergenau abgemessen hat. Die Aufgaben, die er seinen Spielern stellt, sind weiter hochkomplex: Es geht um Handlungsschnelligkeit, um das zuverlässige Besetzen der Räume, um blitzschnelles Erkennen und bewerten einer Situation, um Lösungsfindung.

Elefantenrunde am Rheinlanddamm

Zwei freie Spieler, sichtbar durch ein rotes oder blaues Leibchen, sorgen für Überzahl bei der Mannschaft in Ballbesitz. Sie muss aus dieser Überzahl einen Vorteil herausspielen, sie muss den Ball behaupten. Und wenn sie es schafft, durch die Stangen zu kombinieren, gibt das einen Punkt. Die verteidigende Mannschaft, die in Unterzahl, muss die freien Räume durch geschicktes Verschieben verengen und Druck auf den Ball ausüben. Es ist diese Übung, die sich durch sehr viele Einheiten nicht nur hier in Marbella zieht, er lässt sie auch in Dortmund sehr oft trainieren. Verfestigung durch stete Wiederholung.

FOTOSTRECKE
Bildergalerie

Testspiel: BVB - Standard Lüttich 3:0 (1:0)

Bilder des Testspiels zwischen Borussia Dortmund und Standard Lüttich.
12.01.2017
/
Bilder des Testspiels zwischen Borussia Dortmund und Standard Lüttich.© Foto: Guido Kirchner
Bilder des Testspiels zwischen Borussia Dortmund und Standard Lüttich.© Foto: Guido Kirchner
Bilder des Testspiels zwischen Borussia Dortmund und Standard Lüttich.© Foto: Guido Kirchner
Bilder des Testspiels zwischen Borussia Dortmund und Standard Lüttich.© Foto: Guido Kirchner
Bilder des Testspiels zwischen Borussia Dortmund und Standard Lüttich.© Foto: Guido Kirchner
Bilder des Testspiels zwischen Borussia Dortmund und Standard Lüttich.© Foto: Guido Kirchner
Bilder des Testspiels zwischen Borussia Dortmund und Standard Lüttich.© Foto: dpa
Bilder des Testspiels zwischen Borussia Dortmund und Standard Lüttich.© Foto: dpa
Bilder des Testspiels zwischen Borussia Dortmund und Standard Lüttich.© Foto: dpa
Bilder des Testspiels zwischen Borussia Dortmund und Standard Lüttich.© Foto: dpa
Bilder des Testspiels zwischen Borussia Dortmund und Standard Lüttich.© Foto: dpa
Bilder des Testspiels zwischen Borussia Dortmund und Standard Lüttich.© Foto: Guido Kirchner
Bilder des Testspiels zwischen Borussia Dortmund und Standard Lüttich.© Foto: Guido Kirchner
Bilder des Testspiels zwischen Borussia Dortmund und Standard Lüttich.© Foto: Guido Kirchner
Bilder des Testspiels zwischen Borussia Dortmund und Standard Lüttich.© Foto: Guido Kirchner
Bilder des Testspiels zwischen Borussia Dortmund und Standard Lüttich.© Foto: Guido Kirchner
Bilder des Testspiels zwischen Borussia Dortmund und Standard Lüttich.© Foto: Guido Kirchner
Bilder des Testspiels zwischen Borussia Dortmund und Standard Lüttich.© Foto: Guido Kirchner
Bilder des Testspiels zwischen Borussia Dortmund und Standard Lüttich.© Foto: Guido Kirchner
Bilder des Testspiels zwischen Borussia Dortmund und Standard Lüttich.© Foto: Guido Kirchner
Bilder des Testspiels zwischen Borussia Dortmund und Standard Lüttich.© Foto: Guido Kirchner
Bilder des Testspiels zwischen Borussia Dortmund und Standard Lüttich.© Foto: Guido Kirchner
Bilder des Testspiels zwischen Borussia Dortmund und Standard Lüttich.© Foto: dpa
Bilder des Testspiels zwischen Borussia Dortmund und Standard Lüttich.© Foto: dpa
Bilder des Testspiels zwischen Borussia Dortmund und Standard Lüttich.© Foto: dpa
Bilder des Testspiels zwischen Borussia Dortmund und Standard Lüttich.© Foto: dpa
Bilder des Testspiels zwischen Borussia Dortmund und Standard Lüttich.© Foto: dpa
Bilder des Testspiels zwischen Borussia Dortmund und Standard Lüttich.© Foto: dpa
Bilder des Testspiels zwischen Borussia Dortmund und Standard Lüttich.© Foto: dpa
Bilder des Testspiels zwischen Borussia Dortmund und Standard Lüttich.© Foto: dpa
Bilder des Testspiels zwischen Borussia Dortmund und Standard Lüttich.© Foto: dpa
Bilder des Testspiels zwischen Borussia Dortmund und Standard Lüttich.© Foto: dpa
Bilder des Testspiels zwischen Borussia Dortmund und Standard Lüttich.© Foto: dpa

Kurz vor Weihnachten, nach dem 1:1 gegen Augsburg, hat traditionell die Elefantenrunde am Rheinlanddamm getagt. Tuchel, Sportdirektor Zorc, Geschäftsführer Watzke. Die Entscheider. Die Hinrunde wurde analysiert, die Strategie für die Rückserie festgelegt. Tuchel ist danach mit der Familie weit weg in den Urlaub gefahren. Wenige Tage der Entspannung. Jetzt ist er wieder da. Und unübersehbar tatendurstig.

"Platz drei ist das Minimalziel"

Es ist auch die Phase angebrochen, die darüber entscheiden wird, wie der Trainer Tuchel in Dortmund beurteilt werden wird. Verpasst er die Champions-League-Qualifikation, wäre das wie ein dicker Fleck, der den guten Eindruck der Bewerbungsmappe versaut. Tuchel steht vor seiner Reifeprüfung. Sein erstes BVB-Jahr war glänzend, das zweite steht unter dem Oberbegriff des Umbruchs, ohne dass die Ziele geringer werden. Er muss jetzt, wo die meisten verletzten Spieler zurück sind, zeigen, dass er diese Mannschaft nach oben führen kann, dass er ihr Halt geben, dass er sie lenken kann.

Jetzt lesen

Tuchel weiß, was von ihm erwartet wird. „Platz drei ist das Minimalziel“, hat er jetzt im Interview mit dem WDR-Hörfunk gesagt. Ein bemerkenswertes Gespräch, über 16 Minuten lang, in dem er sich leutselig, kumpelhaft gibt, in dem er offen über persönliche Schwächen („Nach Spielen bin ich anfällig für alle Schweinereien, Schokolade, Chips, Erdnüsse“) redet. In dem er sich erstmals so vehement auch gegen das Bild wehrt, das von ihm gezeichnet wird. Das des kühlen, distanzierten und unnahbaren Trainers, der das Wort „Nähe“ kennt, sie aber nicht vorleben kann.

Sportlicher Erfolg entscheidet

„Krass unfair“ sei es, ihm vorzuhalten, dass er nicht vor die Südtribüne zu den Fans trete, meint Tuchel in dem Interview. „Ich bin wahnsinnig froh, dass mich die Fans nach den Spielen nicht fordern. Ich wüsste nicht, wie ich mir vor der Südtribüne verhalten würde - wahrscheinlich würde es fürchterlich werden. Deswegen fühle ich mich wahnsinnig wohl, wenn ich bei mir bleiben kann.“

Bei allem persönlichen Gebaren wird vor allem der sportliche Erfolg darüber entscheiden, ob der BVB Thomas Tuchel eine Vertragsverlängerung anbieten wird. Geschäftsführer Watzke hat angekündigt, eine Klärung dieser Frage vor Beginn von Tuchels letztem Vertragsjahr erzielen zu wollen. Bis zur Sommerpause aber wird er sich gedulden müssen. „Während der Saison“, sagt Tuchel, „bin ich ein ganz schlechter Verhandlungspartner.“ 18 Bundesliga-Spiele bleiben ihm, um seine Verhandlungsposition noch deutlich zu verbessern. Tuchel ist entschlossen, die Zeit zu nutzen. 

Lesen Sie jetzt